Revisionssichere Archivierung im Licht neuer rechtlicher Anforderungen VII

Autor: Dr. Ulrich Kampffmeyer
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Letzter Beitrag: 06/2010
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Ein schwerwiegender Interessenkonflikt

  • Der Gesetzgeber fordert Aufbewahrungsfristen von 10 oder mehr Jahren:

  • Informationen sollen langfristig verfügbar sein
  • Der Markt entwickelt sich stürmisch weiter:

  • jedes Jahr neue Software, neue Hardware, neue Standards ...

Im Umfeld der elektronischen Langzeitarchivierung begegnen wir einem ganz entscheidenden, schwerwiegenden Interessenkonflikt. Der Gesetzgeber fordert von Ihnen Aufbewahrungsfristen von zehn oder mehr Jahren und jeder von uns weiß, dass jedes Jahr, zu jeder Messe, Ihnen wieder neue Software, neue Releases, häufig inkompatibel zur installierten Version, angedient werden. Und - wehe Sie installieren nicht die neueste Version, dann verlieren Sie unter Umständen auch noch Gewährleistung und Service.

Die Konsequenz der Abhängigkeit: Migration

  • Das Verschwinden von Produkten und Anbietern ist keine Katastrophe, sondern in Hinblick auf eine langfristige Informationsverfügbarkeit der Regelfall
  • Der Anwender muss sich durch Einhaltung von Standards, offene Schnittstellen und Migration grundsätzlich auf Wechsel von Anbietern, Produkten und Formaten wappnen
  • Migrationen sind für wertvolle, über Jahrzehnte aufzubewahrende Daten und Dokumente als "Continuous", kontinuierliche Migration zu planen

Macht man sich nun noch bewusst, dass viele der Anbieter von Archivsystemen mittelständische Unternehmen sind, erinnert man sich an den Niedergang am Neuen Markt, dann muss man sich von vorne herein auf die Konsequenz einrichten: Migration. Denn das Verschwinden von Produkten und Anbietern ist keine Katastrophe, das ist einfach naturgegeben, das ist unsere freie Marktwirtschaft. Der Markt konsolidiert sich.

Wenn Sie in Zeiträumen von zehn, zwanzig oder mehr Jahren Aufbewahrung denken, dann ist ganz klar, dass Sie dann nicht mehr die Software oder den Anbieter haben werden, die heute bei Ihnen im Hause sind. Das ist ein ganz normaler Prozess, da muss man sich als Anwender nicht aufregen oder in Panik versetzen lassen.

Kontinuierliche Migration

Sie müssen sich selbst wappnen, auf den Veränderungsprozess einstellen. Wenn Sie die Sicherheit haben wollen, dass die Informationen aus den heutigen Systemen auch in zukünftige überführt werden können, dann müssen Sie ernsthaft Standards einfordern, sauber dokumentierte Schnittstellen, aussagekräftige Dokumentationen. Sie müssen auch prüfen, ob die Versprechungen der Anbieter in Punkto Standards und Migration auch wahr sind, Sie müssen Migrationen bereits bei der Erstinstallation und bei folgenden Veränderungen Ihrer Systeme erproben.

Migration muss als kontinuierlicher Prozess betrachtet werden. Bereits bei der Erstinstallation ist bereits der Wechsel auf die nächste Generation vorzuplanen. Aus dem Produktionsbetrieb ergeben sich bereits Veränderungen, hinzu kommen veränderte Anforderungen der Anwender, neue Anwendungen, die ebenfalls das Archiv nutzen wollen, und so weiter.

Migration: Beispiele für Ursachen und Notwendigkeit

  • 1. Migration von Informationen

  • - Umkopieren von Informationen von einem Medium auf ein anderes sowie den Wechsel von Laufwerken und Medien
    - Überführung der Zugriffsinformationen (Indizes) in eine andere Datenbank - bedingt durch die Weiterentwicklung der Speichertechnologien

  • 2. Migration bei technologischer Weiterentwicklung

  • - wenn Laufwerke und Medien kostengünstiger werden,
    - wenn Laufwerke und Medien mehr Speicherkapazität haben,
    - wenn es neue Speicherstrategien gibt, die einen schnelleren Zugriff erlauben
    - wenn die Neuanschaffung günstiger wird als die Wartungskosten

  • 3. Migration bei Aufgabenerweiterung und Ausbau von Systemen

  • Die Skalierbarkeit und Kaskadierbarkeit eines Archivsystems ist hier von Bedeutung

  • 4. Migration durch Unternehmenszusammenführung

  • Die Zusammenführung lässt sich nur durch eine integrierende Middleware mit Anpassung vorhandener Archive oder durch die Migration in eine Lösung bewältigen

Je nach dem wie gut und sorgfältig Sie Ihre Systeme geplant und eingerichtet haben, gibt es verschiedene Typen der Migration. Harte Migration, diese wird immer dann notwendig, wenn Sie etwas bei der Systemauswahl falsch gemacht, wenn Sie sich eine "exotische Insel" als Lösung angeschafft haben. Bei einem Systemwechsel müssen dann Anwendung, Datenbank und alle Daten migriert werden. Aus Erfahrung weiß ich, dass dies bei proprietären Lösungen zwei, dreimal so teuer werden kann, wie die ursprüngliche Installation. Und es ist ein aufwendiger, langwieriger Prozess.

Hat man sorgfältiger geplant, auf Standards, Schnittstellen und Modularität geachtet, hat man die Möglichkeit einer weichen Migration. Dies bedeutet, dass man die Speichersubsysteme und die Medien weiter benutzen kann, und nur die Index-Datenbank, Anwendung und Client migriert.

Der ideale Weg ist aber der, dass man seine Systeme so auslegt, dass man unter einer Zwischenschicht, einer Middleware, unterschiedlich alte, von verschiedenen Anbietern stammende und beliebig strukturierte Systeme gleichermaßen benutzen kann. Dies gibt Ihnen die Möglichkeit, alte Archive auszualtern, neue Informationen nur in die jüngeren Systeme zu schreiben und die alten nur noch für den Lesezugriff zu nutzen, dies alles nur mit einem Client, unter einer Benutzeroberfläche, so dass der Anwender nicht wissen muss, wo kommt eigentlich die archivierte Information her. Die Herausforderung der integrativen Migration ist der transparente Zugriff auf unterschiedliche Systeme.

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 1: Harte, weiche und integrative Migration

10/2003, Dr. Ulrich Kampffmeyer





Dr. Kampffmeyer ist Geschäftsführer der PROJECT CONSULT Unternehmensberatung GmbH, Hamburg, eine produkt- und herstellerunabhängige Beratungsgesellschaft für Informationsmanagement (IM).
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