Design Pattern - Lösungen schaffen, die ein CMS Tool nicht lösen kann

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Einleitung

Bei der Systemauswahl in CMS Projekten werden viele Anforderungen an das entsprechende CMS Tool gestellt. Doch ebenso wichtig wie die Funktionalitäten dieses Tools sind Wissen und Erfahrung bei Design, Anpassung und Einführung eines solchen Systems. Dies gilt insbesondere für die spezifischen Anforderungen, die nicht vom gewählten CMS Tool abgedeckt werden bzw. die durch die Integration mit anderen Systemen in ein CMS Projekt mit einfließen. Es soll also eine komplexe Lösung fehlerfrei und effektiv eingeführt werden, bei der Teile des Gesamtsystems konzipiert und entwickelt werden müssen. Das Wissen um die beste Lösung und Herangehensweise an solche Herausforderungen und Problemstellungen wird im allgemeinen Best Practices genannt. Teil der Best Practices in CMS Projekten sind Lösungsmuster(Design Pattern), die Lösungen für wiederkehrende Anforderungen beschreiben. Diese Design Pattern ermöglichen Funktionen, die das jeweilige ausgewählte CMS System nicht über sein normales Portfolio abbildet. "Design patterns capture solutions that have developed and evolved over time." (Gamma/Helm/Johnson (1994) Preface) Die Vorteile, aber auch die möglichen Probleme des Einsatzes von Design Pattern in CMS Implementierungsprojekten sollen in diesem Artikel erörtert werden.

Der Design Pattern Ansatz wurde nicht für die Einführung von CMS Systemen erarbeitet, sondern ist ein genereller Ansatz um einmal gefundene Lösungen zu kapseln und wieder zu verwerten. Das Wissen über die Vorteile dieses Ansatzes existiert schon lange und wurde bereits in vielen IT Projekten erfolgreich eingesetzt. Trotzdem soll in diesem Artikel diese bekannte Methodik mit der Brille der Anforderungen an Content Management Systeme untersucht werden. Insbesondere die meist objektorientierten Plattformen, auf denen CMS Systeme entwickelt wurden, bilden eine ideale Grundlage für die Verwendung von Design Pattern.

Bedeutung in CMS Projekten

Wie bereits erwähnt sind Design Pattern Lösungsmuster für wiederkehrende Problemstellungen. Dies sind meist Problemstellungen, deren Lösung für ein spezifisches CMS Projekt unerlässlich ist. Die Schwächen eines jeden CMS Produktes liegen je nach Produkt an verschiedenen Stellen - betreffen jedoch meist nicht die CMS Kernprozesse, sondern die peripheren Bereichen eines Content Management Systems. Hierbei erscheinen die folgenden Problemstellen bei nahezu jedem CMS Projekt wieder:

  • Anbindung an Drittsysteme

    • Personalisierung
    • Community Systeme
    • Content Billing Systeme
    • Digital Rights Management
    • Commerce Portale
    • Authentifizierung und Autorisierung der Benutzer inklusive Single Login mit allen obenstehenden Systemen

  • Importund Exportschnittstellen für Content und Metadaten

    • Meldung von Agenturen, Printsystemen und Contentlieferanten
    • Bild-, Videound Audiosystemen inklusive Streaming Content

  • Spezielle Anforderungen an den CMS-Redaktionsclient

    • Automatische Verschlagwortung
    • Authentifizierung und Autorisierung der Redakteure
    • Content Kategorisierung

  • Vereinfachung des Content Management

    • Bau von Übersichtsseiten
    • Handliche Planungsund Steuerungssysteme zum Inhalteaufbau
    • Übersichtliche Priorisierung, Freigabe und Publizierung der Inhalte
Man könnte sich fragen, warum solche Funktionen nicht von dem CMS Anbieter in das jeweilige Produkt integriert wird. Dafür gibt es verschiedene Gründe:
  • Funktion entspricht nicht der Produktstrategie
  • CMS Software Hersteller konzentrieren sich auf die Kernfunktionalitäten ihres Produktes
  • Funktion ist so komplex und bei jedem Projekt verschieden, dass nur schwer eine allgemeingültige Lösung in das Produkt zu integrieren ist
Insbesondere der letzte Punkt trifft bei vielen wiederkehrenden Problemstellungen auf. Genau an dieser Stelle setzt das Wissen an, welches in definierten Design Pattern steckt. In Design Pattern wird eine mögliche Lösung für ein Problem beschrieben, nicht jedoch eine voll ausprogrammierte Funktion bereitgestellt. Damit sind Design Pattern sehr viel flexibler als fest-programmierte Funktionen in CMS Tools.

Nutzen und Risiken des Einsatzes von Design Pattern

Die Vorzüge des Einsatzes von Design Pattern liegen klar auf der Hand. Die Projektlaufzeiten können insbesondere in der Spezifikations- und der Implementierungsphase signifikant verkürzt werden, da das Wissen über eine Lösung bereits vorhanden ist. Auch das Risiko wird verringert, dass eine gewünschte und für den Erfolg des Projektes notwendige Umsetzung technisch mit dem CMS Produkt nicht realisierbar ist. Während der Spezifikationsphase kann dem Kunden über Prototyping und Referenz Implementierungen mit Design Pattern bereits eine mögliche Umsetzung aufgezeigt werden. Dies ermöglicht es, dem CMS Anwender seine detaillierten Anforderungen an das zukünftige Projekt klarer festzulegen und Schwachstellen bzgl. Handling und Benutzbarkeit in den eigenen Anforderungen klarer zu erkennen. Eine detaillierte Spezifikation mündet ebenfalls in einer klareren, vergleichbaren und sichereren Schätzungen hinsichtlich des bevorstehenden Aufwandes für die CMS Implementierung. Schlussendlich wird die Implementierung dahingehend vereinfacht, dass Design Pattern es den Programmierern ermöglichen in bekannten Strukturen zu denken und zu entwickeln. Eine übersichtliche Struktur der CMS Anpassungen ist auch nach Abschluss eines solchen Projektes enorm wichtig, da hiermit die Wartbarkeit und Erweiterbarkeit des Content Management Systems stark verbessert wird. Dies wiederum versetzt das Operations Personal besser in die Lage, die Lösung langfristig und sicher zu betreiben.

Auf der anderen Seite kann die Benutzung von Design Pattern auch Probleme mit sich bringen. Diese entstehen vor allem dann, wenn nicht vor dem Einsatz genau evaluiert wird, ob die in einem Pattern "eingefangene" Lösung tatsächlich alle Anforderungen abdeckt. Zwar kann man durch einen einfachen, oberflächlichen Vergleich bei vielen Anforderungen eine Anwendbarkeit annehmen, doch Sicherheit ist hier nur durch einen formalen Anwendbarkeitstest für passende Pattern gewährleistet. Wie bereits erwähnt, geben einzelne Pattern niemals eine komplette Lösung, sondern nur ein Teillösung oder ein Lösungskonzept wieder. Der notwendige Aufwand für eine allen Anforderungen entsprechende Lösung sollte also auch beim Einsatz von Design Pattern niemals unterschätzt werden. Ein weiterer Nachteil von mittels Design Pattern entwickelter Funktionen besteht darin, daß diese natürlich nicht vom Hersteller des CMS Tools weiterentwickelt werden. Dies gilt jedoch für alle Anpassungen im Rahmen einer CMS Einführung. Um Updates des CMS Tools zu gewährleisten, ist es somit notwendig, dass die CMS Hersteller ihre Schnittstellen rückwärts kompatibel gestalten.

Die oben genannten Risiken treten also immer dann auf, wenn man Design Pattern eigentlich in ihrer Natur verkannt hat und "gewissenlos" eingesetzt werden. Durch einen strukturierten Einsatz im Rahmen von formalen und standardisierten Qualitätsprozessen bietet sich jedoch enormes Potenzial in nahezu allen CMS Projekten. Nur die etablierten Prozesse eines unternehmensweiten Qualitätsstandards gewährleisten, dass tatsächlich der volle Nutzen aus dem Design Pattern Ansatz gezogen werden kann. Deshalb sollte die Verwendung eines Qualitätssystems ein gewichtiges Kriterium bei der Auswahl des Partners für eine CMS Implementierung spielen.

Fazit

In jedem CMS Projekt treten Anforderungen auf, welche das gewählte CMS Tool nicht oder nur mit Anpassungen erfüllen kann. Entsprechend der Stärken und Schwächen des Tools treten dabei immer wieder ähnliche Anforderungen auf, welche für den erfolgreichen Einsatz eines CMS Systems einer Lösung bedürfen.

Die gefundenen Lösungen können verallgemeinert und dokumentiert werden. Diese "eingefangenen" Lösungen werden als Design Pattern in anderen CMS Projekten wiederverwendet, um die Durchlaufzeit des Projektes zu verkürzen, das Risiko zu minimieren, innere Struktur des Gesamtsystems und damit auch die Wartbarkeit und Erweiterbarkeit dramatisch zu verbessern.

Design Pattern verhindern, dass in jedem Projekt das "Rad neu erfunden wird". Risiken des Einsatzes von Design Pattern gibt es bei einer auf Qualitätsstandards beruhenden Verwendung keine. Die Vorzüge des Einsatzes von Design Pattern können einen enormen Einfluss auf die Qualität des entstehenden Content Management Systems haben.

Sollten sie nicht auch von diesen Vorzügen profitieren?

Quellen

Design Patterns - Elements of Reusable Object-Oriented Software (1994):
Erich Gamma, Richard Helm, Ralph Johnson, John Vlissides, ISBN 0-201-63361-2
mehr Informationen...

DELIVER - CGEY Quality Management System

05/2002, Holger Tangermann

Holger Tangermann ist IT-Consultant bei Capgemini.


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