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Phänomen Joomla!

Joomla! ist das mit Abstand am weitesten verbreitete Open Source Web Content Management System der Welt. Das Entwicklerteam geht momentan von etwa 5.000.000 Installationen auf öffentlichen Webservern aus. Es gibt 25.000 registrierte Entwickler mit 1.000 Projekten,
die Joomla erweitern. Im Forum auf joomla.org existieren 325.000 Einträge von 35.000
Benutzern. Es wird auf der ganzen Welt benutzt. Die Bandbreit reicht von sehr einfachen
Homepages bis hin zu komplexen Geschäftsanwendungen.
Was steckt hinter diesem Erfolg?
Die Basis von Joomla! bildet Mambo, ein Projekt, gestartet im Jahre 2001 von der Fa. Miro
in Australien. Miro stellte den Code des Projektes der Open Source Gemeinde aus
verschiedenen Gründen zur Verfügung. In den Folgejahren wurde Mambo sehr erfolgreich von
verschiedenen Open Source Programmierern weiterentwickelt und bestach in der Einfachheit
der Installation und der Bedienung. Die Fa. Miro wollte an dem Erfolg teilhaben und es gab
Probleme mit Namensrechten, Zuständigkeiten und vielen über die Jahre gepflegten
Befindlichkeiten zwischen Miro und dem Entwicklerteam. Nach heftigen Auseinandersetzungen
verließ das komplette Entwicklerteam das Projekt im September 2005 und gründete Joomla!.
Das neue Projekt sollte so konstruiert sein, dass es niemals Probleme mit Lizenzen,
Rechten und anderen kreativitätshemmenden Effekten geben sollte. Rechtsanwälte,
Werbeagenturen und Open Source Berater halfen beim Start und hunderttausende von Benutzern
wechselten von Mambo zu Joomla!. Nach und nach unterstützten auch alle Entwickler von
Zusatzkomponenten das Projekt und innerhalb der letzten 8 Monate erschienen 8 Joomla!
Versionen, die immer sicherer, funktioneller und benutzerfreundlicher wurden.
Was kann Joomla?
Mit Joomla! können Inhaltsseiten von verschiedenen Benutzern erstellt und verwaltet
werden. Diese Seiten können öffentlich oder nur bestimmten Benutzergruppen zu bestimmbaren
Zeitpunkten zugänglich sein. Es gibt in der Standardinstallation bereits eine
Bannerverwaltung, die Möglichkeit einer Rundmail an die verschiedenen Benutzergruppen, die
Integration von RSS Feeds aus anderen Websites, eine Umfragemöglichkeit, einen Weblink
Katalog und die Möglichkeit Kontaktformulare zu verwalten. Die einzelnen Seiten haben
Suchmaschinen freundliche URLs und können in baumartigen Menüs, Tabellen- und
Blogansichten durch konfigurierbare Templates in der Website angezeigt werden. Jede
Webseite kann in einer druckerfreundlichen und in einer PDF Ansicht dargestellt werden.
Sie kann bewertet und per E-Mail weiterempfohlen werden. Die eingebauten Statistik
Funktionen zählen alle Zugriffe und mit Hilfe von Stichworten kann man miteinander
verknüpfe Artikel erzeugen.
Die Administration findet komplett im Browser statt. Administrationsbereich und Website
sind voneinander getrennt. Zusatzfunktionalitäten wie Foren, Shops, Wikis, Blogs können
per Upload innerhalb des Administrationsbereich hochgeladen werden. Von der Funktionalität
her also ein ganz normales CMS :-). Das Besondere an Joomla! ist die einfache Art mit der
all diese Funktionalitäten möglich sind.

admin interface Detailansicht
Installation
Als Systemvoraussetzung wird PHP und MySQL benötigt. Diese Kombination bildet den wirklich
kleinsten gemeinsamen Nenner bei Hosting Anbietern. Die Installation gestaltet sich extrem
einfach. Download des gezippten Joomla! Paketes von der Projekthomepage, auf dem lokalen
PC auspacken und die Dateien per FTP auf den angemieteten oder eigenen Server laden.
Per Browser wird die URL aufgerufen die auf die gerade hochgeladenen Dateien zeigt. Es
erscheint der Joomla! Webinstaller, der in fünf Schritten das System konfiguriert. Er
fragt Dinge ab, wie den Namen der Website, die E-Mail Adresse des Administrators und die
Zugangsdaten zur MySQL Datenbank. Nach der Installation ist Ihre Website erreichbar und
konfigurierbar.

Frontend nach Installation Detailansicht
Website Konfiguration
Die gesamte Website Konfiguration ist über den Browser im Administrationsbereich möglich.
Joomla! unterscheidet Inhalte nach eher statischem Inhalt ("Impressum",
"Geschäftsbedingungen", "Anfahrt", ...) und eher dynamischem Inhalt ("Pressemeldungen",
"Produktkataloge", "Artikel"). Die dynamischen Inhalte werden durch ein zweistufiges
Hierarchiesystem strukturiert (Bereich, Kategorie).
Durch diese konsequente und einfache
Struktur können leicht verschiedene Sichten auf die Inhalte erzeugt werden ("Alle Inhalte
des Bereichs Autoreifen in der Kategorie BMW"). Diese Sichten lassen sich als Tabelle oder
in einer blogartigen Ansicht darstellen. In konfigurierbaren Modulen können die
Überschriften dieser Inhalte auf der Website an bestimmbaren Stellen eingeblendet werden
("Letzte Nachrichten", "am meisten gelesene Artikel", ...)
Für Redakteure bietet das System die Möglichkeit, Inhalte in das System einzupflegen ohne
Zugriff auf den Administrationsbereich zu haben.
Zur Konfiguration gehört natürlich auch die Installation von anderen Templates,
zusätzlichen Komponenten wie Foren, Blogs, Wikis, Shops, etc und auch verschiedene
Sprachdateien.
Mehrsprachigkeit
Durch die Zusatzkomponente Joomfish ist es möglich, die gesamte Website in beliebig vielen
Sprachen darzustellen.
Vorteile/Nachteile
Nach diesen doch recht euphorischen Worten ein Blick auf die Nachteile. Echte Nachteile im
Sinne von schlechten Funktionalitäten gibt es nicht. Die Vorteile sind bei Joomla! oft
auch die Nachteile. Das zweistufige Hierarchiesystem ist beispielsweise nicht erweiterbar
auf mehr Hierarchien. Tausende von vordefinierten Templates, die sich mit zwei Mausklicks
installieren lassen sind nicht barrierefrei. Zusätzliche Benutzerrollen können nicht
definiert werden. Um es kurz zu machen. Viele Anforderungen, die professionelle Business
Websites stellen sind im Standardumfang von Joomla! nicht enthalten.
An diesem Punkt
kommen aber die 1.000 Joomla! Projekte die von 25.000 Entwickler programmiert werden in
Erscheinung. Sie brauchen ein deutsches Administrationsinterface, eine barrierefreie
Seite, die Möglichkeit per E-Mail Artikel einzustellen, ein Dokumentenmanagement System?
Mit ein paar Klicks installieren Sie sich solche Funktionalitäten über das
Administrationsinterface. Selbst wenn die Zusatzkomponente nicht 100% das tut, was sie
wollen, so sind die Anpassungen, die ein PHP Programmierer machen muss, denkbar gering.
Unterm Strich überwiegen die Vorteile einer offenen Community und der großen Anzahl an
Benutzern bei weitem die Nachteile!
Homepage: www.joomla.org
Erweiterungen: http://extensions.joomla.org/
Templates: www.joomlaos.de
05/2006, Hagen Graf

|  | Hagen Graf arbeitet seit vielen Jahren als Programmierer und EDV-Trainer und ist erfolgreicher Buchautor. Didaktische Erfahrungen sammelte er als Online-Dozent, praktische Erfahrungen bei verschiedenen On- und Offline-Projekten.
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