Content Management - der Mittelstand holt auf

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Der qualitative wie quantitative Informationsvorsprung entwickelt sich im digitalen Zeitalter mehr und mehr zum zentralen Faktor für unternehmerischen Erfolg. Damit gewinnt das Informations- und Content Management an Bedeutung. Schon heute halten mehr als zwei Drittel der IT-Entscheider in mittelständischen Unternehmen professionelles Informations- und Content Management für notwendig. Dies ist das Ergebnis einer Studie von dem Betriebswirtschaftlichen Institut der Universität München und der TOMORROW FOCUS Technologies GmbH. Befragt wurden dazu 137 IT-Entscheider in mittelständischen Unternehmen aus ganz Deutschland.

Jedes dritte im Rahmen der Studie befragte Unternehmen (33,9 Prozent) mit 50 bis 2000 Mitarbeitern und einem Jahresumsatz bis zu 300 Millionen Euro setzt bereits heute ein Content Management System ein. Und die Neigung, künftig mit einem CMS zu arbeiten, ist auch bei den übrigen Unternehmen schon stark ausgeprägt: Lediglich 27,6 Prozent aller befragten Unternehmen planen bislang keinen Invest in ein solches System.

Unternehmen, die CMS einsetzen, so ein weiteres Ergebnis der Studie, heben sich auch in anderen IT-Bereichen von ihren Wettbewerbern ab. So geht die Verwendung eines Content Management Systems in der Regel einher mit einer anspruchsvolleren Internet-Präsenz und mit dem insgesamt stärkeren Einsatz von Informationstechnologie im Unternehmen. E-Business Anwendungen beispielsweise, die auf eine gemeinsame Informationsbasis (single source) zugreifen, werden von Unternehmen mit CMS viel häufiger eingesetzt. Sie profitieren dabei von der Möglichkeit, Informationen mehrfach und in unterschiedlichen Umgebungen zu verwenden, die ein in die bestehende IT-Anwendungslandschaft integriertes CMS bietet. Nicht von ungefähr gilt die Integrationsfähigkeit eines CMS - nach der Gebrauchsfreundlichkeit - als zweitwichtigstes Kriterium für die Anwender.

Die Informationskultur ist ausschlaggebend

Besonders bemerkenswert: Nicht die Unternehmensgröße, sondern die im Unternehmen zu verarbeitende Informationsmenge und die Informationskultur ist ausschlaggebend für den Einsatz von CMS. So setzen die befragten Unternehmen Content-Management-Systeme (CMS) weitgehend unabhängig von ihrer Größe (Umsatz und Mitarbeiterzahl) ein. Erst bei Firmen mit über 1.000 Beschäftigten und einem Jahresumsatz von über 250 Millionen Euro nimmt der Einsatz von CMS signifikant zu.

Richtig integriert steigert das CMS als Querschnittsanwendung den ökonomischen Nutzen anderer IT-Anwendungen und wirkt sich dadurch positiv auf die Kosten/Nutzen-Rechnung und die RoI-Betrachtung der gesamten IT-Umgebung aus. Dies zeigt sich auch daran, dass Unternehmen mit CMS signifikant mehr IT-Applikationen einsetzen als Unternehmen ohne CMS. So arbeiten 46,5 Prozent der Unternehmen mit CMS auch mit Customer Relationship Management Systemen. Aber nur 16,7 Prozent der Unternehmen ohne CMS verfügen über entsprechende CRM-Software.

Extranets und Intranets

Besonders deutlich wird dieser Zusammenhang auch beim Einsatz von Extranets und Intranets: Während nur 9,5 Prozent der befragten Unternehmen ohne CMS ein Extranet einsetzen, verfügen über 23 Prozent der Unternehmen mit CMS über ein Extranet. Der Grund liegt auf der Hand: Die personal- und zeitintensive Verwaltung der Inhalte von Websites lässt sich mit Content Management Software wesentlich kostengünstiger bewerkstelligen und nicht selten überhaupt erst kaufmännisch vertreten. Hierbei gilt: Je umfangreicher und anspruchsvoller der Web-Auftritt, desto effizienter ist der Einsatz von Content Management Systemen.

Dies führt unter anderem dazu, dass CMS-Anwender in der Regel deutlich anspruchsvollere Websites betreiben. So arbeiten Unternehmen mit CM-Systemen fast viermal (14,0 Prozent) so häufig mit personalisierten Inhalten, also Informationen, die gezielt auf die individuellen Bedürfnisse des Site-Besuchers eingehen, als Unternehmen, die ihre Website ohne CMS verwalten (4,8 Prozent). Auch beim Einsatz elektronischer Produktkataloge spiegelt sich die durch CMS komfortablere Verwaltung von Inhalten wider: Über 58 Prozent der befragten Unternehmen mit CMS setzen E-Produktkataloge auf ihren Websites ein - ohne CMS liegt der entsprechende Wert bei 35,7 Prozent.

Usability und "Implementierungskosten"

Neben unternehmensspezifischen, funktionalen Anforderungen an ein CMS wie die Personalisierung von Inhalten, die Unterstützung von Suchfunktionen oder Online-Shops spielen auch grundsätzliche, nicht-funktionale Anforderungen eine wesentliche Rolle. Dazu gehört unter anderem die Gebrauchsfreundlichkeit (Usability) - sie wird von 92,3 Prozent der Befragten als wichtigstes Kriterium genannt, gefolgt von der Integrationsfähigkeit eines CMS in bestehende Systeme (76,9 Prozent).

Auffällig ist die relativ niedrige Einstufung des Kriteriums "Implementierungskosten", das nur von etwas mehr als der Hälfte der Unternehmen (52,5 Prozent) als "sehr wichtig" bewertet wird und im direkten Vergleich mit den anderen Kriterien am wenigsten ins Gewicht fällt. Damit scheinen die Kosten beim Erwerb eines CMS trotz der derzeit schwierigen wirtschaftlichen Situation für KMUs nicht ausschlaggebend zu sein.

Die Marktstudie "E-Business in mittelständischen Unternehmen" wurde von dem Betriebswirtschaftlichen Institut der Universität München, Lehrstuhl EFOplan und der TOMORROW FOCUS Technologies GmbH, München, durchgeführt. Befragt wurden im Zeitraum von Anfang August bis Mitte September 2002 insgesamt 1.855 Unternehmen aus ganz Deutschland mit 50 bis 2000 Mitarbeitern und einem Jahresumsatz bis zu 300 Millionen Euro. In die Ergebnisse eingeflossen sind die Aussagen von 137 IT-Entscheidern in den befragten Unternehmen. Die Langfassung der Studienergebnisse kann kostenlos bei der TOMORROW FOCUS Technologies (contact@tomorrow-focus.de) angefordert werden.

05/2003, Holger Rottmann; Claudio Franchi

Holger Rottmann ist am BWL-Institut der Uni München, Lehrstuhl EFOplan, tätig. Claudio Franchi ist Consultant bei der TOMORROW FOCUS Technologies GmbH.


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