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Schreiben als Prozess: Am Anfang war der Schreibauftrag
![]() Diese drei Komponenten des Schreibprozesses – Planung, Formulierung und Überarbeitung – hängen stark voneinander ab. Zu beachten ist, dass der Schreibprozess meist nicht linear verläuft, vielmehr kehrt der Texter des Öfteren zu der jeweils vorausgehenden Phase zurück. Beispielsweise bemerkt er in der Formulierungsphase, dass seine Argumentation eine andere Textstruktur erfordert. Derartige Änderungen sollte der Texter nicht scheuen. Die hierfür aufgewandte Zeit spart er in der abschließenden Überarbeitungsphase leicht wieder ein. Professionelles und amateurhaftes Schreiben im Vergleich In einem schweizerischen Forschungsprojekt beobachtete Daniel Perrin den Schreibprozess von 17 Medienleuten und kam zu dem Ergebnis: Erfahrene Autoren schreiben anders als unerfahrene. Sie legen ihren Schreibprozess bewusster an und achten stärker auf Sinn und Funktion des fertigen Texts. Kurz, sie verfügen über ein umfangreicheres Repertoire an Schreibstrategien. [1] Zielsetzung: Die Unterschiede zwischen Profi und Amateur beginnen schon bei der Zielsetzung ihres Schreibens: Unerfahrene Texter konzentrieren sich auf die reine "Wiedergabe von Information". Ihr Ziel ist es, den Input möglichst genau und vollständig wiederzugeben. Der Profi dagegen setzt auf die "Transformation von Information". Der Input wird nicht nur vollständig und genau wiedergegeben, sondern auch modifiziert und strukturiert. Der Profi nimmt stärkeren Einfluss auf die Gestalt seines Textes. Planung: Amateure fangen sofort mit der Textproduktion an und verwenden keine oder wenig Zeit darauf, die Struktur des zu schreibenden Textes im Vorhinein festzulegen. Sie beginnen sozusagen "in medias res". Das bedeutet, der Endtext ist mehr oder weniger ein Zufallsprodukt. Profis wissen dagegen: Die Planungsphase ist ausschlaggebend für die Qualität des Endtextes – entsprechend viel Zeit wird auf sie verwendet. Von Anfang an fokussiert der Profi seine Zielgruppe, denn nach ihr richtet sich nicht nur die Auswahl der Informationen, sondern auch der sprachliche Stil des Textes. Die Klärung der 1+7 Ws (1: Welche Zielgruppe; 7: Wer? Was? Wo? Wann? Wie? Warum? Woher? (Informant/Quelle)[2]) läuft beim Profi automatisiert ab. Mittels dieser Fragen gibt der Profi seinem Text eine feste Struktur. Kurz: Profis planen den Schreibprozess bewusst. Formulierung: Der unerfahrene Texter ist oft völlig damit ausgelastet, seine Informationen sprachlich korrekt zu übermitteln. Für den Profi ist die sprachlich korrekte Übermittlung lediglich Pflicht; darüber hinaus kann er sich noch der Kür, der rhetorischen Eleganz seines Textes, widmen. Hierzu zählt auch eine abwechslungsreiche, dennoch klar strukturierte Syntax. Gleichzeitig behält der Profi seine Zielgruppe fest im Blick. Denn nicht dem Texter selbst, sondern seinen Lesern muss der Text gefallen und vor allem verständlich sein. Überarbeitung Ist der letzte Satz geschrieben, so lehnt sich der unerfahrene Texter erleichtert zurück, um seinen Text noch einmal Korrektur zu lesen. Oft fällt es ihm jedoch schwer, die nötige Distanz zu seinem eigenen Text herzustellen: Fehler bleiben so unerkannt. Erschwerend kommt hinzu, dass der unerfahrene Texter die falschen Prioritäten setzt. Er hält nach grammatikalischen und orthographischen Fehlern Ausschau. So nimmt der Amateur seinen Text nicht in seiner Ganzheit wahr, sondern befasst sich vornehmlich mit der Mikroebenen (der Wortebene) des Textes. Im Gegensatz hierzu lesen erfahrene Schreiber ihre Texte mehrfach Korrektur, und zwar auf drei verschiedenen Ebenen:
2) Stilistische Ebene (Anpassung des Stils an Zielgruppe und Thema) 3) Sprachliche Ebene (Orthographie, grammatikalische Fehler) Der Aufstieg zum Profi-Schreiber Für erfolgreiches Schreiben gibt es kein Patentrezept. Folgende Tipps unterstützen Sie jedoch, die ersten Hürden Ihrer Schreibkarriere zu meistern:
[1] vgl. Perrin, Daniel: Wie Journalisten schreiben. Ergebnisse angewandter Schreibprozessforschung. Konstanz: UVK 2001, S.11. [2] vgl. Alkan, Saim Rolf: 1x1 für Online-Redakteure und Online-Texter. Einstieg in den Online-Journalismus. Göttingen: Business Village 2006, S. S.21. 11/2006, Saim Alkan
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