Systemvorstellung: OpenCMS im Überblick

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OpenCMS ist ein auf Java und JSP basierendes Web Content Management System mit einem ausgereiften Redaktionssystem. Es bietet sich für die Implementierung von Web-Auftritten wie Unternehmenswebsites, Intranets und Extranets an. Das System ist unter der Apache Lizenz freigegeben und liegt sowohl im Quellcode als auch als Installationspaket vor.

Die aktuelle stabile Version 6.2.3 ist seit Herbst 2006 im Einsatz. Für diesen Sommer ist die neue Version 7 angekündigt, die u.a. viele Verbesserungen im Redaktionssystem mit sich bringt. Die Weiterentwicklung des Produkts wird durch das Kölner Unternehmen Alkacon betrieben. Für die Umsetzung von Projekten auf Basis von OpenCMS bieten sich mittlerweile eine Reihe von IT-Dienstleistern und Internet-Agenturen an.


Überblick Redaktionssystem

Das Redaktionssystem von OpenCMS präsentiert sich als plattformunabhängige HTML Browseranwendung in Form eines klassischen Dateiexplorers. Sämtliche Ressourcen wie Inhalte, Templates, etc. werden hier in Ordern organisiert und in Form von Dokumenten verwaltet. Da die Vorgehensweise der in einem Dateisystem entspricht benutzt OpenCMS daher auch den Begriff "Virtual File System" (VFS).

Für den Redakteur ergibt sich der Vorteil, dass der Zugriff auf alle Inhalte, egal ob Bilder, PDF-Dokumente oder strukturierte Inhalte, über eine einheitliche Oberfläche gewährt wird. Bei der Verwaltung der Inhalte unterstützen die üblichen Standardfunktionen wie Volltextsuche, Versionierung und Metadaten.




Abbildung 1: Explorer Ansicht
Detailansicht


Über so genannte DirectEdit Buttons ist außerdem die Bearbeitung der Inhalte direkt im Kontext der Website möglich.




Abbildung 2: Direct Edit Modus
Detailansicht


Die Erstellung und Publikation einer neuen Seite besteht typischerweise aus folgenden Schritten:

    1. Ein neues Dokument wird unter Auswahl eines Dokumenttyps angelegt. Ein Dokumenttyp für eine Messe ist z.B. "TradeShow"

    2. Im nächsten Schritt werden die wichtigsten Metadaten und der Dokumentname erfasst.

    3. Anschließend werden die Inhalte in einer strukturierten Erfassungsmaske bearbeitet. Der Inhalt kann sofort über ein Preview kontrolliert werden. Eine Publikation auf ein Staging-System ist dafür nicht erforderlich, da die OpenCMS Templates gleichermaßen Online- und Offline-Inhalte anzeigen können

    4. Abschließend erfolgt die Publikation, also das Freischalten des Inhalts.

Text- und Bildverwaltung

Der Erfassung der Inhalte erfolgt in strukturierten Dokumenttypen, die entsprechend der projektspezifischen Anforderungen definiert werden und auf XML basieren.

Eine Funktion von zentraler Bedeutung für jedes Web-CMS ist die Pflege von Richtext. Hier setzt OpenCMS auf das OpenSource Projekt "FCKEditor". Dieser WYSIWYG-Editor erfreut sich derzeit großer Beliebtheit, da er auf den aktuellen Browsern zuverlässig funktioniert und alle üblichen Funktionen wie Textformatierung, Tabellen, Aufzählungen, Bilder, etc. unterstützt. Der Editor ist so in OpenCMS integriert, dass Links auf Bilder, Download-Dateien oder andere Seiten über Auswahldialoge gesetzt werden können.




Abbildung 3: FCKEditor in OpenCMS
Detailansicht


Für die Verwaltung von Bildern oder Download-Dateien stehen Galerien bereit. Diese vereinfachen die Organisation häufig wieder verwendeter Dokumente. Die Bilder-Galerie bietet z.B. eine automatisches Thumbnail-Ansicht. Ein einfaches aber nützliches Feature von Galerien ist außerdem das Upload-Applet, das den Upload beliebig vieler Dateien in einem Schritt ermöglicht.


Multisite-Management und Mehrsprachigkeit

OpenCMS verwaltet mehrere Websites in einem Repository und unterstützt dabei die gemeinsame Nutzung von Inhalten. Die Verwaltung von Sprachvarianten wird außerdem von Haus aus gut unterstützt. Ein Dokument kann immer alle Sprachvarianten eines Inhalts aufnehmen.

Die Mehrfachverwendung von Inhalten wird durch das spezielle "Sibling" Feature unterstützt. Diese sind mit den von UNIX her bekannten symbolischen Links vergleichbar. Ein Dokument kann durch Siblings an mehreren Stellen im VFS erscheinen. Jedes dieser Siblings kann eigene Metadaten oder auch gemeinsame Metadaten nutzen.

In Kombination mit Siblings und Mehrsprachigkeit existiert ein sehr mächtiges Werkzeug für die Mehrfachverwendung von Inhalten, insbesondere bei Sprach- und Ländervarianten einer Website.

Durch die Java Plattform unterstützt OpenCMS natürlich Unicode kennt somit keine Probleme mit exotischen Zeichensätzen. Ein nützliches Addon für Redakteure ist eine Bildschirmtastatur.


Templating

Die Umsetzung der Templates erfolgt über Java Server Pages (JSP). Bei der Programmierung unterstützt eine Taglib, so dass die meisten Anforderungen mit gewöhnlicher HTML- und JSP-Programmierung umsetzbar sind. OpenCMS Templates sind voll funktionsfähige JSP’s, d.h. es können beliebige Ausgabeformate, also auch XML oder beliebige HTML-Formate erzeugt werden. Die OpenCMS-API hält außerdem Funktionen für folgende Anwendungsfälle bereit:
  • dynamische Menüs, Breadcrumbs und Sitemap

  • Personalisierte Bereiche mit individuellen Login-Formularen

  • Suchfunktionen auf Basis der integrierten Lucene-Volltextsuche

  • Automatisches skalieren von Bildern

  • Caching von HTML-Fragmenten für optimale Performance bei dynamischen Inhalten

  • Einfache Integration von DirectEdit Buttons in die Templates
Ab Version 7 können JSP’s, wie alle anderen Dokumente in OpenCMS, über WebDAV bearbeitet werden. WebDAV fähige IDE's wie Eclipse ermöglichen dann ein schnelle Rounttrip Engineering.


Benutzer- und Rechteverwaltung

Das Berechtigungssystem von OpenCMS ist sehr mächtig und lässt kaum Wünsche offen. Über eine komfortable Benutzerverwaltung lassen sich Benutzer und Gruppen definieren. Benutzer können sowohl Redakteure als auch externe Webuser, z.B. in einem Extranet sein.

Gruppen erhalten wiederum Zugriff auf Ressourcen über Access Control Lists (ACL). Rechte umfassen das Lesen, Bearbeiten, Anzeigen und Publizieren von Ordnern bzw. Dokumenten. Das Berechtigungssystem gilt sowohl für Redakteure als auch für Webuser. Somit lassen sich leicht und sehr flexibel Berechtigungen für unterschiedliche Bereiche definieren, wie sie in Intranets und Extranets erforderlich sind.



Detailansicht


Bei der gleichzeitigen Bearbeitung von Inhalten sorgt ein klassischer Sperr-Mechanismus (Locking) dafür, dass nicht mehrere Anwender das gleiche Dokument bearbeiten. Das Locking erstreckt sich dabei auch auf Ordner, so dass ganze Bereiche exklusiv gesperrt werden können.


Workflow

Die aktuelle Version bietet lediglich eine Unterstützung für die Aufgaben-Koordnination. Eine vollfunktionale Workflow Engine wird mit der kommenden Version 7 integriert.


Technische Basis

    Betriebssystem: typischerweise Windows oder Linux
    JAVA: JDK 1.4 oder höher
    Application Server: Jeder Servlet 2.3 / JSP 1.2 kompatible Servlet Container: Tomcat 4 oder höher; BEA Weblogic
    Datenbank:MySQL 3.2, 4.0, 4.1 oder 5.0; Oracle 8, 9i oder 10g; MS SQL Server 2000; Postgres 7.4 oder neuer
    Webserver:In Kombination mit einem Application Server: Apache Webserver; Microsoft IIS

Funktionsumfang und Erweiterungen

OpenCMS unterstützt die Java JDK’s 1.4 und 1.5. Somit steht eine große Vielzahl von Technologien, Frameworks, Tools und Lösungen aus dem Java Technologie Stack zur Verfügung. Durch die flexible Systemarchitektur kann es einfach mit anderen Lösungen kombiniert werden.

Über den Modulmechanismus existiert ein standardisierter Weg für die Erweiterung von OpenCMS. Zusatzmodule bestehend z.B. in vorgefertigten Templates für Email-Formulare, etc.


Vorteile

OpenCMS ist eines der wenigen ausgereiften OpenSource Content Management System im Java Umfeld. Dort wo Java aus strategischen Gründen, wegen der sicheren Plattform oder zum Investitionsschutz gefordert wird, kann OpenCMS seine Stärken ausspielen. Es bietet ein zuverlässiges Redaktionssystem mit dem die typischen Anforderungen im Web Content Management umgesetzt werden können.

  • Einfach zu bedienendes Redaktionssystem

  • Integration von Backend-Systemen und Frameworks aus dem Java Enterprise Umfeld

  • Mehrfachverwendung von Inhalten und Mehrsprachigkeit

  • Caching ermöglicht performante dynamische Websites

Nachteile

Seit 2006 ist eine verstärkte Aktivität in der Community zu beobachten. Unabhägige Foren und Wikis wurden gegründet. Trotzdem ist die Dokumentation noch verbesserungsfähig und die Basis an Erweiterungsmodulen ist klein.

  • Wenig Dokumentation

  • Kaum Erweiterungsmodule

  • Hoher Einarbeitungsaufwand für Entwickler

Fazit

Im Vergleich mit Systemen wie Typo3 aus dem PHP Umfeld schneidet OpenCMS zunächst schlecht ab. Die Community ist noch vergleichsweise klein, die Dokumentation dünn und Erweiterungsmodule sind Mangelware. Einsteiger haben es daher vergleichsweise schwer und müssen gute Kenntnisse in der Java Programmierung mit JSP und Tomcat mitbringen. Wer mal eben schnell eine Website umsetzen möchte ist mit OpenCMS schlecht beraten. Das Einsatzgebiet von OpenCMS liegt ganz klar dort, wo individuelle Anforderungen in Java umgesetzt werden sollen. Wer das vorhat, erhält mit OpenCMS ein ausgereiftes Redaktionssystem mit einer guten technologischen Basis.


Referenzen und weiterführende Links

- nionex.de
- duerkopp-adler.com
- opencms.org
- opencms-wiki.org


Weitere Systemvorstellungen im Contentmanager.de-Magazin

- CMS made simple
- Joomla!
- Drupal
- AxCMS.net

07/2007, Christian Weber



Christian Weber ist Project Manager – Content Management Solutions bei Nionex.


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Systemvorstellung: OpenCMS im Überblick  
Fachartikel 16.07.07

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