Enterprise Content Management - Zwischen Vision und Realität III

Autor: Dr. Ulrich Kampffmeyer
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MAM Media Asset Management

Inzwischen taucht mit MAM Media Asset Management oder DAM Digital Asset Management die nächste Gruppe von Akronymen auf. In der Finanzwelt bezeichnet das Asset Management die Vermögenswertverwaltung. Das Media Asset Management versucht die Vermögenswerte, die Medieninformationsobjekte für ein Unternehmen darstellen, zu verwalten und zur optimalen Nutzung zur Verfügung zu stellen. Ziel des Media Asset Managements ist, ein effektives und effizientes Management von multimedialen Informationen zu ermöglichen und dadurch einen wirtschaftlichen Nutzen und Wettbewerbsvorteile zu erzielen. Media Asset Management kann als Weiterentwicklung des klassischen Content Management-Begriffes betrachtet werden.

Definition "Media Asset"

Ein Media Asset ist grundsätzlich eine Form von Content. Content ist Information in strukturierter, schwach strukturierter und unstrukturierter Form, die in elektronischen Systemen zur Nutzung bereitgestellt wird. Ein Media Asset besteht zum einen aus multimedialen unstrukturierten Informationsobjekten wie Bildern, Grafiken, Präsentationen oder Rich-Media-Inhalten wie Audio und Video, zum anderen aus strukturierten Metainformationen.Durch das Hinzufügen der strukturierten Metadaten wird aus einem Medieninformationsobjekt, welches lediglich Informationen darstellt, ein "wertbehaftetes Asset", welches verfügbar, recherchierbar, wiederverwendbar und kommerziell handelbar wird. Die strukturierten Metadaten beinhalten beispielsweise Informationen zum Autor, zu Urheberrechten, Erstellungsdatum und Formatinformationen sowie Informationen zum Farbmanagement und Inhaltsbeschreibungen.

Auch ECM Enterprise Content Management und KM Knowledge Management können von den Fähigkeiten eines MAM profitieren. Wissen ist im Unternehmen auch in Media Assets enthalten und kann mit Hilfe der Metadaten der multimedialen Informationsobjekte aus dem MAM lokalisiert werden.

Doch wie grenzt sich das Media Asset Management zum herkömmlichen CM Content Management ab? Der Unterschied zum Content Management ist auf den ersten Blick kaum zu erkennen. Grundsätzlich können mit einem CMS Content-Management-System die gleichen Informationsobjekte verwaltet werden wie mit einem Media-Asset-Management-System (MAMS).

Definition "MAMS Media Asset Management System"

Ein Media Asset Management System verwaltet beliebige Inhalte über Metadaten und Datenbanken.Ein MAMS kontrolliert Zugriffe und Nutzung. In Verbindung mit Digital Rights Management und Accounting Systemen erlaubt es die kommerzielle Nutzung der Inhalte.Media Asset Management Systeme sind auf hohe Skalierbarkeit zur Speicherung sehr großer Datenmengen ausgelegt.Ein MAMS auf die Konvertierung der Inhalte eingerichtet, um den gespeicherten Content in unterschiedlichen Formaten für die Online-Nutzung und die Distribution zur Verfügung zu stellen.Media Asset Management Systeme verwalten nicht nur elektronisch vorliegende Informationen sondern können auch als Referenzsystem für physisch vorliegende Objekte mitgenutzt werden. Dies erlaubt eine einheitliche, medientypunabhängige Verwaltung von Assets.

In der Medienbranche wird Content Management als "Unterabteilung" von Media Asset Management gesehen, wobei den CMS-Lösungen häufig Funktionen wie "Watermarks", "Digital Rights Management", "eBilling", "Digital Video Channeling", "User Profiling", "Distributed High Performance Asset Reposi-tories" und viele andere fehlen. Dagegen gibt es kaum echte MAM-Produkte - viele der Lösungen sind individuell für einen Media-Assets-Anbieter "zusammengeschraubt worden".

Das Media Asset Management sorgt für die Aufnahme, Speicherung, Kategorisierung, Indizierung und Bereitstellung von Media Assets mit der Prämisse, eine hohe Bearbeitungsgeschwindigkeit und eine optimale Wiederverwendung zu ermöglichen. Zu der Grundausstattung eines MAM zählen Funktionen wie Verschlagwortung und Indizierung, Mechanismen zur Datensicherheit und Zugriffskontrolle, medienspezifisches Datenmanagement wie Farbmanagement und medienneutrale Formate, komplexe Suchfunktionen über Metadaten sowie automatische Bildinhaltserkennung, Unterstützung des Workflows bei der Medienproduktion, Versionsmanagement und Verwaltung sowie das Management von Urheberrechten, digitale Signaturen, Wasserzeichen und Lizenzen. Multi-Media Clearing Right Systems (MMCRS) und Digital Rights Management (DRM) stellen für MAMS derzeit eine der größten technologischen Herausforderungen dar. Auch das elektronische Abrechnen von Kleinbeträgen (Micropayment) für die Nutzung von Inhalten ist nicht durchgängig realisiert und befindet sich auf einem temporären Rückzug. Ein weiterer integraler Bestandteil ist das "CrossMedia-Publishing" des MAM. Mit dieser Eigenschaft kann ein MAM-System gleichen Inhalt über unterschiedliche technische Kanäle publizieren. Nach dem Motto "Create once, use many" können beispielsweise die Bereiche Druck, Internet und Multimedia mit gleichem Inhalt aus dem MAM bedient werden. Unter gleichen Gesichtspunkten ist auch Content Syndication, die mehrfache Nutzung von Inhalten auf verschiedenen Anbieterseiten mit unterschiedlicher Visualisierung und Informationszusammenstellung zu sehen. Voraussetzung ist die Speicherung der Inhalte in medienneutralen Formaten, aus denen für die unterschiedlichsten Anwendungszwecke die benötigten Formate automatisch generiert werden können.

Die Unterschiede

Die gravierenden Unterschiede bestehen in der technischen Umsetzung. Das Enterprise Content Management ist aus dem Dokumenten Management heraus entstanden. Letzteres ist für den Zweck geschaffen worden, den juristischen und geschäftsprozessrelevanten Dokumentenbestand eines Unternehmens verwalten zu können. Ein ECM-System soll inzwischen auch den gesetzlichen Anforderungen wie Aufbewahrungsfristen, Unverfälschbarkeit und Revisionssicherheit gerecht werden, obwohl dies bei WCM Web-Content-Management-Lösungen noch zu wünschen übrig lässt. Das Media Asset Management kommt dagegen aus dem Bereich der Medien-Unternehmen und ist aus dem Bedürfnis heraus entstanden, den Wert des Unternehmens in Form von Texten, Grafiken, Bildern und "Rich-Formats" verwalten zu können und zentral, dezentral verfügbar zu machen.

Ständige Verfügbarkeit und kommerzielle Nutzbarmachung der Informationsobjekte stehen bei einem MAMS an erster Stelle. Aus diesem Grund unterscheiden sich häufig heute noch DMS, CMS und MAMS auch auf technischer Ebene. Anders als bei einem MAMS wird ein herkömmliches DMS in der Regel mit einer Referenzdatenbank realisiert, die im Index Referenzen der Informationsobjekte speichert. CMS-Lösungen arbeiten zum Teil noch auf Filesystemen, verlinkten HTML-Seiten, Referenzdatenbanken oder aber schon objektorientiert mit XML-Strukturen. Das MAMS dagegen speichert die Informationsobjekte häufig direkt in spezialisierten Datenbanken, welche auch eine höhere Performance in Bezug auf die Verfügbarkeit mit sich bringen. Um die Verfügbarkeit auch bei stark frequentierten Systemen garantieren zu können, werden im MAMS Informationsobjekte auch redundant gehalten. Beim DMS und CMS wird dies nach Möglichkeit aus Konsistenz-, Zugriffsschutz- und Verwaltungsgründen vermieden.

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 1: Ziele des MAMs

12/2003, Dr. Ulrich Kampffmeyer





Dr. Kampffmeyer ist Geschäftsführer der PROJECT CONSULT Unternehmensberatung GmbH, Hamburg, eine produkt- und herstellerunabhängige Beratungsgesellschaft für Informationsmanagement (IM).
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