ECM: es geht zur Sache

Autor: Dr. Ulrich Kampffmeyer
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Letzter Beitrag: 06/2010
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Der Markt für Enterprise Content Management Lösungen wird für mehr und mehr große Anbieter immer interessanter. Das Karussell der Übernahmen dreht sich immer schneller, immer mehr Ankündigungen neuer Produkte zielen auf dieses Segment. Es geht darum, die Information selbst in den Griff zu bekommen. Immer neue Mitspieler drängen in den Markt, große Softwareanbieter machen Druck auf die bisherige DRT-Produktanbieterlandschaft. Immer mehr mittelständische Anbieter aus dem DMS- und ECM-Segment versuchen sich noch in Nischen zu positionieren.


ECM Changes - Ein Blick auf aktuelle Entwicklungen

  • IBM hat in den letzten 12 Monaten eine Vielzahl kleiner Anbieter wie Ascential, PureEdge, DWL, iPhrase, BowStreet, CIMS Lab, LAS und andere übernommen. Gleich an mehreren Baustellen im Websphere-, DB2-, Tivoli- und Storage-Bereich wird an der Erweiterung des Portfolios in Richtung ECM und ILM gearbeitet. Ein zusammenpassendes Gesamtportfolio gibt es jedoch noch nicht. Man kann jedoch sagen, IBM hat so ziemlich alles was man zu ECM braucht, man muss nur etwas suchen.


  • Microsoft hat ebenfalls einige Firmen übernommen, wie OnFolio, FrontBridge, Groove und andere, um ein glaubhaftes ECM-Suite-Portfolio zusammenzustellen. Zumindest auf dem Papier gibt es sehr viel, aber es zeichnen sich auch neue Medienbrüche ab wie z.B. zwischen dem Records Management im Sharepoint und dem separaten Compliance-Repository im Exchange. Richtig Druck auf den Markt wird erst mit VISTA und dem integrierten Workflow kommen. Microsoft macht ECM immer mehr zur Infrastruktur.


  • Google zeichnet sich immer deutlicher als einer der zukünftigen Mitspieler ab. Neben Akquisitionen wird selbst an ECM-Komponenten geschraubt. Google setzt auf das Internet als Plattform für ECM und greift damit offen Microsoft an. Mit der Suchmaschinentechnologie versucht Google seinen Vorsprung von anderen wie Microsoft, Yahoo und Co. auszubauen und dringt dabei immer mehr in klassische ECM-Themenbereiche vor.


  • Oracle hat im Umfeld einiges an Funktionalität zu 10g dazugebaut und die Ankündigungen der Content Database und der Records Database sind eine Kriegserklärung an die gesamte Branche. Keine Extra-Produkte für ECM mehr, sondern alles gleich in der Datenbank lassen. Gewicht gewinnt die Position von Oracle durch die Ankündigung einer engeren Kooperation mit OpenText. Selbst die Schwergewichte der Branche wie FileNet, OpenText oder Hummingbird können allein sich offenbar nicht mehr behaupten. Die großen Standardsoftwareanbieter beginnen mit ihren Strategien den Markt zu dominieren.


  • EMC hat durch zahlreiche Akquisitionen von Unternehmen – Captiva, Legato, Documentum, Interlink, nLayers, Authentica, Acartus, und, und, und - sich in kürzester Frist ein komplettes ECM- und ILM-Portfolio zugelegt. Auch wenn noch einiges an Integration und Produktharmonisierung geleistet werden muss, ist EMC heute einer der wichtigsten Spieler im ECM-Markt.


  • HP Hewlett Packard setzt auf ILM und hat sich hierfür ebenfalls eine Vielzahl von Firmen und Produkten zugelegt, so z.B. Peregrine, SciTex, AppiQ und andere. Aber nicht nur auf die Wettbewerber im Speicher- und ILM-Segment zielt Hewlett Packard. Auch im sich schnell entwickelnden Markt für Multifunktionsgeräte wird inzwischen Dokumentenmanagementsoftware mitgeliefert. Noch passen die Strategien nicht zusammen, aber HP muss sich in diesem Markt engagieren sonst verliert das Unternehmen den Anschluss.


  • SUN Microsystems sucht noch nach neuen Strategien hat aber mit dem Erwerb von StorageTek und SeeBeyond deutliche Zeichen in Richtung ILM und ECM gesetzt. Neue Filesysteme im OpenSource-Bereich, SAM-FS und andere Produkte lassen erkennen, dass sich auch SUN um einen Platz in dieser Arena bemüht.


  • Cisco tastet sich langsam in den Storage-Bereich vor und lässt mit der Übernahme von FineGround erste ILM-Ansätze erkennen. Angesichts der gut gefüllten Kriegskasse kann auch aus dieser Richtung ein neuer Vorstoß in Richtung ILM und ECM erwartet werden.


  • CA Computer Associates hat dagegen offensichtlicher seinen Markteintritt deutlich gemacht. Mit Akquisitionen wie iLumin und MDY wird der Markteintritt in das Enterprise Content Management forciert.


  • XEROX verstärkt mit eigenen Produkten, Übernahmen und Kooperationen sein Engagement im eher Output-Management-orientierten Segment von ECM. OB dies reicht, ein ernsthafter ECM-Player zu werden, ist jedoch noch fraglich.


  • Adobe ist massiv unter Druck. Mit PDF als Standardformat und immer mehr Softwareprodukten auf der Serverseite versucht das Unternehmen Schritt zu halten. Da multimediale Services, Content Management und klassisches Dokumentenmanagement immer mehr zusammenrücken, muss auch Adobe noch einiges tun, um in der Liga der führenden ECM-Anbieter mitspielen zu können.
In diesem Markt werden die Schlachten auf verschiedenen Ebene geschlagen: bei den Suchmaschinen, bei Web 2.0-Anwendungen, bei der Frage des führenden Desktop, mit Kooperationen und Übernahmen. Es zeichnet sich ein heißer Herbst im Markt ab, der noch so manche Veränderung mit sich bringen wird.*


Aktuelle Anwenderbefragungen

Die AIIM-Show in Philadelphia im Mai 2006 hat einige der aufgezeigten Trends mehr als bestätigt. Google als einer der größten neuen Aussteller, Gespräche zwischen Oracle sowie OpenText und Hummingbird, Microsoft mit einer massiven Ankündigungswelle für ECM-Produktkomponenten. Es gibt auch einige neue Marktdaten der AIIM International, die hier einmal beleuchtet werden sollen. Wie so häufig, spiegeln sie jedoch kaum die Situation im deutschen Markt wieder. Interessant ist in den folgenden beiden Tabellen der Vergleich, welche Priorität die Themen beim Anwender haben. Hierzu werden die Daten der AIIM-Studien 2003/2004 und 2005/2006 einander gegenübergestellt.




Quelle: AIIM international 2006. Prozentzahlen einer gekürzten Liste von Themen.


Enterprise Content Management wandelt sich immer mehr vom taktischen Ziel zur großen, strategisch positionierten Gesamtaufgabe. Compliance-Themen nehmen dabei einen immer größeren Raum ein. ECM wird immer mehr als notwendige IT-Infrastruktur betrachtet. Als die größten drei Hindernisse für die erfolgreiche Einführung von ECM-Systemen werden auch heute noch immer die Wirtschaftlichkeit (Rechtfertigung des Investments nannten 30% der 2005/2006 befragten Anwenderunternehmen), Planung und Einführung (27%) sowie Akzeptanz der Mitarbeiter (17%) betrachtet. Die Projekte greifen häufig tief in die Organisation und die Abläufe der Unternehmen ein.

Auf die Priorisierung der Projekte hat sich etwas verschoben. Besonders Workflow und Business Process Management wie auch Business Continuity und Risk Management konnten sich auf vordere Plätze verbessern. Die Integration von ECM mit CRM gewinnt ebenfalls größeres Interesse.




Quelle: AIIM international 2006. Auf 10 Einträge gekürzte Liste aller Themen.


Auch die geplanten Investitionen in ECM steigen an. Rund 34% der befragten Unternehmen, vorrangig Großunternehmen, wollen mehr als 1 Million US$ in ECM in nächster Zeit investieren. Bei den mittelständischen Anbietern sind es mehr als 54% mit Budgets zwischen 100.000 und 500.000 US$.

Dabei spielen Standardprodukte eine immer größere Rolle. Der Eintritt von Unternehmen wie Microsoft hat den Markt dramatisch verändert. Die Aufmerksamkeit der Unternehmen für das Thema ECM ist gewachsen.


Neue Marktdefinitionen schaffen neue Bilder

Mit einer neuen Definition des Marktes, dem Begriff CCA "Content-centric Applications" (eine Umschreibung für die Sicht auf Content-orientierte Anwendungs- und Branchenlösungen, weniger "leere" Produkte) hat sich Forrester die Möglichkeit geschaffen, die führenden Anbieter einmal anders anzuordnen. Die berücksichtigten Anbieter blieben dabei aber nahezu gleich, wenn man ältere ECM-Charts betrachtet.




© Forrester "CCA Content-centric Applications", 1 Q. 2006


Die Verschiebungen aus dem Blickwinkel "inhaltszentrische Anwendungen" sind aber durchaus interessant. Im ECM-Produktmarkt führende Anbieter rutschen so mit einem Mal nach unten. Eines wird aber besonders deutlich: angesichts der Veränderungen des Marktes und immer neuer Zuordnungen, Begrifflichkeiten und Akronyme wird es für die Analysten immer schwieriger ein klares und stabiles Bild des Marktes zu zeichnen.


* zu den Übernahmen siehe auch das Verzeichnis auf der PROJECT CONSULT Webseite


Quelle: Ausgabe 20060619 des PROJECT CONSULT Newsletters, ISSN 1439-0809.

08/2006, Dr. Ulrich Kampffmeyer





Dr. Kampffmeyer ist Geschäftsführer der PROJECT CONSULT Unternehmensberatung GmbH, Hamburg, eine produkt- und herstellerunabhängige Beratungsgesellschaft für Informationsmanagement (IM).
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Kommentare zu diesem Beitrag 


ECM: es geht zur Sache  
Fachartikel 21.08.06
ECM-Markt: Wohin geht die Reise?  
Oliver Zschau 23.08.06
Re: ECM: es geht zur Sache  
Jörg Dennis Krüger 24.08.06
Re: ECM: es geht zur Sache  
Dr. Ulrich Kampffmeyer 01.11.06
Re: ECM: es geht zur Sache  
Dr. Ulrich Kampffmeyer 01.11.06

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