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Barrierefreies Webdesign - Teil 3: Content Management Systeme
Relevanz für Content Management Systeme Ein Bestandteil der Web Accessibility Initiative des World Wide Web Consortitiums sind die Authoring Tool Accessibility Guidelines. Diese Guidelines beziehen sich auf alle Werkzeuge, die Web Inhalte produzieren oder die in der Lage sind Inhalte in Webformate zu speichern oder zu transformieren. Außerdem beziehen sie sich auf Werkzeuge, die multimediale Inhalte für den Einsatz im Web erzeugen, Werkzeuge für das Site Management und den Publikationsprozess, ferner auf Werkzeuge für das Layout Management. Heutige Content Management Systeme stellen i.d.R. mehrere der genannten Funktionalitäten bereit. Somit wäre zu diskutieren, in welchem Umfang die Guidelines der WAI Anforderungen darstellen, die innerhalb von Content Management Systemen umzusetzen wären. Ziele der Authoring Tool Accessibility Guidelines Mit den Authoring Tool Accessibility Guidelines verfolgt die WAI explizit die folgenden drei Ziele. Authoring Tools (also auch Content Management Systeme) sollten :
Web Accessibility bezieht sich auf alle gängigen Formate, die über das Web publiziert werden können, also nicht nur auf HTML Output, sondern auch auf alle anderen Mark Up Sprachen, wie XML, WML, SVG, MathML, SMIL, etc und die Darstellung von multimedialen Inhalten. Insbesondere für XML hat das W3C detailierte Guidelines zu den Anforderungen an barrierefreie Erstellung von Inhalten veröffentlich, was dessen Bedeutung im Publizierungsprozess unterstreicht. Zudem treffen auch viele der Anforderungen an barrierefreies Design auch auf den Zugang mit der neuen Generation von mobilen Endgeräten zu. Für den barrierefreien Zugang zu Webinhalten ist es z.B. wichtig Benutzer ohne Maus und mit Anzeigegeräten die Inhalte nur in geringen Umfang darstellen können zu berücksichtigen. In dieser allgemeinen Formulierung treffen diese Anforderungen zu einen auf Anwender mit z.B. Braille- oder Sprachausgabe zu; aber dieselben Merkmale kennzeichnen auch die Nutzung mobiler Endgeräte. Also wird durch die Berücksichtigung der Guidelines auch der Zugang mit anderen Endgeräten erleichtert. Zuständigkeiten Um die vorgenannten Ziele erfüllen zu können ist es hilfreich sich Gedanken darüber zu machen wer beim Einsatz von Content Management Systemen an der Erstellung der veröffentlichten Inhalte beteiligt ist. CMS Die aktuellen Content Management Systeme generieren im allgemeinen keinen spezifischen Mark Up. Dies ist aus Gründen der Flexibilität auch sinnvoll, da die Möglichkeit zur Generierung von Inhalten für verschiedenste Ausgabegeräte und somit auch für verschiedenste Ausgabeformate gewünscht ist. Dies bedeutet allerdings nicht, daß die Einhaltung der WAI Guidelines kein Thema für die Hersteller von Content Management Systemen ist. Zum einen sollte die Bedienung des CMS selbst den Anforderungen an barrierefreien Zugang genügen und zum anderen gibt es zahlreiche Möglichkeiten für die Unterstützung der Benutzer von CMS bei der Erstellung von barrierefreien Inhalten. Auf Anforderungen an CMS im Einzelnen werde ich dann weiter unten zurückkommen. Template Ersteller Für die Ersteller von Templates bzw. Transformationsregeln bei transformations-basierten CMS besteht die Aufgabe darin die Vorgaben für barrierefreie Inhalte in den Templates so zu modellieren, daß die Erstellung von barrierefreien Inhalten in die normalen Arbeitsporzesse der Autoren integriert ist. Im besten Falle bräuchte ein Autor dann keinerlei Kenntnis über die Anforderungen an barrierefreies Webdesign zu haben. Autor Zu guter Letzt kommt den Autoren die wichtigste Aufgabe im Prozess bei der Erstellung von barrierefreien Inhalten zu. Denn viele Informationen, die Inhalte für Anwender mit Behinderungen erst zugreifbar machen können nicht automatisiert erstellt werden. Eine treffende Beschreibung für eine Graphik oder das Transskript eines Videos können nur von Autoren erstellt werden, die in der Lage sind sich in Anwendergruppen hineinzudenken, die nicht auf den üblichen Wegen auf die Inhalte zugreifen. Barrierefreie Content Management Systeme? Wie können also Content Management Systeme die Erstellung von barrierefreien Inhalten unterstützen? Zum einen sind heutige CMS selbst in der Regel nicht barrierefrei zu bedienen. Hier wartet noch eine große Aufgabe auf die Hersteller von Content Management Systemen. Je nach Plattform für die die Clients des CMS erstellt wurden (Windows, Java, HTML, etc.) wurden hierfür bereits Guidelines durch das W3C geschaffen. An dieser Stelle sei auch noch angemerkt, dass zum Werkzeug im Sinne der Guidelines des W3C auch die Dokumentation gerechnet wird, die selbstverständlich auch barrierefrei nutzbar sein sollte. Soweit die CMS selbst keine Generierung oder Transformation in spezifische Mark Up Sprachen durchführen, entfällt für die Hersteller die Sorge dafür WAI konforme Ausgaben zu gewährleisten. Unterstützung der CMS Anwender Umso wichtiger ist es jedoch den Erstellern von Templates und Transformationsregeln und den Autoren der Inhalte Unterstützung bei der Erstellung barrierefreier Inhalte zu bieten. Denn es ist zu erwarten, dass sich die Verbreitung dieser Standards beschleunigen dürfte, sobald der Erstellungsaufwand durch den Einsatz geeigneter Tools sinkt. Am einfachsten ließen sich wahrscheinlich Validatoren integrieren, die den Nutzern von CMS automatisierte Prüfungen auf WAI-Konformität erlauben. Weitergehende Unterstützung ist denkbar, wenn CMS in die Lage versetzt würden WAI-kritische Informationen den Autoren automatisiert als Pflichtfelder bereits bei der Eingabe darzustellen (z.B. Alt-Attribute für Images). Hier wäre es praktisch, wenn sich nicht die Ersteller von Templates zu WAI Experten entwickeln müßten um einen barrierefreien Auftritt zu realisieren. Auch wenn man im ersten Moment sicherlich durch den Aufwand für die Umsetzung barrierefreier Seiten abgeschreckt sein dürfte, gibt es doch eine Reihe von Punkten, bei denen die Einhaltung dieser Richtlinien auch einen positiven Nutzen mit sich bringt. Eine der Grundregeln für die Erstellung barrierefreier Inhalte ist die Trennung von Inhalt und Layout, also genau das Grundprinzip jedes Content Management Systems. Dies wird jedoch in einer weitreichenderen Form gefordert, als es derzeit in den meisten Auftritten umgesetzt wird. Als Daumenregel läßt sich sagen, dass sämtliche Formatierungen aus dem eigentlichen Dokument verschwinden müssen und am besten komplett über Style Sheets (CSS) vorgenommen werden. Für die Anwender bedeutet dieser Punkt dann den endgültigen Abschied von WYSIWYG-Editoren. Als weiterer positiver Nebeneffekt (der strickten Trennung von Inhalt und Layout - also der Einhaltung wichtiger WAI-Richtlinien) ist für die Nutzer eine wesentlich einfachere Handhabung von bestehendem Content bei einem Relaunch zu erwarten. Zusätzlich erleichtert die Einhaltung der WAI Regeln auch die Erstellung von Inhalten für mobile Endgeräte. So wenn beispielsweise auf alternative Darstellungsformen multimedialer Inhalte zurückgegriffen werden kann, da diese auf bestimmten Endgeräten nicht dargestellt werden kann oder beim Design von Navigationspfaden, die auch ohne Maus genutzt werden können. Somit sorgt die WAI-Konformität der Inhalte ganz nebenbei für eine saubere Strukturierung der Inhalte. Zusammenfassend läßt sich sagen, daß eine Verbesserung der WAI Unterstützung also nicht alleine Aufgabe der Systemhersteller, Template Ersteller oder Autoren ist. Jede der drei genannten Gruppen muß jedoch ihren Teil dazu beisteuern um die Erstellung von barrierefreien Inhalten effizienter als bisher zu gestalten. Das Fazit Die meisten der in diesem Artikel angesprochenen Aspekte stellen neue Anforderungen dar, die höhere Anforderungen an die Strukturierung der Inhalte stellen als es in der täglichen Praxis heute der Fall ist. Dies muß das Layout jedoch nicht negativ beeinflussen. Nun stellt sich eine zentrale Frage: Wie hoch sind die Chancen, dass in Zukunft mehr Webauftritte als bisher auch von Nutzergruppen mit Behinderungen erreicht werden können? Ebenfalls ist kein besonderes oder zusätzliches Know-How für die Seitenerstellung im Web nötig. Oberstes Gebot um wirtschaftlich konkurrenzfähig mit seiner Website zu bleiben ist, daß schon bereits in der Entwurfsphase einer Webseite die Aspekte der Barrierefreiheit mit einfließen sollten. Sind diese einmal abgestimmt, entstehen viele, manchmal tausende von Seiten mit dem einen Layout. Stellt man nun fest, die Seiten sind nicht barrierefrei realisiert wurden, dann sind der Aufwand für Korrekturen im Design überproportional größer. Die Vorteile eines WAI-Konform gestalteten Webauftritts wiegen aber deutlich stärker, als der dagegen stehende geringe Mehraufwand um einen bereits bestehenden Web-Auftritt anzupassen. Die Attraktivität der Webseite für ALLE Nutzergruppen wird deutlich gesteigert, der allgemeine Zugang wie auch der für Suchmaschinen erhöht sich, eine Basis für zukünftige Schlüsseltechnologien wie Strukturierung durch XML und Speech API werden heute schon gelegt und dadurch diese Entwicklung beschleunigt. Weiter spielt mit der Einhaltung der heutigen Rechtslage (Art.3 BGB: 'Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden.') der soziale Aspekt bei am Markt agierenden Unternehmen eine immer größere Rolle. Dieses sollte Grund genug für ALLE Unternehmen und Institutionen die Inhalte im Web anbieten sein, Anstrengungen in Richtung WAI-Konformität zu unternehmen. Da die Erstellung von WAI-konformen Inhalten momentan noch mit zusätzlichem Aufwand verbunden ist, dürften in naher Zukunft weiterhin erst einmal überwiegend Web-Auftritte von Betreibern mit besonderer sozialer Verantwortung wie staatliche Institutionen, gemeinnützige Vereine, etc. (z.B. www.bundesregierung.de) barrierefrei gestaltet sein. Diese sind aber nicht mehr oder weniger der allgemein gültigen deutschen Rechtsprechung verpflichtet als jeder andere auch. Erst dann, wenn auch Menschen mit Schwierigkeiten beim Zugang auf Webinhalte als Zielgruppe wahrgenommen werden und dies nicht nur von Interessensgruppen wie Krankenversicherern, Pharmaindustrie, Optikern, etc. dürfte sich dieser Zustand signifikant ändern. Bleibt zu hoffen, dass dies nicht erst dann geschieht, wenn der Gesetzgeber durch verpflichtende Regelungen die Barrierefreiheit in ferner Zukunft einmal als Anforderung an alle Webauftritte festschreibt. Die Verantwortlichen vieler großen Sites im Web, aber auch alle, die gerade diesen Artikel gelesen haben und Inhalte im Web publizieren, sollten einmal hinterfragen ob die hier angesprochenen gehandicapten Personengruppen tatsächlich Ihre Inhalte ähnlich wie die sehenden Mitmenschen verwenden können. 06/2002, Holger Abel, Ingo Voigt
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