Bausteine eines Web-Textes

Autor: Saim Alkan
Eingetragen seit: 03/2006
Letzter Beitrag: 09/2007
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Kapitel:

Der User will an erster Stelle erfahren, welche Kernaussage Ihr Text ihm vermitteln wird. Um ihm dies zu erleichtern, strukturieren Sie Ihren Text in unterschiedliche Teile.


Headline – die Überschrift

Überschriften geben dem User die erste Vorab-Information über den Inhalt, den der Text enthält. Sie sind "Hingucker", die der User zuerst liest und anhand derer er entscheidet, ob er dem Text weitere Aufmerksamkeit schenkt. Daher muss eine Überschrift vor allem informativ und relevant für den Zielgruppen-User sein. Durch verständliche Formulierung und durch Prägnanz wird sie attraktiv und stimulierend, Sprachspielerei ist zweitrangig. Sie funktioniert als Schlagzeile: Das Thema des Textes bringt sie in wenigen Worten auf den Punkt. Die Faustregel, nicht mehr als sechs Wörter zu verwenden, ist jedoch kein Dogma. Entscheidend ist, dass die Headline den inhaltlichen Bezug durch kurze und treffende Formulierung herstellt.

Headlines sind im Gegensatz zum zusammenhängenden Textmodul (Fließtext) bereits auf der Start- oder Übersichtsseite zu sehen. Sie erscheinen aber auch auf der zweiten Navigationsebene, auf der der Fließtext platziert ist und zu dem ein Link von der Übersichtsseite hinführt. Ihr Wortlaut dient dem User beim Navigieren durch die verschiedenen Ebenen als Wiedererkennungszeichen. Auch deshalb muss die Headline informieren sowie prägnant und einprägsam formuliert sein.




Bei der Online-Ausgabe der Bild-Zeitung sind die Schlagzeilen (beinahe) das Wichtigste. Hier wird das Wesentliche zielgruppengerecht auf den Punkt gebracht. Über die Headline wird eine erläuternde Subline gesetzt (Quelle: www.bild.de).


Subline und Overline

Häufig wird eine zweite erläuternde Schriftzeile über oder unter die Überschrift gesetzt. Sie hilft bei der Einordnung in eine Rubrik, in den größeren Zusammenhang etc.

Was bedeutet "Teaser"? Im Englischen ist "teaser" gleichbedeutend mit "Lockmittel". Je nach Medium ist ein Teaser ein kurzer Vorspann zu einem Film, ein kurzer Ankündigungsspot im Fernsehen oder ein Einstieg in einen Text. Charakteristisch für alle Erscheinungsformen des Teasers ist das "Necken" und "Locken", das der englischen Bedeutung entspringt.


Teaser und Lead – der Vorspann

Wichtigster Baustein Ihres Web-Textes ist der Teaser. Er bildet auf der Start- oder Übersichtsseite eine Einheit mit der Headline, baut auf sie auf.

Der Teaser verdichtet die Information, die im nachfolgenden Text vermittelt werden soll, auf eine oder mehrere Schlagzeilen. Die Faustregel lautet: höchstens drei Sätze. Er soll die Story "ankündigen", indem er in die wichtigsten W einführt und den User dazu "reizt", über den anschließenden Link zur eigentlichen Story zu klicken. Er ist nach der Headline das wichtigste Selektionskriterium für den User. Der Teaser ist also eine Art Rutsche, über die der User in das Thema gleitet. Es gibt mehrere Wege, den User in die Story einzuführen.

Der summarische Teaser
Der summarische Teaser beantwortet die wichtigen W-Fragen auf einen Schlag. Er ähnelt dem klassischen Vorspann (Lead), weil er alle wichtigen Informationen komprimiert präsentiert. Dabei ist darauf zu achten, den ersten Satz nicht mit Fakten zu überladen. Das macht ihn schwer verständlich. Der summarische Teaser ist für Internet-Auftritte meist zu lang, da er zu viele Informationen enthält.

    Beispiel aus der Online-Ausgabe der ZEIT vom 19. Juni 2002:
    Im tschechischen Wahlkampf schürt eine große Koalition von Populisten Europafeindlichkeit und Angst vor den Deutschen. Angeführt wird die plumpe Golem-Parade von Miloc Zeman, dem Ministerpräsidenten der sozialdemokratischen Minderheitsregierung. An seiner Seite marschiert der Expremier und Parlamentspräsident Václav Klaus von der rechtsliberalen Demokratischen Bürgerpartei.
Der modifizierte Teaser
Der modifizierte Teaser ist weniger formalisiert als der summarische Teaser. Er nimmt nur das Wichtigste auf. Dadurch bleibt er kurz, prägnant und informativ. Ein Satz genügt, um die wichtigste Information zu präsentieren. Aufgrund dieser Prägnanz ist der modifizierte Teaser gut für Internet-Auftritte geeignet.

    Beispiel aus der Online-Ausgabe des Tagesanzeigers vom 17. Juni 2005:
    Ein Gericht in Sarajevo hat den bosnischen Serben Goran Vasic wegen Kriegsverbrechen in den Neunzigerjahren zu einer Freiheitsstrafe von sechs Jahren verurteilt.
Der anonyme Teaser
Diese Form wird häufig verwendet, wenn Namen oder eine genaue Identifikation von Personen oder von Sachen keine wesentliche Rolle spielen. Der anonyme Teaser kann auch benutzt werden, um Spannung aufzubauen und den Leser neugierig auf weitere Informationen zu machen. Wenn ein Teaser nur verkündet: "Londoner Gericht bestätigt Vaterschaft" – kommt natürlich die Frage auf: Warum steht das hier? Worum geht es eigentlich? Und schon ist die Neugier geweckt – erst im Artikel fällt der Name "Boris Becker" und beim Leser der Groschen.

    Hier spielen Namen keine Rolle: Ein Beispiel aus der Online-Ausgabe des Spiegels vom 16.06.2005:
    Die Bisse tollwütiger Vampir-Fledermäuse haben im brasilianischen Bundesstaat Pará elf Menschen das Leben gekostet. In der Region hätten bereits 700 Einwohner nach Fledermaus-Attacken behandelt werden müssen, teilten die Behörden mit.
Der unterhaltende Teaser
Nicht immer sind Teaser streng nachrichtlich verfasst. Es gibt auch "unterhaltende" oder kommentierende Teaser, die vor allem Spannung aufbauen und mit Informationen noch hinter dem Berg halten.

    Ein Beispiel aus der Online-Ausgabe des Sterns vom 16. Juni 2002:
    Mit seinem Drang zur Expansion hat sich Microsoft die Software-Welt untertan gemacht. Die ganze Welt? Nein, denn ein britischer Konkurrent leistet erbitterten Widerstand – und hat offenbar den ersten Alliierten gefunden.
Erst im Fließtext, den man durch Anklicken des unterstrichenen Teasers abruft, werden die W erläutert: Der britische Software-Anbieter Sage will die EU-Kommission und nationale Kartellbehörden dafür gewinnen, Microsoft die Übernahme der dänischen Software-Schmiede Navision zu verbieten. Damit will er verhindern, dass Microsoft auch in das Mittelstandssegment des Software-Marktes eindringt. Die dänische Wettbewerbsbehörde überprüft auf eine Beschwerde von Sage hin, ob Microsoft mit der Übernahme ein Monopol in Dänemark ausbildet.

Aufmerksamkeit fesseln

Meist ist der Teaser kürzer als ein Lead, der wie in den Printmedien dem Fließtext vorangestellt wird und die wichtigsten Fakten in Kurzform präsentiert. Die inhaltlichen Unterscheidungen, die die Fachliteratur zwischen Lead und Teaser trifft, werden hier aber vernachlässigt, da Lead und Teaser in der Praxis häufig zusammenfallen.

Wichtig ist: Ein gelungener Teaser muss die Aufmerksamkeit fesseln, also treffende Schlagwörter liefern. Er darf die Information aber auch nicht zu sehr verknappen, sonst hat der User Mühe, sich ein erstes Bild zu machen, und entwickelt kein Interesse an zusätzlicher Information.

    Ein Beispiel aus der Online-Ausgabe des Spiegels vom 22. April 2002:
    Die Staatsanwaltschaft Bochum ermittelt gegen die Manager der MAN-Tochter Ferrostaal. Diese sollen über dunkle Wege Millionensummen dem Clan des einstigen nigerianischen Diktators Sani Abacha gezahlt haben.
Hier wurden die für diese Nachricht relevanten W in den Teaser aufgenommen. Wer tut was warum? Der Teaser verrät dennoch nicht zu viel, so dass der Anreiz zum Weiterlesen gegeben ist.


Der Fließtext

Über einen Klick auf unterstrichene Wörter im Teaser oder auf den angefügten Link "mehr", "weiter" gelangt der User auf die zweite Navigationsebene, auf der der Fließtext platziert ist. Er wird wiederum durch einen Teaser/Lead eingeleitet.

Diesen Text bauen Sie wiederum, in jedem Abschnitt, nach dem Prinzip der umgekehrten Pyramide auf. Gliedern Sie ihn in gut scannbare Häppchen: durch kurze Sätze und kurze Abschnitte, die jeweils einen Gedankengang transportieren und durch viel Weißraum voneinander getrennt sind, durch Zwischenüberschriften und Aufzählungen.

Sie entspecken den Text durch eine weitere Methode, die sich nach dem Prinzip "Detail on Demand" richtet: Aspekte, die nicht zentral für die Story sind, aber weitere interessante Hintergrundinformation liefern, gliedern Sie in gesonderte Text-Module aus und verknüpfen sie über einen Link mit der Ausgangsstory. Der User kann sie abrufen, wenn er sich für diese Zusatzinformation interessiert.



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06/2006, Saim Alkan



Saim Alkan ist Geschäftsführer der Agentur aexea – communication. content. consulting und Autor zahlreicher Bücher. Als Dozent und Referent beschäftigt er sich intensiv mit der Aus- und Weiterbildung von Online-Redakteuren.
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