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Webstandards erobern das Internet
![]() Zeit für einen Wandel Auch die ZEIT hat sich – ebenso wie WELT ONLINE – von Layout-Tabellen verabschiedet, beide Portale sollten nun also rank und schlank sein. Zumindest bei der ZEIT ist das jedoch nicht der Fall: Fast ein Megabyte wiegt der erste Seitenaufruf – wohl dem, der eine DSL-Verbindung sein Eigen nennt. ![]() Das hat man beim Relaunch der WELT ONLINE deutlich besser hinbekommen: Dort wiegt die neu gestaltete Website rund 350 Kilobyte, die Vorgänger-Version mit Layout-Tabellen brachte es auf stolze 650 Kilobyte. ![]() Doch es gibt auch andere Ladezeiten-Ungeheuer, speziell seitdem hippe Effekte mit jQuery, moo.fx und Co. in Form von JavaScript stark im Kommen sind. Kein Wunder also, dass beide Portale sich mit mächtigen Funktionserweiterungen schmücken, die sich wiederum auf die Ladezeit auswirken. Dies ist sicherlich auch ein Resultat der kollektiven Massenhysterie: Während bei Veranstaltungen wie next07 oder dem WEB 2.0 Kongress der Hype rund um AJAX und schicke Effekte geschürt wird, fristen die Themen Webstandards und Barrierefreiheit in der öffentlichen Wahrnehmung eine Art Schattendasein abseits des Scheinwerferlichts. Zwar gibt es auch hier Veranstaltungen, wie Best of Accessibility – Symposium Barrierefreies Webdesign, webinale 07 oder zahllose BarCamps, aber der breiten Öffentlichkeit ist Web 2.0 bekannter als Barrierefreiheit, selbst wenn kaum jemand weiß, was beide Begriffe wirklich bedeuten. Blogs als Nährboden für aufkeimende Entwicklung Wer heute ein Weblog sein Eigen nennt und eines der zahlreichen Blogsysteme im Einsatz hat, tut damit zumeist auch etwas für Webstandards – sei es nun wissentlich oder unwissentlich. Fakt ist: Fast alle Weblogs basieren heute auf validem HTML, kommen ohne Layout-Tabellen aus und nutzen Cascading Stylesheets zur Gestaltung. Dies vor allem deshalb, weil zahlreiche frei verfügbare Layouts (Themes) bereits mitgeliefert werden und den zuvor genannten Webstandards entsprechen. Auf der anderen Seite fördert aber auch das soziale Miteinander, auch Web 2.0 genannt, diesen Trend: Man tauscht sich intensiver über Technik aus, lernt von anderen Blog-Schreibern und trägt durch den kollektiven Austausch zur Verbreitung der Idee bei. Vielleicht würde die Entwicklung noch besser verlaufen, wenn man in Studium und Ausbildung endlich die Themen Barrierefreiheit, Usability und Webstandards mit berücksichtigen würde. Scheinbar fällt es den entsprechenden Institutionen nicht leicht, mit den Entwicklungsschüben Schritt zu halten, weshalb es immer an einzelnen Personen liegt, wie und ob die vorgenannten Themenblöcke in den Lehrplan integriert werden. Deshalb ist gerade der Positiv-Trend jener, die Blogs, Wikis oder ähnliches betreiben, von so großer Bedeutung: Sie sind die hoffnungsvollen Keimzellen der Webstandards. Webstandards sind keine Modeerscheinung Das zeigen Beispiele, wie WELT ONLINE oder neuerdings auch der SWR ganz deutlich. ![]() Kernsanierung im Web Leider ist die Quote derer, die Webstandards einsetzen, im Verhältnis zu jenen, denen Webstandards noch nichts bedeuten, zum gegenwärtigen Zeitpunkt relativ gering. Weltweit. Hoffnung machen die Entwicklungen des Web 2.0, die nicht mehr aufzuhalten oder umzukehren sind. Zuviele machen bereitwillig mit und verbreiten so, bewusst oder unbewusst, immer auch Webstandards. Neue Websites sollten, ähnlich wie Wohnhäuser, nicht immer einfach nur renoviert werden. Neue Tapeten und Teppiche ändern nichts daran, dass kein Aufzug in den fünften Stock führt, dass das warme Wasser mit einem Boiler erzeugt werden muss und es im Winter durch die Fenster zieht. Oder um es anders zu sagen: Häufig ist eine Kernsanierung die langfristig bessere und kostengünstigere Lösung. Zugänglichkeit, Komfort, Ausstattung und Lebensqualität verbessern sich häufig automatisch durch den zielgerichteten Einsatz von Webstandards Dazu muss man allerdings die Grundlagen verstanden haben, sonst kommen Lösungen heraus, wie bei der ZEIT: Lange Ladezeiten, mangelhafte Unterstützung älterer Ausgabegeräte und ohne JavaScript geht fast gar nichts. Die Folge: Frustration beim Nutzer und fast zwangsläufig der Klick zur Konkurrenz. Dieses Verhalten ist so alt, wie das Web. Häufig fehlt es am Wissen um die Basics. Daran tragen jene, die Webstandards nach vorne gebracht haben und bringen leider eine nicht unerhebliche Mitschuld. Diese Vorkämpfer sind der Masse enteilt, befassen sich mit esoterischen anmutenden Spezialfällen und vergessen dabei leider allzuoft die Menschen, die man mit auf die Reise nehmen wollte: Alle, denen Webstandards noch nicht in Fleisch und Blut übergegangen sind, die den Anfang des Fadens suchen. Wer den roten Faden einmal gefunden hat, sei es in Form eines Buches, eines Symposiums oder eines BarCamps, dem offenbaren Webstandards einen Ozean neuer Möglichkeiten, in den man eintaucht und dessen Wellen einen an immer neue Ufer tragen: Surfen in Reinkultur. 05/2007, Ansgar Hein
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