Besondere Vorteile von Open Source Systemen
Gegenüber kommerziellen Systemen verfügen Open Source Lösungen über einige interessante Merkmale. Dies ist nicht nur der frei verfügbare Quellcode, sondern zum Beispiel auch eine höhere Zukunftssicherheit, da hier normalerweise kein Unternehmen, sondern eine Community die Weiterentwicklung unabhängig von finanziellen Aspekten sicherstellt.
Besonders interessant ist dies für Unternehmen mit zahlreichen Töchtern oder Marken, da bei intelligenter Planung zunächst ein "Pilotsystem" implementiert und nach Fertigstellung an die entsprechenden Unternehmen und/oder Produktmanager für die Nutzung weitergegeben werden kann. Der Return on Investment kann bei einem derartigen Vorgehen in global agierenden Markenunternehmen durchaus bei sieben- bis achtstelligen Beträgen liegen.
Zahlreiche Foren und Supportwebsites liefern meist überprüfte Antworten auf aktuelle Herausforderungen und tragen so zu einer optimalen digitalen Kommunikation des investierenden Unternehmens bei.
Da finanzielle Aspekte in diesem Zusammenhang keine vordergründige Rolle spielen, sind Sorgen um das Fortbestehen (Insolvenz, Weiterentwicklugs-Stop u.s.w.) von etablierten Open Source Systemen nicht relevant.
Es wird sich im Laufe der nächsten Jahre zeigen, ob Open Source Content Management Systeme den geweckten Hoffnungen bei den investierenden Unternehmen wirklich entsprechen können, um so langfristig als Alternative zu bestehen.
Besondere Vorteile von Kommerziellen Systemen
Kommerzielle Systeme leiden derzeit unter der Pro-Open Source Stimmung, die teilweise auch sehr irrational ist. Dabei verfügen kommerzielle Systeme über einige spezifische Vorteile, die von Open Source Lösungen so nicht bedient werden können.
Darüber hinaus bewirkt diese Situation, dass keine unnötigen Entwicklungen vorangetrieben werden, wie das bei Open Source Systemen häufig der Fall ist. Für TYPO3 beispielsweise existieren heute fünf Newsmodule als Erweiterung. Dass ein ausgereiftes Newsmodul absolut ausreichen kann, beweisen hier die kommerziellen Content Management Systeme.
Hier sind ausführende Dienstleister wie Webagenturen und Systemhäuser für den persönlichen Support zuständig. Und der kann mitunter in Qualität und Quantität sehr variabel sein. Einziger Pluspunkt für Open Source Systeme in Bezug auf den Support sind die Community-Boards und –Foren, derer man sich kostenfrei bedienen kann und die einen enormen Wissenstransfer ermöglichen.
Als Knotenpunkt rund um die Entwicklung seines Systems kann der kommerzielle Hersteller seinen Kunden jederzeit wichtige Informationen bereitstellen, die in einer oft chaotischen Open Source-Community so nicht on demand verfügbar sind.
Anders bei kommerziellen Systemen. Dort hat man im Rahmen der Nutzungsbedingungen im besten Fall klare Verantwortlichkeiten und so kann sich ein investierendes Unternehmen im schlimmsten Fall auf die entsprechende Gewährleistung berufen.
Strittig. Was ist hier besser?
So wie die beiden Modelle jeweils ihre spezifischen Vorteile haben, gibt es einige strittige Punkte, wie zum Beispiel das Thema Sicherheit.
Einige meinen, dass Open Source Lösungen einem weitaus höheren Sicherheitsstandard gerecht werden, weil dort unzählige Entwickler an einer sauberen Lösung mitarbeiten, um das System sicherheitstechnisch zu perfektionieren. Der frei verfügbare Quellcode dient hierbei als Arbeitsgrundlage, um Schritt für Schritt einen optimalen Zustand zu erreichen. In dieser Meinungsgruppe herrscht auch die Ansicht vor, dass kommerzielle Systeme wegen der starren Quellcode-Politik der entsprechenden Hersteller weitaus mehr Menschen dazu herausfordern, die Sicherheit auf die Probe zu stellen.
Andere wiederum meinen, dass gerade die frei verfügbaren Quellcodes bei Open Source Systemen Hackern und anderen Computerkriminellen die Blaupause für eine Umgehung der Sicherheitsroutinen an die Hand geben. Für diese Meinungsgruppe ist das kommerzielle System die zweifellos sicherere Variante.
Als investierendes Unternehmen sollte man sich in dieser und anderen strittigen Fragen von einem professionellen Dienstleister beraten lassen, der auf Basis der gegebenen Anforderungen das passende Content Management System empfiehlt. Denn pauschalisieren lässt sich nicht viel und es zählen vornehmlich Erfahrungswerte.
Das Fazit
Bei Auswahl und Einführung eines Content Management Systems muss immer zuerst die Idee im Mittelpunkt stehen. Erst dann folgt die Technologie, um die Idee perfekt umzusetzen. Jedes andere Vorgehen ist in Bezug auf den Erfolg reine Glückssache.
Low-End Unternehmen, die auf mittelfristige Sicht nur eine rudimentäre Website benötigen, liegen mit den etablierten "kleinen" Content Management Systemen wie Conpresso oder Contenido richtig. Hier ein kommerzielles System vorzuziehen ist aus rein wirtschaftlicher Sicht nicht sinnvoll.
High-End Unternehmen, die mit ihrer Infrastruktur wirklich Großes vorhaben, werden auch in Zukunft nicht um kommerzielle Systeme wie die von Vignette, Interwoven oder Hummingbird herumkommen. Ein Open Source System in diesem Umfeld kann sich sehr schnell zum sprichwörtlichen "Fass ohne Boden" entwickeln.
Nischenprodukte Unternehmen, die besonders spezielle Anforderungen (Komplette Lotus Domino Integration oder Installation auf "exotischen" Betriebssystemen) erfüllt sehen möchten, müssen sich konkret über die passenden Nischenprodukte informieren. Häufig ist die Auswahl hierbei nicht sehr groß und ein passendes System schnell gefunden.
Mid-End Unternehmen, die auf mittel- bis langfristige Sicht eine professionelle digitale Kommunikation mit einem Mid-End System aufbauen wollen, haben den stärksten Beratungsbedarf. In diesem Segment gibt es keine "eierlegende Wollmilchsau" und derartige Versprechen seitens kommerzieller Hersteller, Open Source Communites oder ausführender Dienstleister sollte man wohlwollend überhören.
Der Schlüssel zu einer erfolgreichen CMS-Einführung in diesem Segment ist und bleibt ein möglichst langer Lebenszyklus und eine entsprechend gestreckte und niedrige Kostenkurve. Hierfür sollte man das Wachstum der Website/-s für mindestens drei Jahre einschätzen und diese den zu erwartenden Projektkosten gegenüberstellen. Eine eindeutige Return on Investment Kalkulation (immer mit konkreten Zahlen, nie mit Buzzwords und Werbetexten!) hilft dabei, die Aktivierung derzeit gebundener Mittel einzuschätzen und so konkrete Ziele festzulegen.
Alles in allem wird Ihnen der Wunsch, absolut klar zu sehen, durch diesen Artikel wahrscheinlich nicht erfüllt. Aber vielleicht erlangen Sie ein bisschen mehr Klarheit als bisher.
Denn das Schwierigste bei der Gegenüberstellung von Content Management Systemen im Allgemeinen und der Gegenüberstellung von Open Source Lösungen und kommerziellen Systemen im Speziellen ist durch krasse Unübersichtlichkeit geprägt.
Der Markt für Content Management Systeme ist explodiert und an jeder Ecke finden Sie das "beste" System mit den "besten" Features zum "allergünstigsten" Preis. Hinzu kommen tausende von Beratern, die das Backend von Vignette, Interwoven, RedDot, Imperia, Intershop oder anderen Herstellern nie in ihrem Leben gesehen haben, aber der Meinung sind, dass das von ihnen empfohlene System mit Abstand das Beste am Markt ist. Es herrscht keinerlei Transparenz.
Nicht umsonst erfreuen sich Portale wie www.contentmanager.de regem Zulauf.
Meine Empfehlung lautet: Planen Sie Ihr Investment so detailliert, als wenn Sie eine Maschine für die Produktion Ihrer Waren kaufen möchten oder den Standort Ihres Dienstleistungs-unternehmens wählen. Dies ist keine Sache von Stunden oder Tagen. Lassen Sie sich Zeit und lassen Sie sich bei Bedarf von nachgewiesen erfahrenen Beratern helfen. Stellen Sie Ihre Fragen, egal wie lächerlich diese erscheinen mögen. Und formulieren Sie Ihre Anforderungen immer so konkret wie möglich. Dann werden Sie mit Ihrer neuen "Maschine" bzw. Ihrem neuen Standort zufrieden sein.
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