Quo vadis PostNuke? Zu den Perspektiven eines OpenSource WCMS

Autor: Dr. Lars Göhler
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Letzter Beitrag: 10/2007
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"Ich habe ein komplettes Communityportal an einem Wochenende aufgesetzt, inklusive Design, Rechtevergabe für alle Module und ein paar Contentseiten. Ein befreundeter TYPO3- Gestalter sagte mir, von so etwas könne er nur träumen" argumentierte ein PostNuke-Anhänger in einer Diskussion, die sich mit den Vor- und Nachteilen von Content Management Systemen beschäftigen. In der PostNuke-Community ist Unsicherheit ausgebrochen, was die Position und die weitere Entwicklung des CMS betrifft.


Welche Rolle spielt PostNuke innerhalb einer ständig wachsenden Zahl ähnlicher Systeme?

Ist da noch Platz für diesen älteren "Saurier", der größtenteils noch das Look and Feel aus den Anfangszeiten des Contentmanagements hat?

PostNuke ist aus dem CMS PHP-Nuke von Franciso Burzi entstanden. Einige Anwender waren damit unzufrieden, dass das System nur von einer Person entwickelt werden konnte. Im Jahre 2001 hat eine kleinere Community von Entwicklern begonnen, auf der Basis von PHP-Nuke ein eigenes System zu entwickeln. Äußerlich erinnert das System noch sehr stark an seinen Vorfahren. Wer die aktuelle Version 0.764 heute installiert, fühlt sich in die Geschichte der Contentmanagement-Systeme zurückversetzt.

Die Administrationsoberfläche ist dem des Vorgängersystems sehr ähnlich und auch einige Standard-Layouts erinnern an alte PHP-Nuke-Zeiten. Die Topics/Categories/Sections-Unterteilung macht gleichfalls einen etwas verstaubten Eindruck. - Ist PostNuke wirklich veraltet?




Admin-Bereich einer Standard-Installation
Detailansicht


Barrierefreiheit

Eastpress Media ist im Jahre 2005 auf dieses System gestoßen, als es darum ging, ein barrierefreies CMS für den Arbeiter-Samariter-Bund Leipzig zu implementieren. Hier überraschte PostNuke mit Eigenschaften, die die "Platzhirsche" TYPO3 und Joomla nicht zu bieten hatten: Mit entsprechenden Templates konnte man ein nahezu tabellenfreies Layout erzeugen (TYPO3 hat inzwischen nachgezogen, aber bei Joomla kommt man bis heute nicht ohne einige Code-Hacks aus).

Der Core von PostNuke erzeugt keine Tabellen mehr, das eingesetzte Vorlagen-System ist außerordentlich flexibel und begünstigt barrierefreie Layouts. Die PostNuke-Entwickler haben sich hierbei frühzeitig für die Smarty Template Engine entschieden, die eine außerordentliche Flexibilität bei der Gestaltung von Layouts ermöglicht und heute praktisch als Standard für PHP-Anwendungen gilt. TYPO3, Joomla oder das Blogging-System Wordpress können hier nur mit "hauseigenen" Lösungen aufwarten.


Module

Überraschend war auch, dass für PostNuke, obwohl die Entwickler-Gemeinschaft vergleichsweise klein ist, eine große Anzahl von Modulen zur Verfügung steht. Sowohl für ein Forum als auch für Gästebücher, Formulare, Wikis, Blogs, Galerien, Shops und viele weitere Anwendungen gibt es ausgereifte Lösungen.

Da PostNuke von Haus aus wenig Möglichkeiten zur Gestaltung von statischen Inhalten bietet, ist die Installation eines Content-Moduls sehr zu empfehlen. Das umfassendste und flexibelste Modul hierzu heißt PageSetter. Bedauerlich ist, dass die Entwicklung einiger Module wie das PostCalendar eingestellt wurde. Neuere Kalender-Module sind im entstehen. Sie haben jedoch bisher nicht den Funktionsumfang von PostCalendar erreicht. Die meisten Module gestatten die Gestaltung eigener, smarty-basierter Templates, die an zentraler Stelle hinterlegt werden können, so dass bei einem Modul-Update frühere Layout-Veränderungen erhalten bleiben.


Benutzerrechte und Sicherheit

Sehr gewöhnungsbedürftig ist das Kern-Modul zur Rechtevergabe. Für jedes Modul und nahezu jede Modulfunktion können Rechte in neun Stufen von "keines", "Übersicht", "Lesen", "Kommentieren", "Moderieren", "Editieren", "Hinzufügen", "Löschen" bis zu "Administrieren" vergeben werden. Wenn die Vorlagen standardgerecht eingerichtet sind, sind die Funktionen, für die der Benutzer keine Rechte hat, unsichtbar. Das Modul der Zugriffsrechte sorgt zusammen mit dem Sicherheitssystem (pnAntiCracker) für einen hohen Sicherheitsstandard des CMS. Alle Angriffe auf das System werden dem Administrator detailliert gemeldet.


Framework oder All-In-One CMS?

In naher Zukunft steht ein Entwicklungssprung von PostNuke auf die Version 0.8 an, in der man sich von vielen veralteten Elementen getrennt hat. Die Programmierschnittstelle für Module (API) wurde grundlegend überarbeitet und eine Datenbank-Abstraktionsschicht hinzugefügt, die es ermöglicht mit mehreren Datenbanken zu arbeiten.

Dieser bevorstehende Release hat die Diskussion über die Zukunft des Systems neu entfacht. Welchen Platz soll das System innerhalb der inzwischen stark gewachsenen Anzahl vergleichbarer Systeme einnehmen? Soll es stärker die Privatnutzer, Unternehmen oder Communities ansprechen? Soll es eher als Framework oder als vollständiges Content-Management System weiterentwickelt werden? Auch hier dienen TYPO3 und Joomla als Orientierunspunkte.

Joomla ist ein CMS das ohne Erweiterungen bereits eine große Anzahl von Funktionen beinhaltet. TYPO3 setzt eher auf die Framework-Idee: An ein Core-System, das nur Grundfunktionen bietet, kann man beliebig viele Module andocken. In Bezug auf PostNuke kann man feststellen, dass es sich eher in Richtung Application Framework entwickelt hat, da derzeit sogar 'Kern-Funktionen' wie Content- und News-Erstellung zumeist über zusätzliche Module realisiert werden.




Funktionsweise des PostNuke-Systems. Quelle: www.pn-cms.de


...

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 1: Postnuke als Enterprise-CMS

10/2007, Dr. Lars Göhler



Dr. Lars Göhler arbeitet seit 1993 als freiberuflicher Journalist und PR-Berater. Sein besonderes Interesse gilt der Online-PR, sowie der Projektplanung, Entwicklung und Fokussierung von Internetportalen, die auf Web-Content-Management-Systemen basieren.
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