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Benutzerfreundlichkeit – Zum Benutzer freundlich sein

 
Dass Benutzerfreundlichkeit nicht die Freundlichkeit der Benutzer, sondern die zu den Benutzern ist, muss man niemandem erklären. Natürlich müsste es korrekt "Benutzungsfreundlichkeit" heißen.
Doch der Begriff Benutzerfreundlichkeit ist bereits
etabliert, analog zur Kinderfreundlichkeit – und er ist auch schöner als das Wort mit
"ung". Da Sprache nie durchgängig logisch ist, muss man sich oft mit Dingen abfinden, die
nicht perfekt sind, so viele Rechtschreibreformen man auch durchführt. Der Diamantendieb
raubt Diamanten, doch der Meisterdieb wohl keine Meister...
Glücklicherweise setzt die Benutzerfreundlichkeit sich jedenfalls immer weiter durch, doch
auch benutzerfreundliche Anwendungen sind nicht unbedingt freundlich zu ihren Benutzern.
Das scheint paradox? Das liegt aber nur am Begriff. Denn wir können nicht nur freundlich
zu unseren Benutzern sein, indem wir Anwendungen schaffen, die leicht zu benutzen sind.
Wollen wir Erfolg haben, sollten wir zudem auch höflich und zuvorkommend sein.
Die freundliche Suchfunktion
Nehmen Sie einen Webshop, bei dem Sie nach "Reisetashen" suchen und die Meldung erhalten:
"Fehler: Es wurden keine Treffer gefunden." Optimal wäre natürlich, wenn die Suchmaschine
den Tippfehler erkennen würde und Sie zu den "Reisetaschen" leiten könnte. Doch auch wer
keine so ausgefeilte Suchmaschine einsetzen kann, sollte darauf achten, eine Fehlermeldung
zu formulieren, die nicht nur weiterhilft, sondern auch zur weiteren Suche ermutigt.
Das heißt, achten Sie auf zwei Aspekte:
Die klassische Benutzerfreundlichkeit, d.h. erklären Sie, dass nichts gefunden wurde und
bieten Sie Hilfe an, indem Sie z.B. anregen, einen anderen Suchbegriff zu verwenden. Oder
geben Sie Kontaktmöglichkeiten zum Kundendienst an.
Die klassische Freundlichkeit, d.h. formulieren Sie freundlich und verbindlich.
"Ergebnisse 0. Anzeige von Treffern 0 von 0" ist zwar korrekt, und für die meisten
Menschen auch verständlich, aber ernüchternd. Besser wäre etwas wie "Leider haben wir zu
Ihrem Suchwort nichts gefunden. Probieren Sie doch ein anderes Suchwort oder kontaktieren
Sie uns, wir helfen Ihnen gerne weiter." Es sollten dann gleich darunter ein leeres
Sucheingabe-Feld sowie ein direkter Link zu den Kontaktdaten folgen.
Der Hinweis darauf, die Schreibweise des Begriffs zu prüfen, wenn nichts gefunden wurde,
findet sich auf etlichen Trefferseiten von Suchmaschinen. Einerseits ist das gut, weil
Tippfehler eine übliche Fehlerquelle sind. Andererseits muss man seine (potenziellen)
Kunden aber nicht mit der Nase auf ihre Fehler stoßen. Ist die Trefferseite
benutzerfreundlich gestaltet, findet sich der eingegebene Suchbegriff ohnehin darauf, und
der Nutzer hat die Chance, den Fehler selbst zu entdecken. Und die Benutzer, die sich
nicht vertippt haben, fühlen sich nicht zu unrecht kritisiert.
Hilfreiche Fehlerseiten (Error 404)
Zu jeder professionellen Website gehört eine angepasste Fehlerseite, die zu sehen ist,
wenn der Benutzer eine URL eingibt, die es nicht gibt. Der Webserver liefert
standardmäßig seine "Error 404"-Seite aus, doch diese ist oft abschreckend technisch und
außerdem nicht an die Gestaltung der übrigen Seiten angepasst.
Auch bei einfachen Webhosting-Paketen können Sie Ihre eigene Fehlerseite erstellen. Ein
Textvorschlag:
Seite nicht gefunden (Fehler 404)
Leider gibt es die von Ihnen angeforderte Seite nicht. Vielleicht ist die Adresse der
Seite nicht richtig geschrieben, oder eine Suchmaschine hat Sie zu einer veralteten Seite
geschickt.
Versuchen Sie Folgendes:
>> zur Sitemap
>> zur Startseite
Falls Sie dennoch Probleme haben sollten, schreiben Sie uns: support@ihrserver.de!
Bauen Sie den Benutzern, die auf dieser Seite landen eine goldene Brücke. Es kann die
erste Seite Ihre Website sein, die sie sehen. Wenn Sie hier nicht freundlich zu den
Benutzern sind, sind sie schnell wieder weg.
Höfliche Startseiten
Kommen die Benutzer über Ihre Startseite, liegt es nahe, sie erst einmal höflich zu
begrüßen. Dennoch ist es nicht sinnvoll etwas zu schreiben wie
"Willkommen auf der Website
von XY. Wir freuen uns, dass Sie zu uns kommen und bieten Ihnen hier...".
Das ist
verschenkter Platz und wird von vielen auch als aufdringlich und geschwätzig empfunden.
Die erste Seite ist die Startseite, nicht die Begrüßungsseite. Die Benutzer wollen damit
starten, das zu tun, weshalb sie auf die Site gekommen sind.
Bleiben Sie hier also lieber sachlich. Machen Sie klar, was man auf Ihrer Website tun
kann, und wie das geht. Höflichkeit ist wichtig, aber an der falschen Stelle bewirken
freundliche Worte mitunter das Gegenteil des Gewünschten.
E-Mail-Etikette
Beachten Sie die üblichen Regeln für E-Mail.
Verwenden Sie eine passende Anrede. Üblich ist "Guten Tag". "Sehr geehrte/r" wirkt
inzwischen recht formell, "Hallo" sehr salopp. Passen Sie sich mit der Anrede Ihrer
Zielgruppe an. Sprechen Sie den Adressaten am besten auch mit Namen an und achten Sie
unbedingt auf die richtige Schreibweise!
Kommen Sie schnell auf den Punkt, sonst wird Ihre Mail schnell gelöscht. Sie müssen eine
Gratwanderung schaffen: so freundlich wie möglich, ohne aufdringlich zu wirken und so
sachlich wie nötig, ohne steif zu wirken.
Korrekt und benutzerfreundlich ist:
Sehr geehrter Herr König, Ihre Bestellung haben wir erhalten und werden sie
schnellstmöglich bearbeiten. Voraussichtlich werden wir in drei Tagen die Ware
verschicken. Mit freundlichen Grüßen, IhreFirma GmbH
Dieser Text enthält alle Informationen. Der Empfänger wird das mit einem Kopfnicken
registrieren.
Nur wenig länger ist diese Mail:
Guten Tag, Herr König, vielen Dank für Ihre Bestellung. Voraussichtlich in drei Tagen
können wir die Ware verschicken, erfahrungsgemäß halten Sie diese einen Tag später bereits
in den Händen. Bei Fragen stehen wir gern zur Verfügung. Viele Grüße von Peter Schilling,
Kundenservice IhreFirma GmbH
Dieser Text bestärkt den Empfänger, dass es richtig war, bei Ihnen etwas zu bestellen. Die
Mail ist nicht nur sachlich korrekt, sondern auch höflich und zuvorkommend. Natürlich darf
man nicht übertreiben. Folgender Text wirkt aufdringlich:
Guten Tag, Herr König, wir freuen uns sehr, dass Sie bei uns bestellt haben. Wir beeilen
uns, Ihre Bestellung zu bearbeiten und sind glücklich, Ihnen mitteilen zu können, dass die
Ware in drei Tagen unser Lager verlassen wird. Wir hoffen, Sie sind zufrieden mit unserem
Service und würden uns sehr glücklich schätzen, wenn Sie uns bald wieder beehren. Mit
freundlichen Grüßen Ihr Peter Schilling, Kundenservice IhreFirma GmbH
Wie so oft gilt: finden Sie das richtige Maß. Das gelingt Ihnen am besten, wenn Sie immer
an die Menschen aus Ihrer Zielgruppe denken und für diese schreiben. Im Zweifelsfall
sollten Sie auch hier Tests mit echten Benutzern vornehmen, um zu erfahren, was diese als
benutzerfreundlich und als höflich empfinden.09/2006, Jens Jacobsen

Kommentare zu diesem Beitrag 
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