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Enterprise Content Management - Zwischen Vision und Realität
Einführung ECM Enterprise Content Management ist ein modernes Kunstwort, dass Produkte, Lösungen, einen Markt und eine Branche beschreiben soll. ECM fügt sich ein in das weite Feld der Informationstechnologie und soll Hilfsmittel bereitstellen, Information, elektronisches Wissen, effektiv nutzbar bereitzustellen. Im Prinzip geht es aber um ein uraltes Thema: Unsere Kultur und Gesellschaft basieren auf der Übermittlung von Erfahrungen und Wissen. Dies unterscheidet den Menschen vom Tier. Es begann mit der mündlichen Überlieferung, nach Gebärden der zweiten Grundform von Informationsübermittlung. Man kann daher sagen, Knowledge Sharing als wesentliche Komponente des Wissensmanagement gibt es seit mindestens 100.000 Jahren. Doch wie sollte man mündlich das Wissen an jemand vermitteln, der nicht dabei war? Die Erfindung der Schrift erlaubte es, Information aufzuzeichnen, damit man sich daran erinnern , aber auch diese Information an Dritte weitergeben konnte. Mit der Aufzeichnung war das Dokument geboren, dass für die Beteiligten aber auch Un-beteiligten die Nachvollziehbarkeit eines Informationsaustausches oder einer Vereinbarung ermöglichte. Mit der Vielzahl entstehender Dokumente wurde auch das Dokumentenmanagement, die Verwaltung der Dokumente, geboren. Frühe Ordnungssystematiken vor 5000 Jahren unterscheiden sich vom Prinzip her nur unwesentlich von heutigen, auch wenn es um Tontafelarchive mit Keilschriftdokumenten geht. Mit dem Papier und dem Ordner wurde der entscheidende Schritt zur Schaffung der Verwaltung getan, die sich ausschließlich mit der Bearbeitung von Dokumenten und den darin enthaltenen Informationen beschäftigt. Im 19. und 20. Jahrhundert kam dann die technologische Revolution hinzu, die die Verwaltung mit den notwendigen Werkzeugen zur Erstellung, Verteilung und Speicherung von Dokumenten versorgte. Das elektronische Dokumentenmanagement ist der jüngste Schritt, mit dem wir den Übergang aus einer physisch greifbaren in eine virtuelle, elektronische Welt vollziehen. Letztlich geht es aber um das Gleiche wie vor Tausenden von Jahren - nur die Medien, die Geschwindigkeit und der Anspruch haben sich geändert. Elektronisches Dokumentenmanagement Elektronisches Dokumentenmanagement gibt es erst seit ungefähr 25 Jahren. Nur was heißt in der Informationstechnologie "erst" 25 Jahre? 25 Jahre sind gemessen an den immer kürzer werdenden Innovationszyklen und jährlich neuer Softwarereleases ein ziemlich langer Zeitraum. Man kann heute davon ausgehen, dass diese Technologien weitgehend matur, ausgereift, sind. Unser Problem ist jedoch, dass wir mit elektronischen Dokumentenmanagement, elektronischer Archivierung, elektronischem Content Management, uns in eine kaum greifbare, immaterielle elektronische Welt begeben müssen. Sprach man noch bis vor ein paar Jahren von Dokumentenmanagement und der DMS-Branche, so hat sich das Bild heute gewandelt. Offenbar war die Begriffe Dokument und Dokumentenmanagement des Marketiers nicht mehr aktuell genug, erweckten zuwenig Interesse bei potentiellen Kunden, wirkten staubig und outdated. In den letzten Jahren wurden die Anwender daher mit einer Flut von Akronymen und Begriffen im Umfeld der Dokumenten-Technologien überschüttet: DRT, WCM, ECM, CM, KM oder Collaborative Commerce, Business Process Management und natürlich das Thema dieses Whitepapers, ECM Enterprise Content Management. Keine der neuen Bezeichnungen ist eindeutig und allgemein gültig definiert. Jeder Anbieter im Markt versucht sich mit eigenen Begriffen und eigenen Interpretationen der gängigen Akronyme abzuheben. Dies führt jedoch bei potentiellen Anwendern eher zur Desorientierung und Verunsicherung denn zu Kaufentscheidungen. Da Dokumenten-Technologien Infrastruktur sind, verschwinden die Komponenten immer mehr im Bauch anderer Systeme und sind kaum noch als eigenständige Produkte sichtbar. Die Branche hat hierdurch ihr Profil und ihre Visibilität verloren. Besonders das Internet veränderte den bisherigen Dokument-Begriff und die damit verbundenen Lösungsangebote. Man spricht modern von Content und den dazugehörigen Systemen wie Content Management, Web Content Management oder Enterprise Content Management. Dokument und Content haben eine unterschiedliche Qualität, man kann die Begriffe nicht synonym verwenden. Bei Content wird der geschlossene Charakter des elektronischen Dokumentes aufgelöst. Strukturinformationen, beschreibende Metadaten, Layouts werden getrennt vom eigentlichen Inhalt verwaltet, damit der Inhalt in unterschiedlichsten Formen, für unterschiedlichste Zwecke benutzt werden kann. Im Umfeld des Content Managements ist es manchmal schon sehr schwierig geworden, überhaupt festzustellen: was war denn das Original, für welchen Zweck, für welche Repräsentation war diese Information einmal vorgesehen? Enterprise Content Management Enterprise Content Management selbst ist nur einer der vielfältigen Begriffe im Umfeld des Content Managements. Enterprise Content Management hat den Anspruch, auch Web Content Management mit einzuschließen. Der allgemeine Oberbegriff Content Management ist äußerst facettenreich und schließt seinerseits Web Content Management, Content Syndication, Digital oder Media Asset Management und natürlich Enterprise Content Management ein. Dieser "circulosus virtuosus" der Begriffe zeigt denn auch Mangel an Klarheit bei den Marketingaussagen der Hersteller. Ob ECM Enterprise Content Management hier die Botschaft sein wird, die die potentiellen Anbieter "hinter dem Ofen hervorlockt", muss die Zukunft erst noch zeigen. Die Lösungen selbst, um die es hier geht, sind unabdingbarer Bestandteil moderner Informationssysteme und werden die Lebenszeit der Akronyme überdauern. Entscheidend ist, ob sich mit dem Begriff ECM Enterprise Content Management eine neue Qualität, ein Mehr an Funktionalität und Nutzen für die Anwender verbinden lässt. Dies ist sowohl bei einigen Teilbereichen als auch beim ganzheitlichen Anspruch von ECM Enterprise Content Management der Fall. Jedoch muss man auch angesichts des allumfassenden Anspruch und der zahllosen Komponenten von Enterprise Content Management konstatieren, dass ECM allenfalls als Vision, Strategie oder Bezeichnung einer Branche dienen kann - eine geschlossene Systemlösung oder ein einzelnes Produkt ist ECM nicht. Man kann daher ECM gleichbedeutend mit DRT Document Related Technologies oder DLM Document Life-cycle Management nur als eine mögliche zusammenfassende Gruppenbezeichnung für die verschiedenste Technologien und Unternehmen positionieren. CM Content Management Geht man an die Wurzeln des Begriffes Content Management, so muss man feststellen, dass bereits der Begriff "Content" im Angloamerikanischen nicht eindeutig fassbar ist. Er ist nicht einfach eine Neudefinition des herkömmlichen Dokumentenbegriffs. Content ist im Prinzip alles was an inhaltlicher Information in Systemen vorgehalten wird. Selbst die herkömmliche Abgrenzung zwischen un- oder schwachstrukturierten Daten greift beim Begriff Content nicht mehr. Content wird heute in Datenbanken verwaltet und die Grenze zwischen strukturierten Datensätzen und unstrukturiertem Content ist längst verwischt. Es gibt jedoch Merkmale für elektronischen Content, die diesen von anderen Formen von Inhalten in elektronischen Systemen unterscheiden.
11/2003, Dr. Ulrich Kampffmeyer
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