Welt-Premiere für Intranet Manager bei IBF 24

Autor: Stephan Schillerwein
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Letzter Beitrag: 02/2010
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24 Stunden ganz im Zeichen von Intranets und Mitarbeiterportalen: hochrangig besetzte virtuelle Konferenz führt Intranet Professionals aus der ganzen Welt zusammen. Eine kurze Nachlese.

Wie bringt man über 700 Personen aus 16 Ländern zusammen um gemeinsam über den Status quo und die Zukunft von Intranets zu diskutieren? Am 18. und 19. Juni fand "IBF 24" statt, die erste Online-Konferenz, die sich 24 Stunden non-stop dem Thema Intranets und Mitarbeiterportale widmete. Anstatt langwierige Anreisen in Kauf nehmen zu müssen, konnten sich die Teilnehmer direkt von Ihrem Arbeitsplatz aus jederzeit per Microsoft Live Meeting ins virtuelle Geschehen einklinken und per Messaging und Telefon aktiv an der Konferenz mitwirken.


25 Intranets live auf dem eigenen Bildschirm

Dan Pink, ehemaliger Chef-Redenschreiber von Bill Clinton und Al Gore führte mit seiner Keynote in die Arbeitswelt der Zukunft und die damit verbundenen wirtschaftlichen Veränderungen ein. Sein Credo: nicht rationale Logik, sondern Kreativität und Motivation sind die Schlüsselfaktoren zukünftiger Erfolge (vgl. Dan Pinks Buch: " A Whole New Mind: Why Right-Brainers Will Rule the Future "). Anschliessend wurden in insgesamt 12 Themenblöcken alle für Intranets wichtige Aspekte von Content über Collaboration bis hin zum Enterprise 2.0 vertieft behandelt. Schwerpunkt jedes Themenblocks waren die ausführlichen Intranet Live-Touren von Unternehmen wie BBC, BT, Microsoft, Nokia, SAP, IKEA und Google.
Darüber hinaus rundeten viele Expertenreferate, z.B. von Intranet Grössen wie Toby Ward oder Jane McConnell, das abwechslungsreiche Programm ab.

Einige Teilnehmer konnten sich ob des spannenden Programms überhaupt nicht von der Konferenz lösen und verblieben die ganzen 24 Stunden am Stück am Bildschirm. Aber auch die durchschnittliche Verweildauer von 8 Stunden pro Teilnehmer zeigt das grosse Interesse an den behandelten Themen.

Die Teilnehmer waren dabei nicht nur passive Konsumenten von Inhalten, sondern beteiligten sich aktiv, bspw. mit über hundert gestellten Fragen, Live-Berichterstattungen bei Twitter und reger Nutzung der IBF 24-Community parallel zur Konferenz. In der Community wurde bspw. der "My Beautiful Intranet" Award für das beste Intranet-Design der durch die Teilnehmer eingereichten Vorschläge vergeben. Als stolzer Gewinner ging dabei die European Space Agency hervor. Doch auch die anderen Intranet Homepages zeichneten sich laut User Experience Experten William Hudson durch "einen hohen ästhetischen Anreiz und eine gute Mischung aus News, Bildern und klaren Navigationsmechanismen aus, die alle zur weiteren Erkundung der jeweiligen Intranets einladen."



Abbildung 1: Gewinner des "My Beautiful Intranet" Wettbewerbs im Rahmen von IBF 24

Detailansicht


Ein Beispiel von über zwei Dutzend – Social Networking @ Nissan

Ende letzten Jahres überraschte Nissan mit der Ankündigung, eine interne Social Networking Plattform nach dem Vorbild von Web-Diensten wie Facebook oder Xing zu launchen. Waren bisher fast ausschliesslich Unternehmen aus der High-Tech Branche auf den Enterprise 2.0 Zug aufgesprungen, sorgte der traditionsreiche Automobilhersteller mit 224'000 Mitarbeitern in 190 Ländern mit diesem Vorhaben für eine kleine Sensation.

"The car business is not an 'old tech' industry sector!" - Simon Sproule, Corporate Vice President Global Communications, Nissan Motor Company

Nissan wollte weg von der bisherigen unidirektionalen "top down" Kommunikation: jeder Mitarbeiter sollte die Möglichkeit bekommen, im offenen Dialog mit dem Unternehmen über die für ihn wichtigen Themen zu stehen. Und Kommunikation sollte nicht mehr nur der Vermittlung von Fakten dienen, sondern auch unterhaltsam sein. Die bisherige Palette der internen Kommunikation bei Nissan reicht von News und Blogs über die persönliche Kommunikation bis hin zum Corporate-TV. Dieses soll sich künftig zum "CNN für Nissan" entwickeln. Aber auch das klassische Mitarbeitermagazin hat im Zeitalter des Social Networkings noch lange nicht ausgedient, was vor dem Hintergrund der grossen Anzahl von Fabrikarbeitern bei einem Automobilhersteller nicht verwundert.

Ausschlaggebend für die Veränderung war auch die Erkenntnis, dass das im Privatleben der Mitarbeiter praktizierte Kommunikations- und Informationsverhalten um gute 10 Jahre fortschrittlicher war, als die im Unternehmen zu diesen Zwecken zur Verfügung stehenden Tools und kulturellen Rahmenbedingungen. Dieser erzwungene Rückschritt sollte beseitigt werden. Mit der Schaffung einer Plattform, die eine "ständige Konversation" ermöglicht, wird u.a. auch das Ziel verfolgt, dass Probleme, die die Mitarbeiter bisher vielleicht mangels Alternative nach Aussen (z.B. an die Presse) getragen haben, intern verbleiben und gemeinsam gelöst werden können. Auch die sich aus regionalen, funktionalen und hierarchischen Barrieren ergebende Komplexität des riesigen Unternehmens soll durch Social Networking reduziert werden.

Als konkrete Resultate, die die interne Social Networking Plattform "N-Square" ermöglichen soll, wurde neben einem verbesserten Informationsaustausch folgendes definiert:
  • Schaffung von neuen sozialen Netzen zur Förderung einer Silo übergreifenden Denk- und Handlungsweise

  • Aktivierung von freiwilliger und spontaner Kommunikation unter den Mitarbeitern

  • Förderung von Stolz, Vertrauen und Loyalität. Um dabei nicht nur bei leeren Worthülsen zu bleiben, wurde konkret definiert, wie jeder dieser Werte in der Praxis gefördert werden kann. So wurde bspw. das bessere gegenseitige Kennenlernen der Mitarbeiter untereinander als wichtige Voraussetzung für eine vertrauens-basierte Zusammenarbeit erkannt.
"N-Square enables 'friends of friends to become friends' within Nissan's workforce" - Simon Sproule, Corporate Vice President Global Communications, Nissan Motor Company

Der 2007 gestartete Pilot war zunächst für 9 Monate auf einen Kreis von 1'500 Ingenieuren beschränkt. Nun ist der Roll-out für insgesamt ca. 30'000 Angestellte in Japan auf Basis von Microsoft Sharepoint als neue Systemplattform geplant. Gleichzeitig werden auch in Amerika und Europa Pilotprojekte gestartet.

Zu den von "N-Square" bereit gestellten Funktionen gehören u.a.:
  • Visualisierung von Beziehungsnetzwerken

  • Auswahl, ob auch private Infos gezeigt werden sollen (z.B. Hobbies)

  • Selbstgesteuerte Communities für beliebige geschäftsbezogene und private Interessen


Abbildung 2: Funktionen im "N-Square" Pilotprojekt

Detailansicht


Jede Veränderung führt auch zu Vorbehalten bei den Mitarbeitern. Diese hat Nissan von vorne herein aktiv adressiert, in dem Antworten auf die wichtigsten diesbezüglichen Fragen vorbereitet und kommuniziert wurden (z.B. hinsichtlich Zeitverschwendung, negativen Kommentaren, Kontrollverlust in der Kommunikation, ...).

Das Feedback der am Pilotprojekt Beteiligten ist sehr ermutigend (73% positive Rückmeldungen, nur 5% negative). Aufgrund der bisher vorherrschenden Arbeitskultur hatte Nissan nicht mit einem derartigen Erfolg gerechnet. Die Japaner sind jedoch eifrige Nutzer von Social Networking Plattformen im Web, wodurch die Adaption erheblich erleichtert und beschleunigt wurde. Dadurch ermutigt stehen weitere Web 2.0 Vorhaben auf dem Projektplan: als nächstes sollen Wikis nach dem Vorbild von Wikipedia eingeführt werden.


Nach dem Spiel ist vor dem Spiel

Ebenfalls vom eigenen Erfolg angespornt plant auch der Veranstalter von IBF 24, das Intranet Benchmarking Forum, diese Online-Konferenz im nächsten Jahr erneut durchzuführen. Paul Miller, CEO des Intranet Benchmarking Forum, sieht dafür auch in der CO2-Debatte einen wichtigen Grund: "IBF 24 hat gezeigt, dass es auch in einer Welt, die zukünftig aufgrund der Klimathematik von einer Verteuerung und Einschränkung von Geschäftsreisen geprägt sein wird, möglich ist, global zusammen zu kommen, gemeinsam zu lernen und neue Formen des Networkings zu etablieren. Weltweite Collaboration kann insbesondere auch mittels Web 2.0 Technologien online und in neuer Qualität erlebt werden."

Wer nicht bis nächstes Jahr warten will und die spannenden Vorträge der diesjährigen Veranstaltung noch erleben möchte, dem steht das IBF 24-Archiv zur Verfügung. Mehr Intranet-Praxis und bessere Einblicke in einige der besten Intranets der Welt findet man sonst wohl nirgendwo.


07/2008, Stephan Schillerwein



Stephan Schillerwein ist Head of Research bei der Infocentric Research AG in Baden (CH). Er leitet praxisnahe Forschungsprojekte die der Optimierung von Intranets und anderen Informations- und Kommunikationsmedien dienen.
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