Anforderungen an Multilingualität von Content-Management-Systemen

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Die Implementierung eines weltweit genutzten Content-Management-Systems (CMS) schafft eine Vielzahl technischer, organisatorischer und konzeptioneller Herausforderungen. Die grundsätzliche Vorgehensweise bei der CMS-Auswahl ist dabei synonym zu herkömmlichen Auswahlprozessen von Software.

Der Schlüssel zum Erfolg liegt im Detail: Wegen des Einsatzes in unterschiedlichen Sprachräumen ist die Multilingualität ein charakteristisches Auswahlkriterium. Die Anforderungen an die Mehrsprachigkeit muss für drei Bereiche definiert werden:

1. Benutzeroberfläche

Die Elemente der Benuterzeroberfläche sollten in mehreren Sprachen verfügbar sein. Dazu gehören zum Beispiel Feldbeschreibungen für Eingabefelder, beschriftete Bedienungs- und Navigationselemente, Alternativtexte (Tooltipps), Auswahlmöglichkeiten für Drop-down-Boxen und Texte in vorbelegten Feldern (Default-Texte). Die Benutzeroberfläche muss in der Regel nicht sämtliche Sprachen abdecken. Oft genügen die gängigen Sprachen wie z.B. Englisch, aber auch Spanisch, Französisch oder Deutsch. Eine Analyse und eine Priorisierung der benötigten Sprachen muss vor der Softwareauswahl geschehen und richtet sich nach dem Einsatzgebiet des CMS. Zum Teil lässt sich diese Problematik elegant umgehen, indem die Elemente der Benutzeroberfläche, soweit möglich, grafisch dargestellt werden. So ist zum Beispiel der Texteditor im CMS unabhängig von Sprachen verständlich, wenn eine Anlehnung an die Bearbeitungsleisten und -symbole bekannter Textverarbeitungsprogramme (wie MS Word) erfolgt.

2. Dokumentation des CMS

Die Qualität von Schulungsunterlagen, Handbüchern und Hilfstexten hat Einfluss auf die Arbeitsqualität der Nutzer. Hier sollte nicht am falschen Ort gespart werden. Dem entgegen steht der berechtigte Einwand, dass ein Angebot in verschiedenen Sprachen eine Multiplikation der Pflegeaufwände bedeutet. Auch bei der Dokumentation kann das Angebot auf eine oder wenige Sprachen eingeschränkt werden. Doch Vorsicht: diese Texte enthalten einen großen Anteil an Fachbegriffen. Will man den Nutzern hier eine Fremdsprache zumuten, so ist die einfache Formulierung und das Verwenden vieler Grafiken und verdeutlichender Screenshots wichtig für das Verständnis und somit die Akzeptanz und Erfolg des CMS. Die Dokumentation sollte differenziert nach Online- und Print-Versionen betrachtet werden. Online Dokumentationen und Online-Hilfe sollten in den Sprachen vorliegen, in denen eine eigene Benutzeroberfläche angeboten wird. Einschränkungen des Sprachangebots können vorgenommen werden, wenn diese Hilfe kontextsensitiv angeboten wird, da die Nutzer nur kurze Textpassagen lesen und verstehen und nicht nach den richtigen Stellen suchen müssen. Handbücher werden vom Anbieter oftmals nur in einer Sprache angeboten. Ob sich eine Übersetzung lohnt, hängt im wesentlichen von der Anzahl der Nutzer pro Sprache ab. Bei Schulungen hingegen ist das Angebot vieler Sprachen wesentlich. Denn eine Schulung in einer Fremdsprache fordert von den Teilnehmern erhöhte Konzentration auf die Übersetzung, dadurch kann in diesen Schulungen weniger inhaltlich gearbeitet werden. Zudem ist die Gefahr von Missverständnissen und "geistigen Auszeiten" höher.

3. Verarbeitung unterschiedlicher Zeichensätze

Das CMS muss alle nationalen Zeichensätze der Sprachen verarbeiten können, in denen publiziert wird oder die als Bedienungsoberfläche zum Einsatz kommen. So existieren z.B. in der deutschen Sprache die Umlaute (ä, ö, ü) als Sonderzeichen, während im Französischen Akzentuierungszeichen (é, à, â, ...) und die spanische Sprache eigene Sonderzeichen (é, ñ,...) besitzt. Wir gehen davon aus, dass für den CMS-Einsatz in der Regel die Unterstützung der gängigen westlichen Sonderzeichen ausreicht. Müssen dagegen komplett eigene Zeichensätze (wie sie z.B. in Russisch, asiatischen oder islamischen Schriften existieren) verwaltet und dargestellt werden, so liegen die Anforderung höher. Dann müssen ggf. auch die Datenbanken den Unicode mit einer 2-Bit-Codierung verarbeiten können. Die Möglichkeit, benötigte Sonderzeichen zu verwenden, sollte schon während der Anbieterauswahl abgefragt werden.

Die Anforderungen an Multilingualität sollten für die Auswahl eines CMS im Vorfeld definiert und priorisiert werden.

Darüber hinaus sollten folgende Punkte bei dem internationalen Einsatz eines CMS beachtet werden:

  • Erweiterbarkeit

  • Die Erweiterbarkeit ist vor allem eine technische Herausforderung zu den Punkten 1 und 3, da die Dokumentation in der Regel außerhalb des CMS erfolgt (z.B. als Word- oder PDF-Dokument). Für Punkt 1 bedeutet dies, dass die Elemente der Bedienungsoberfläche im CMS getrennt von den Funktionen verwaltet werden. Darüber hinaus bietet es sich an, Texte in Navigationselementen nicht graphisch, sondern im Textformat zu speichern, um die Bedienungsoberfläche einfacher erweitern und pflegen zu können. Hinsichtlich der Zeichensätze (Punkt 3) liegt das Hauptaugenmerk auf der Speicherart der Texte im CMS. Werden diese zum Beispiel in HTML abgespeichert, muss das CMS die Konvertierung von der Eingabe zur Speicherung im richtigen Format gewährleisten (z.B. muss der Umlaut "ä" in HTML als ä dargestellt werden, um eine korrekte Darstellung zu gewährleisten).

  • Strukturpflege

  • Bei der Strukturpflege der Website gibt es zwei Optionen:
    1. Die Sprachvarianten der Website werden in getrennten Strukturbäumen (Ordnerstrukturen) innerhalb des CMS verwaltet.
    2. Es existiert nur ein Strukturbaum. Den einzelnen Seiten sind dann jeweils die einzelnen Contentseiten / Artikel in allen verfügbaren Sprachen zugeordnet.

Welche der Möglichkeiten für den Betrieb einer mehrsprachigen Website besser ist, richtet sich nach der inhaltlichen Ausgestaltung der einzelnen Sprachversionen. Soll die Struktur der einzelnen Sprachversionen auf Dauer identisch sein, so bietet sich die zweite Option mit einem gemeinsamen Strukturbaum an. Die Vorteile dabei sind die leichtere Möglichkeit, dem Nutzer auf jeder Seite individuell die Sprache bestimmen zu lassen. Die Pflege wird mit einem gemeinsamen Strukturbaum nur dann einfacher, sofern eine Person/ein Team sämtliche Sprachvarianten pflegt, da alle Sprachvarianten eines Contents im selben Strukturbereich/Unterordner zu finden sind. Sind jedoch unterschiedliche Personen für die Pflege der einzelnen Sprachangebote zuständig oder sollen Abweichungen im Content zwischen den Sprachangeboten zulässig sein, bietet sich die getrennte Strukturpflege an (Option 1).

07/2003, Tobias Tiedje

Tobias Tiedje ist Business Advisor und Projektmanagement-Trainer bei der Commerz Business Consulting AG.


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