Probleme der Usability-Forschung mit Content Management

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Usability ist ein Trendthema geworden, mit dem sich Beteiligte an der Entwicklung und Pflege von Software, Websites und vielen anderen Produkten mit einem Interface auseinander setzen müssen. Die Benutzerfreundlichkeit von User-Interfaces ist in den vergangenen Jahren im deutschsprachigen Raum mehr und mehr zum Thema geworden. Usability-Professionals begegnen dabei in Unternehmen häufig einer Mischung aus Unsicherheit und Ignoranz. Benutzerfreundlichkeit läuft Gefahr, zum Projektbaustein zu werden, den es in der letzten Projektphase abzuhaken gilt. Solche Strategien zielen zu kurz: Usability ist ein iterativer Prozess, der schon frühzeitig in die Projektarbeit eingegliedert werden muss.

Als Disziplin durchläuft Usability im deutschsprachigen Raum gerade einen Findungsprozess, an dessen Ende hoffentlich die weitestgehende Akzeptanz innerhalb der Unternehmen stehen wird. Usability ist - im Gegensatz zur landläufigen Meinung - ein relativ fest umrissener Begriff, der in der DIN EN ISO 9241 festgeschrieben ist: Es geht um Effektivität, Effizienz und Zufriedenheit. Effektivität meint, dass der Nutzer mit der Software oder der Website seine Ziele erreichen kann, z.B. eine News veröffentlichen. Das Kriterium Effizienz betrifft den Aufwand, der zur Erreichung des Ziels nötig ist. Das Kriterium Zufriedenheit schließlich umfasst die subjektive Komponente. Es geht um "Joy of Use", darum, ob sich ein Nutzer bei der Lösung einer Aufgabe wohl fühlt. Wenn diese Kriterien in einem bestimmten Nutzungskontext von der Applikation erfüllt werden, dann können wir von einer guten Usability des Produkts sprechen.

Nutzertests sind immer sinnvoll

Um Produkte wirklich benutzerfreundlich zu machen, muss Usability schon von Anfang an als zentrale Eigenschaft des Produktes festgeschrieben werden. Benutzerfreundlichkeit kann dann sichergestellt werden, wenn ein User Centered Design-Prozess verwirklicht wird. Ein solcher Prozess bezieht die Wünsche der Nutzer schon bei der Planung mit ein. Dabei untersucht der Usability- Spezialist, wie die Nutzung des Produktes aussehen wird. Bei seiner Arbeit bezieht er von Anfang an echte Nutzer mit ein, um typische Nutzungsvorgänge herauszufinden. Vor allem bei Content-Management- Systemen sind reine Expertenevaluationen zur Zeit noch sehr gefährlich, da noch nicht genügend Heuristiken und Wissen über die Nutzung vorliegen, um auf die Prüfung durch echte Nutzer verzichten zu können. Deshalb sind die ersten Nutzertests sinnvoll, sobald testbare Ergebnisse vorliegen. So können zum Beispiel schon frühzeitig das Wording innerhalb eines Systems mit Nutzern auf ihre Tauglichkeit validiert werden. Der Erfolg eines CMS hängt dabei von einer simplen Tatsache ab: ob es benutzt wird oder nicht! Usability ist gleichbedeutend mit Akzeptanz. Usability wird häufig übersehen bei der Evaluierung von Content-Management-Systemen. Oft stehen technische Aspekte und Machbarkeitsszenarien im Zentrum der Auswahlkriterien. Usability von CMS ist schwer zu evaluieren. Und doch ist Usability ein Schlüsselfaktor für die Akzeptanz eines CMS und damit den Projekterfolg oder -misserfolg.

Gute Usability ist die Grundlage für dezentrale Autorenschaft, eines der Versprechen des Content Management. Je einfacher ein CMS in der Benutzung ist, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass die Mitarbeiter in Ihrer Firma Kontrolle übernehmen können über die von Ihnen erstellten Inhalte. Gute Usability hat zur Folge, dass sich die künftigen Nutzer eines CMS der Veränderung stellen. Gute Usability führt damit zu Kostenersparnis, Planbarkeit und Erfolgssicherheit.

CMS-Usability-Untersuchungen

CMS-Usability-Untersuchungen gibt es erst seit kurzem. Der Grund dafür liegt im Problem der Kategorisierung: Was ist ein CMS überhaupt? Die meisten Content-Management-Systeme arbeiten Web-basiert. Ist ein CMS eine Website oder ist es eher so etwas wie eine Desktop-Applikation mit dem Browser als Applikations-Container? Wahrscheinlich von beidem ein bisschen, was eine Usability-Untersuchung nicht eben einfacher macht. Die Interfaces im Web sind bei weitem nicht so standardisiert wie im Software-Bereich. Gibt es für klassische Software die "User Interface Guidelines for Microsoft Windows", das Apple-Pendant "Macintosh Human Interface Guidelines" und selbst für die Linux-Oberfläche KDE Interface-Guidelines, existiert im Web allenfalls ein nKonglomerat an Design- und Usability-Guidelines und eine Vielzahl von nungeschriebenen Konventionen. Dies liegt wahrscheinlich nicht unwesentlich daran, dass es anders als im Markt der klassischen Anwendungssoftware kein einzelnes dominierendes Unternehmen gibt, das De-facto-Standards setzt. Auch die eigentlich nahe liegende Übernahme der Regeln aus der klassischen Software erfolgt nicht auf breiter Basis. Dies dürfte zum Teil daran liegen, dass die technischen Möglichkeiten der Seitenbeschreibungssprache HTML immer noch weit nhinter den Möglichkeiten klassischer Programmiersprachen zurück bleiben.

Problematik des Wording

Ein weiteres Problem: Die Nutzerschaft eines CMS stellt eine heterogene Zielgruppe dar: Content-Management-Systeme werden im Verhältnis zu klassischer Software oft in einem viel breiteren und verschiedenartigeren Kontext genutzt, da sie meist eine breitere Zielgruppe bedienen. Die Mitarbeiter eines Unternehmens verfügen über verschiedene Talente und Kenntnisstände. Und noch ein Problem: Es gibt beinahe so viele Arbeitsweisen von Systemen wie es Systeme selbst gibt. Das spiegelt sich schon im Wording wieder: Was beim einen Anbieter ein Asset ist, ist beim anderen Anbieter ein Objekt. Oder ein Inhaltselement. Usability-Forscher stehen damit vor dem Problem, Äpfel mit Birnen vergleichen zu müssen. Oder wissenschaftlich ausgedrückt: Es ist schwierig, wirksame Heuristiken zum Vergleich von Content-Management-Systemen zu entwickeln, weil die Arbeitsweisen der Systeme grundverschieden sind.

Für Experten ist die Bewertung aus zwei Gründen schwierig: Die Metriken bei der Untersuchung von CMS-Usability sind nicht klar ndefiniert. Und die Usability eines Systems muss aus verschiedenen Nutzerrollen heraus untersucht werden. Trotz all dieser Faktoren, die zu einer großen Varianz im Aussehen und der Funktionalität von Content-Management-Systemen führen, schleifen sich jedoch langsam Konventionen ein. Menüleisten und Seitenbäume - gefiltert durch das Rechtesystem - sind solche anerkannten Navigationselemente, die häufig am linkeren und oberen Rand anzutreffen sind.

02/2004, Markus Nix



Markus Nix ist Global Marketing Manager von eZ systems, dem Hersteller des Open Source Enterprise Content Management Systems eZ publish. Er veröffentlicht regelmäßig Artikel und Bücher zu Content Management und Webentwicklung.


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