Digitalisierung im Versicherungswesen als Antwort auf den gestiegenen Wettbewerb durch InsurTech-Startups

Der steigende Wettbewerb durch InsurTech-Startups zwingt klassische Versicherer zunehmend zum Handeln. Junge, deutsche Unternehmen wie GetSafe, Schutzklick, Finanzchef24 und Friendsurance, erhöhen den Druck auf die Versicherungsbranche.

Laut einer Studie von Barkow Consulting konnten die hiesigen Startups alleine 2015 über 30 Millionen US-Dollar Wagniskapital von Investoren einsammeln. Weltweit waren es sogar über 800 Millionen US-Dollar. Die klassischen Versicherer versuchen sich mit zunehmendem Tempo zu modernisieren und digitalisieren, um sich auf diesen veränderten Wettbewerb einzustellen. Die großen Herausforderungen der Branche bieten zugleich große Chancen. Wer sich im digitalen Wandel gegen die Konkurrenz behauptet, kann sich nachhaltig Wettbewerbsvorteile sichern und seine Marktposition verbessern.

Warum sind InsurTech-Startups so eine große Herausforderung für die Branche?

InsurTech-Unternehmen versuchen die klassische, streng regulierte Branche durch neue Technologien und alternative Geschäftsmodelle zu verändern. Dabei ist die Versicherungstechnologie ein Sammelname für die Nutzung moderner Technologien in der Versicherungsbranche.

Durch die Kombination von Technologie und Versicherungswissen wollen die InsurTech-Startups dazu beitragen, dass der Wettbewerb gefördert wird und Versicherungen kundenfreundlicher, günstiger und einfacher werden. Ob mit Hilfe von neuen Versicherungsmodellen, von Schnittstellenoptimierung zwischen Kunden und Versicherern oder ob mit neuen Methoden bei der Beratung oder Verwaltung. Die Start-ups können meist deutlich effizienter operieren, da Prozesse digitalisiert sind und keine Geschäftsstellen vorhanden sind.

Es gibt verschiedene Bereiche innerhalb der InsurTech-Szene. Der Health Insurance Bereich nutzt gesundheitsbezogene Informationen aus neuen Datenquellen, zum Beispiel aus Smartphone-Apps. Dieses Vorgehen ermöglicht individuelle Beitragszahlungen. Je gesünder jemand nachweislich lebt, desto besser werden seine Konditionen.

Ein weiteres, großes Segment stellen die sogenannten peer-to-peer Versicherer dar. Hier schließen sich eine Gruppe von Versicherten zusammen, die sich im Schadensfall gegenseitig unterstützen. Bei Schadensfreiheit reduzieren sich die Versicherungsbeiträge. Des Weitern gibt es Online-Makler, die das Verwalten von Versicherungen vereinfachen wollen, oder Spot Insurances, eine neue Kurzzeit-Versicherung, die situationsbedingt auf die Versicherten angepasst wird.

Konsolidierung in der Branche

Der Markt für junge InsurTech-Startups wächst in den letzten Jahren rasant an. Dabei bewegt sich die Branche ein wenig zwischen Hysterie und Hype. Klar ist, dass der Trend hin zu kundenfreundlicheren und transparenteren Lösungen anhalten wird. Die Frage wird dabei sein, inwiefern sich die klassischen Versicherer mit eigenen, innovativen Lösungen positionieren können.

In Deutschland ähneln sich die Ansätze der InsurTech-Unternehmen oftmals in weiten Teilen, deswegen wird bald sicherlich das ein oder anderer Start-Up vom Markt verschwinden. Andere Anbieter wiederum werden wohl noch einige Jahre brauchen, um sich nachhaltig in der Branche durchsetzen zu können. Generell ist der Markt jedoch groß genug: Im vergangenen Jahr wurde in der Versicherungsbranche ein Umsatz von rund 1,4 Milliarden Euro erwirtschaftet.

In den USA scheint der Markt einen Schritt voraus zu sein: Das InsurTech-Startup Oscar beispielsweise, unterstützt von Investoren wie Peter Thiel oder Klaus Hommels, sichert sich zunehmend Marktanteile und gewinnt echtes Momentum. Zwar lassen sich die beiden Märkte aufgrund unterschiedlicher Systeme und Regularien nicht direkt vergleichen, dennoch zeigt die Lösung von Oscar eine höhere Reife als ähnliche Anwendungen in Deutschland.

Digitalisierung als Reaktion auf den gestiegenen Wettbewerb

Die klassischen Versicherer versuchen sich durch die Digitalisierung der eigenen Prozesse, Systeme und Geschäftsmodelle auf den gestiegenen Wettbewerbs- und Innovationsdruck einzustellen. Schon jetzt planen 91% aller Versicherungen ihr Investment in digitale Kanal-Lösungen in den nächsten zwei Jahren auszubauen (Bain & Company).

Laut Forbes bezieht sich der Begriff „Digitale Transformation“ auf die signifikante Steigerung der Performance und Reichweite eines Unternehmens durch den Einsatz von Technologie. Eine Umfrage des MIT Center for Digital Business hat ergeben, dass die digitale Transformation zu den drei wichtigsten Managementaufgaben der nächsten Jahre gehört.

Die Digitalisierung ist dabei nicht nur die Antwort auf den gestiegenen Wettbewerb durch InsurTech-Unternehmen. Wie in anderen Branchen auch, hat sich das Kundenverhalten durch neue Technologien in den letzten Jahren stark verändert. 60% der Deutschen sehen das Internet künftig als wichtigsten Kanal für Transaktionen mit ihrer Versicherung.

Die Versicherungskunden erwarten zunehmend digitale Lösungen, die ihre Erfahrung mit Produkten und Dienstleistungen der Branche verbessern. Sie erwarten eine personalisierte und komfortable Nutzung, die sich über verschiedene Kanäle wie Mobile oder Social erstreckt. Kunden wollen heute Services ihres Alltags immer und überall nutzen.

Mobile als Innovationstreiber

Es gibt wenig Zweifel daran, dass Mobile die Transaktionsplattform der Zukunft ist. Die mobile Nutzung bestimmt zunehmend das tägliche Leben der Konsumenten. Die klassischen Versicherer müssen sich auf diesen Wandel einstellen und massiv in den Ausbau ihrer mobilen Kapazitäten investieren.

Während mittlerweile viele Versicherungen eine eigene App haben, mangelt es häufig noch an der Integration mit den anderen digitalen Kontaktpunkten so wie der Customer Experience. Laut einer Gartner-Studie macht die Integration mobiler Lösungen in die bestehende Enterprise-Architektur (Anwendungen, Services und Datenquellen) oft bis zu 70% der Gesamtkosten mobiler Projekte aus.

Altsysteme (Legacy Systeme) verhindern so häufig echte Innovationen und bedeuten einen erheblichen Wettbewerbsnachteil gegenüber InsurTech-Unternehmen.

Die Zukunft der Branche

Was bedeutet dies also für die nächsten Jahre im Versicherungswesen? Einige der InsurTech-Startups werden sich über kurz oder lang im Markt behaupten können. Die jungen Unternehmen werden sich auf die Kritik der Branche hinsichtlich Datenschutz, Transparenz und Qualität einstellen und ihre Angebote weiter verbessern.

Letztlich wird es darauf ankommen, wie gut sich die klassischen Versicherer auf die neuen Bedingungen einstellen werden. Um wettbewerbsfähig zu bleiben, brauchen die großen Versicherungsunternehmen digitale Lösungen, die auf das veränderte Kundenverhalten reagieren. Die Angebote müssen auf ihre Multikanal-Fähigkeit hin optimiert werden. Mobile Apps werden künftig zu einem zentralen Schlüssel.

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Contentpepper

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