Nicht nur (r)eine Designfrage

Autor: Björn Seibert
Eingetragen seit: 08/2006
Letzter Beitrag: 03/2008
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Die Anforderungen an zeitgemäße und benutzbare Weboberflächen haben sich signifikant verändert. Vom Webdesigner zum Web Interface Designer. Der Zusatz Interface trägt den jüngeren Entwicklungen Rechnung, dass Desktop und Web immer stärker in Richtung eines universalen Anwendungsraums verschmelzen - so auch die visuellen Schnittstellen (GUIs) als primären Interaktionselement.

Das erfordert ein Umdenken und als Webdesigner steht man vor der Herausforderung sich mit weiteren Themen zu beschäftigen. Heute vermischen sich oft unbemerkt die klassischen Websites mit Anwendungen. Die einfache Zusammenstellung und Verbreitung guter Inhalte, sowie deren ansprechende Präsentation reichen heute nicht mehr aus. Das Ziel besteht in einem ganzheitlich gelungenen Nutzungserlebnis (Userexperience). Wichtige Disziplinen sind Informationsarchitektur, Interaktionsdesign, Usability Engineering, Visual Design und Prototyping.


Ansätze zur Bewältigung steigender Komplexität

Der Wandel bringt folglich eine wachsende Komplexität mit sich, der es mit effizienten, effektiven und einfachen Ansätzen zu begegnen gilt. Schlagworte sind:
  • Problemlösung

  • Design der Interaktion

  • Einfachheit

  • Von außen nach innen
Problemlösung

Nutzer kommen bereits mit konkreten Anforderungen und Erwartungen auf einer Website oder -anwendung an. Diese ergeben sich aus konkreten Problemen, Aufgabenstellungen oder Zielsetzungen. Gerade das Userinterface, als sichtbarer und interagierender Bestandteil der Webanwendung, muss ihnen dabei die bestmögliche Unterstützung bieten. So muss bereits bei der Konzeption der Interaktion (Interaktionsdesign) und der Gestaltung der Oberflächenmodule und -elemente, eine Berücksichtigung dieser Problemstellungen und Aufgaben erfolgen.


Design der Interaktion

Während in der ersten Dekade des Web die meist reine Informationsaufnahme und -verbreitung im Vordergrund stand, müssen heute verschiedene Formen der Interaktion unterstützt werden. Das bedeutet mehr als den bloßen Einsatz von Formularen zur Verarbeitung von Daten und Anfragen. Die Disziplin ist Interaktionsdesign. Das Ziel darf auch nicht darin bestehen, möglichst gleich alles zu zeigen, was die Anwendung kann. Unnötige Zwischenschritte bzw. Klicks sind zu vermeiden. Nicht immer müssen die Nutzer dazu genötigt werden, wiederholt oder auch unnötig Eingaben vorzunehmen. Oft ist die Anwendung intelligent genug, bzw. liegen ihr benötigte Daten schon vor und können im Hintergrund weiterverarbeitet werden. Wichtig ist vor allem die Orientierung an den Nutzeraufgaben und der dafür nötigen Handlungsschritte.


Einfachheit - Keep it simple!

So einfach wie möglich, so einfach wie nötig. Je mehr Elemente ein Nutzer in einer Ansicht erfassen muss, desto weniger Gewicht hat das einzelne Element. So besteht die Gefahr, dass wichtige Inhalte übersehen werden oder das Ziel schwerer erreichbar ist. Jede Seite/Ansicht sollte sich nach Möglichkeit auf die für den aktuellen Kontext relevanten Inhalte und Elemente beschränken und sich an konkreten Szenarien orientieren. Die Nutzer können dadurch besser bei der Problemlösung und/oder der Aufgabenbearbeitung unterstützt werden. Die Abläufe werden komfortabler, schneller und schließlich effizienter.


Von außen nach innen - Outside In

Der heute oft erfolgreiche verfolgte Ansatz besteht darin, Websites und -anwendungen von außen nach innen zu entwickeln. Nicht die Funktionen geben die Oberfläche vor. Sondern umgekehrt geben oft konkrete Problemstellungen oder zu lösende Aufgaben die Rahmenbedingungen für das Interaktionsdesign vor. Danach organisierte und gestaltete Oberflächen bedingen einen großen Teil der späteren Funktionsweise - unabhängig von einer noch tieferliegenden Programmlogik. Im konkreten Beispiel: Es ist nicht die ausklappbare, in bestimmter Form programmierte, Liste die zuerst da ist. Vielmehr ist es so, dass ein konkretes Interaktionsdesign möglicherweise den Einsatz eines solchen Features erfordert.


Fazit

Web Interface Design folgt nur auf den ersten Blick alleine den Regeln des guten (subjektiven) Geschmacks. Im Urteil der Nutzer orientiert sich der Gesamterfolg vielmehr an einem rundum gelungenen Nutzungserlebnis (Userexperience) - gutes Design rundet dieses ab.

Das positive Nutzungserlebnis ist Ergebnis aus Benutzbarkeit, effizientem Interaktionsdesign und nicht zuletzt ansprechender Oberflächengestaltung. Die Frontenddesigner und -entwickler müssen dementsprechend entweder ihre Fertigkeiten weiterentwickeln oder die Zusammenarbeit in interdisziplinären Teams suchen, lernen und leben. Die Kernfrage, die es schließlich mit ja zu beantworten gilt lautet:

Konnte die Webanwendung/-site mein ursprüngliches Problem lösen, mir die gewünschte Transaktion reibungslos ermöglichen oder mir die gesuchte Information liefern und habe ich mich dabei gut "gefühlt"?

03/2008, Björn Seibert



Björn Seibert ist bei der InterComponentWare AG (ICW AG) in Walldorf tätig und beschäftigt sich mit der Konzeption von Websites und –anwendungen, Webdesign, Webstandards, Barrierefreiheit im Webdesign und der Suchmaschinenoptimierung.
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