Blogging auf der Schwelle zur Business-Anwendung


30.05.2003

"Blogging" und seine Bedeutung ist bislang in Deutschland weitgehend unbekannt - in den USA wird in diesem Zusammenhang bereits von einer "Publishing Revolution" gesprochen. Tools, mit deren Hilfe Blogs erstellt werden können, sind heute auch ohne HTML-Kenntnisse anwendbar. Somit kann theoretisch jede Einzelperson auf schnelle, einfache Weise ihr eigener Redakteur sein und Inhalte auf einer eigenen Website publizieren. Der folgende Artikel gibt eine einführende Darstellung in Blogs, ihre Funktionsweise und ihre Einsatzmöglichkeiten im Business-Bereich.

Definition und Abgrenzung des Blogging

Aufgrund der Vielfalt der Weblogs ("Blog" ist eine Abkürzung für "Weblogs") ist eine Definition, die für alle gilt, nur sehr allgemein möglich. Demnach ist ein Blog eine Website, die kurze, häufig aktualisierte Inhalte enthält, die chronologisch publiziert werden. In der Regel handelt es sich bei den Inhalten um Meinungen, Informations- und Linksammlungen. Alle Einträge des Bloggers werden also mit einem Datum versehen und sukzessive auf der Website veröffentlicht. Der Blog kann dabei von einer Einzelperson oder auch Personengruppen betrieben werden. Des weiteren werden häufig Verlinkungen zu referenzierten Webseiten sowie anderen Blogs angeboten, so dass schnell Nachrichten, Informationen und Meinungen zu einem bestimmten Thema gefunden werden können.

Screenshot eines Blogs

Screenshot eines Blogs

Die ersten Blogs entstanden in den Jahren 1998 und 1999 noch auf der Basis individueller Programmierung. 1999 erschienen die ersten webbasierten Tools, mit deren Hilfe Blogging auch ohne wesentliche HTML-Kenntnisse ermöglicht wurde. Seitdem wurden nicht nur eine Reihe weiterer, inzwischen zum Teil kommerzieller Tools entwickelt, sondern auch die "Blogger-Gemeinde" wuchs in unerwartetem Tempo. Zu Beginn des Jahres 2003 gab es schätzungsweise über eine halbe Million Blogs, wobei täglich 1.000 neue hinzukommen.

Die meisten Blogs werden von Privatpersonen betrieben, haben zum Teil aber professionellen Charakter. Auch für Journalisten bieten Blogs die Möglichkeit, Artikel und Meinungen direkt im Internet, ohne Redaktion zu publizieren. Wissenschaftler bieten auf ihren Blogs Informationen über ihre Forschung an, Prominente veröffentlichen Texte und vertreiben ihre Bücher über einen Blog, Berichterstatter aus aller Welt zeichnen die Geschehnisse in unmittelbarerer, ungefilterter Nachrichtenform mehrmals täglich in ihrem Blog auf, Programmierer tauschen sich über Probleme aus oder bieten Informationen zu ihren Produkten und auch Unternehmen setzen inzwischen Blogs sowohl als interne wie auch externe Kommunikationsplattform ein.

Ursachen für das Blogging-Phänomen

Das rasante Wachstum des Blogging-Phänomens und seine Ausbreitung auch in den semiprofessionellen und professionellen Bereich ist auf eine Reihe positiver Faktoren zurückzuführen, die aufgrund moderner Blogging-Tools erzielt werden können. Zu den Vorteilen des Bloggings zählen demnach:

  • Kaum technische Vorkenntnisse für die Publizierung von Inhalten notwendig
  • Geringer Zeitaufwand für die Erstellung der Inhalte
  • Schnelle Publizierung der Inhalte möglich
  • Trennung von Layout und Inhalt
  • Pflege des Blogs bei serverbasierten Tools von jedem Ort möglich
  • Automatische Archivierung
  • Theoretisch hohe Reichweite
  • Preiswerte Lizenzen für Tools (max. einige hundert Dollar)
  • Der Blogger ist Editor & Publisher in einer Person
  • Hohe Detailtiefe der Inhalte erreichbar (ähnlich zu Nachrichten-Websites)
  • Hohe Knowledge-Networks-Effekte durch gezielte Verlinkungen der Inhalte
  • Einfache Kommerzialisierung durch Angebote sowie Affiliated Programms auf Blogsite möglich
  • Gezielte Werbemöglichkeiten bei bestimmten Interessensgruppen

Blogging in seiner gegenwärtigen Form ist dagegen noch nicht für komplexe Websites geeignet. Probleme können sich auch aus der reinen Menge an Informationen, die nur auf einfache Weise archiviert werden, und der schwierigen Überprüfbarkeit ihres Wahrheitsgehaltes ergeben. Die Publizierungsmöglichkeiten eines Blogs sind insofern eingeschränkt, da ausschließlich eine chronologische Veröffentlichung angewendet wird. Auch sind keine zusätzlichen Funktionalitäten wie bei klassischen CMS-Systemen vorgesehen. Dennoch bietet Blogging für Einzelpersonen und kleine Gruppen die schnellste, einfachste und preiswerteste Möglichkeit, Inhalte im Internet zu publizieren.

Blogging-Technik und Blogging-Tools

Blogging-Tools vereinen alle Basisfunktionen eines einfachen CMS: Content-Creation, Content-Management sowie Content-Delivery sind über ein Blogging-Tool abzuwickeln. Weitere Funktionen wie Workflowmechanismen oder Personalisierung fehlen allerdings. Wie auch bei einem CMS können auch bei einem Blog Zusatzfunktionen wie Suche, Diskussionsforen und Shop-Applikationen einfach angebunden werden. Insofern kann bei einem Blogging-Tool von einem "Mini-CMS" gesprochen werden.

Die Content-Creation kann je nach eingesetztem Tool server- oder clientbasiert stattfinden. Serverbasierte Tools wie Blogger.com, Blog-City.com oder Xanga.com sind plattformunabhängig von jedem beliebigen Ort nutzbar. Allerdings muss ein Online-Zugang zum Server bestehen, um Inhalte erstellen zu können. Bei clientbasierten Tools wie Movabletype.org oder Radio.Userland.com ist die Erstellung von Inhalten offline auf dem eigenen Rechner möglich. Inzwischen bieten Drittanbieter wie Powerblog.net oder w.Bloggar.com clientbasierte Tools an, durch die Einträge für verschiedene server- oder clientbasierte Blogging-Tools gleichzeitig vorbereitet und bei einer bestehenden Internetverbindung online gestellt werden können. Diese Tools bieten eine Reihe von Zusatzfeatures, die das Blogging erleichtern. Grundsätzlich bieten alle Tools für den Autor die Möglichkeit, Bilder und Links einzufügen sowie einfache HTML-Textformatierungen vorzunehmen. Die GUIs, insbesondere der clientbasierten Blogging-Tools, ähneln inzwischen sehr stark denjenigen herkömmlicher CMS. HTML-Kenntnisse sind nur für das Design des Website-Templates notwendig. Viele Anbieter liefern allerdings eine Reihe von Standard-Templates mit.




Autor

  • Christian Schmidkonz

Christian Schmidkonz ist Business Consultant bei Capgemini.



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