Barrierefreies Webdesign - Teil 2: Kriterien und Testverfahren

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Im zweiten Teil werden die Regeln und Kriterien der Barrierefreiheit im Web, deren Umsetzung für Webseitenersteller und Betreiber sowie mögliche Testverfahren vorgestellt.

Die Kriterien zur "Accessability"

  • Lange Seiten vermeiden oder durch Überschriften (Header) gliedern.

  • Links sollten angekündigt werden und durch einen kurz beschreibenden Alternativtext dargestellt werden. Das sehr oft eingesetzte Hier Klicken als Link hilft einem Blinden nicht weiter. Beim durch die Seite Navigieren würde er ständig nur Hier Klicken, Hier Klicken, Hier Klicken... hören.

  • Grafiken mit beschreibenden Alternativtexten (Alt) versehen:

  • <img src="dateiname.gif" alt="Alternativtext">

  • oder bei stark grafikbasierenden Seiten eine Alternativseite im Textmodus anbieten.

  • Alt Keys mit Alternativtext hinter jedem Navigationselement und unentbehrlichen Grafiken positionieren zur Erklärung der Funktion, hingegen können Bilder es manchmal nötig machen Ihren Sinn dem blinden Benutzer näher zu bringen. Dies wird durch D Anker und die hier hinterlegte inhaltliche Beschreibung gewährleistet.

  • Imagemaps und ihre Hot Spots stellen für Screen Reader unüberwindbare Barrieren dar. Gängiges Beispiel sind hier Landkarten mit mehreren in der Karte als Verlinkung definierten Bereichen die Mehrinformation beim Klick darauf bieten sollen. Blinde selber und die heute gängigen und bereits erwähnten Hilfetools können diese Art der Informationsdarstellung noch nicht auswerten. Eine Alternative die genutzt werden sollte ist die Information alternativ oder standardmäßig in Listen darzustellen.

  • Niemals absolute Fontgrößen setzen! Codiert man relative Textfonds zur Voreinstellung, können auch die vielen leicht Sehbehinderten durch Ihre lokalen Fonteinstellmöglichkeiten profitieren.

  • Tabellen und Textdarstellung in Spaltenform stellt die meisten Screen Reader und älteren Text-Browser vor unlösbare Probleme. Hier passiert es meistens, daß Zeile für Zeile ohne die Umbruchregeln und logische Zellenreihenfolge von Tabellen zu beachten, den Behinderten ein nicht lösbares Rätsel von den sonst hilfreichen Tools ausgegeben wird. Aus diesem Grund möglichst diese Art der Strukturierung vermeiden oder dem Informationssuchenden Hilfestellungen z.B. durch Ankündigung von Spalten und Zeilen zur Orientierung bieten.

  • Listen und Aufzählungen sollten möglichst durchnummeriert sein und durch einen Punkt abgeschlossen werden. So bekommt der Hörende Hilfestellungen durch die abgesenkte Stimme des Screen Readers und der nummerierten Struktur eines jeweiligen Punktes.

  • Farben spielen eine wichtige Rolle. Je kontrastreicher eine Information aufgebaut ist desto besser. Stark farbige oder vollgrafische Hintergründe sollten sich abschalten lassen. Dieses kann durch die Verwendung von Style Sheets (CSS) gewährleistet werden. In ihnen hat der Sehbehinderte die Möglichkeit die Informationsdarstellung individuell auf seine Farbschwächen anzupassen. Aufgrund der stark verbreiteten Rot/Grün-Sehschwäche auch bei als nicht sehbehindert geltenden Personen sollten diese Grundfarben möglichst nicht als kritische Erkennungs-/Unterscheidungsmerkmale eingesetzt werden.

  • Audio- und Videofiles stellen stets eine Barriere für bestimmte Personenkreise dar. Hier wir empfohlen jedes optische Signal durch eine alternative akustische Darstellung anzubieten.

  • Grafische- und Navigations-Buttons sollten eine gewisse Mindestgröße und Abstand besitzen, damit motorisch und sehbehinderte Menschen mit der Maus darauf zielen können. Ebenfalls sollten sie dem Screen Reader Benutzer verbal angekündigt werden.

  • Bei Texteingabefeldern an Menschen mit Rechtschreibschwächen denken: Plausibilitätsprüfung z.B. für Email Adressen oder Rechtschreibprüfung für Suchmaschinen vorsehen!

  • Frames sollten mit aussagekräftigen Namen oder einem Erlebnisbericht der zu erwartenden Inhalte ausgezeichnet sein. Die oft gewählten Bezeichnungen Frame1, Frame2 usw. sollten z.B. besser durch Wörter wie Navigationsframe und Textframe ersetzt werden.

  • Die Seite sollte trotz abgeschaltetem JavaScript bedienbar sein, denn dieses kann von gängigen Browsern wie (MSIE, Netscape,...) aber nicht von textbasierten Systemen wie Lynx interpretiert werden.

Die Test-/Analyseverfahren zur WAI Konformität

Die vollkommene Barrierefreiheit ist kaum zu erreichen. Aus diesem Grund sollte versucht werden wenigstens die bereits erwähnten Basics für WAI-Konformität zu beachten. Bei Einhaltung dieser Regeln wird der überwiegenden Zahl von Behinderten die Option eröffnet am WWW zu partizipieren. Anfangen sollten Webseitengestalter mit der WAI-Anpassung von Ihren Startseiten sowie anderen häufig genutzten Seiten des Web Auftritts.

Aspekt Grafiken
Um eine erste Einschätzung der Barrierefreiheit zu bekommen, empfiehlt sich ein einfacher Test mit Ihrem Browser. In den Einstellungen von Standard-Browsern gibt es die Möglichkeit, die Anzeige von Grafiken auszuschalten. Webseiten sollten sich auch bei ausgeschalteter Grafikfunktion eines Webbrowsers ohne Informationsverlust lesen lassen.

Aspekt Tools
Mit folgenden Tools können Barrieren für Nichtbehinderte sichtbar gemacht werden:

Aspekt Audio
Ist die Seite ohne Informationsverlust navigierbar? Test für Hörgeschädigte.

Aspekt Farbe/Kontrast
Tests für ein erkennen von Lesbarkeitsproblemen durch den Farbinvertierungstest oder gängige Tools.

Struktur/Geräteunabhängigkeit
Ist die Navigation ganz ohne Maus nur über die Tastatur möglich? Können die Inhalte auch auf älteren Versionen div. Browser Anbieter dargestellt werden?

Aspekt skalierbarer Darstellungsgröße
Sind Texte wie Grafiken bei verschieden eingestellten Bildschirmauflösungen (bis 640x480) lesbar?

06/2002, Holger Abel, Ingo Voigt

Ingo Voigt und Holger Abel sind Consultants bei Bertelsmann mediaSystems im Content Management Competence Center in Gütersloh.


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