CMS – Open Source vs. Lizenzsoftware


17.01.2006

Das sicher bekannteste Beispiel hierfür istdas alternative Betriebssystem Linux, welches sich auf hohem Niveau gegenüber Microsoftbehauptet und vor allem im Serverumfeld bereits auf relevante Marktanteile verweisen kann.

Jedoch ist die Lage für Microsoft bei weitem nicht so angespannt wie für kommerzielleCMS-Hersteller: Microsoft hat sich längst als absoluter Standard für Heim- undArbeitsplatz-Workstations etabliert und konnte durch massive Marketing- undVertriebsmaßnahmen sowie einer ganzheitlichen Produktstrategie das Vordringen von Linux inden Consumer-Bereich bislang sehr erfolgreich abwehren.

Etwas anders ist da die Lage im CMS-Markt: Es existiert kein echter Standard. Und so istallein der Verdrängungswettbewerb zwischen den verschiedenen kommerziellen ContentManagement Systemen schon zu heftig, als dass eine gemeinsame Front gegenüber den OpenSource Alternativen (allen voran TYPO3) aufgebaut werden könnte.

Angelockt durch entfallende Lizenz- und Erwerbskosten, nahezu kostenneutralenErweiterungen und einem absolut transparenten "Supportmarkt" überlegen sich vor allemimmer mehr mittelständische Unternehmen, erstmals ein CMS einzuführen oder von einemkommerziellen Pendant auf eine Open-Source Lösung umzusteigen.

Dieser Entwicklung habendie meisten kommerziellen Hersteller von Content Management Systemen nichts Elementaresentgegen zu setzen. Im Gegenteil: Die eigene Produkt-argumentation der kommerziellenHersteller treibt die potentiellen Kunden in die Arme der Open Source Community: Der zurBuzzphrase verkommene "Return on Investment", die "Total Cost of Ownership" oder dieUnique Selling Proposition. Auf jedes dieser Argumente hat Open Source derzeit meist diebesseren Antworten.

Anzunehmende Marktentwicklung

Eine pauschale Antwort auf die zentrale Frage "Open Source oder kommerziell?" darf derFairness halber nicht gegeben werden. Dafür sind die Unterschiede zwischen den verfügbarenSystemen viel zu groß.

Es macht auch schlicht keinen Sinn, ein relativ kleines Open SourceCMS wie Contenido mit Vignette, RedDot oder Imperia zu vergleichen. Und das mächtige OpenSource Framework TYPO3 findet ebenfalls keine Entsprechung in der kleinen Eigenentwicklungeiner Webagentur mit 4 Mitarbeitern.

Aus diesem Grund unterteilt dieser Artikel dieverfügbaren Content Management Systeme in vier Kategorien und widmet sich im Anschlussdaran dem Bereich, in dem die zentrale Fragestellung am relevantesten ist: Dem Mid-EndBereich.

  • Low-End (Web Content Management) - 0,5 bis 8 TEUR Lizenzkosten. In diesem Segmentwerden sich zwangsläufig Open Source Systeme wie Contenido oder Conpresso als Marktführeretablieren, da kommerzielle Systeme wie EgoCMS, Infosquare oder Webedition denentfallenden Lizenzkosten nichts entgegenzusetzen haben. Im Gegenteil: Die freien Systemeerweitern ihre Installationsbasis fast täglich um weitere Webseiten und werden allenNutzern somit auf Dauer einen besseren Support und weitaus mehr praktische Hilfe bietenkönnen.
  • Mid-End (Web und Enterprise Content Management) – 8 bis 60 TEUR Lizenzkosten. In diesemMarktsegment wird es durch den Siegeszug der Open Source Systeme die größten Verwerfungengeben. Auf Dauer werden hier nur solche kommerziellen Systeme eine Chance haben, die sichbereits jetzt als zuverlässige Plattform etablieren konnten und mit schnellerenInnovationszyklen aufwarten können. Im Bereich Open Source scheint es vor allem dashervorragend gemanagte Open Source Framework TYPO3 zu sein, dass Herstellern wie RedDot,PIRONET NDH, InterRed, Imperia oder Syncron relevante Marktanteile streitig machen wird.
  • High-End (Enterprise Content Management) – 60 TEUR und mehr Lizenzkosten. Im High-EndMarktsegment wird sich auf absehbare Zeit keine Konkurrenz aus dem Open Source Bereichfinden. Hierfür sind Systeme wie Vignette, Hummingbird, Interwoven, Stellent oder Infoparkschlicht zu komplex, als das die virtuellen OS-Entwicklerteams diese auf freier Basis"nachbauen" könnten. Zudem ist das Argument der entfallenden Lizenzkosten in diesemMarktsegment nicht von großer Bedeutung. Hier sind es vor allem Consulting,Individualisierung und Prozessdesign, die den mit Abstand größten Teil der Kostenausmachen.
  • Nischenlösungen. Für spezielle Anforderungen, wie zum Beispiel Content ManagementSoftware für "exotische" Plattformen wie Lotus Domino oder AIX, wird sich der Marktunabhängig von der Bedrohung durch Open Source Systeme wie gehabt weiterentwickeln. Zumeinen deshalb, weil diese Systeme Ihre Entsprechung nur im High-End Bereich finden, oderaber so speziell von in ihrem Nutzen sind, dass sich hierfür keine kritische Masse für einvergleichbares Open Source Projekt bilden kann. Der Markt wird also neu aufgeteilt:Kleine, kommerzielle Content Management Systeme und Eigenentwicklungen von Webagenturenund Systemhäusern werden auf mittelfristige Sicht keine Chance gegen die geballte Kraftder OS-Communities haben. Und so wird vor allem im Mid-End Bereich die Fragestellung "OpenSource oder Lizenzsoftware" relevant sein.



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