Die Sache mir der Schlüsselsuche...


04.05.2004

3. Nächste Seite, nächste Seite, nächste Seite ...

Stellen Sie sich eine Liste von Fundergebnissen vor, z.B. im Posteingang Ihres Mailprogramms oder die News-Liste in einem Content-Management-System. Kein Problem, wenn es nur 10 Einträge gibt, dann ist alles auf dem Bildschirm sichtbar. Wenn das Interface 10 Einträge rendern kann, gibt es sicherlich auch keine signifikanten Geschwindigkeitsunterschiede mit 100 Einträgen. Aber funktioniert das Interface noch genauso gut? Die Chance ist hoch, dass sich der von Ihnen gesuchte Eintrag nicht im sichtbaren Bereich der Liste befindet. Stellen Sie sicher, dass das CMS Ihrer Wahl über rudimentäre Möglichkeiten verfügt, z.B. nach Autoren oder Überschriften sortierte Listen anzuzeigen.

In Desktop-Applikationen helfen Scrollbars dabei, durch lange Listen zu navigieren, in Web-basierten Interfaces behilft man sich häufig damit, die Liste auf mehrere Seiten zu verteilen und mit Vorwärts- und Rückwärts-Buttons navigierbar zu halten. Aber ist dies noch eine sinnvolle Navigation, wenn Sie ein Objekt unter tausenden suchen. Selbst mit Sortierhilfen können Sie immer noch viele Klicks entfernt sein. Kommen wir also zur Suchfunktion.

4. Wo sind meine Schlüssel?

Durchschnittlich sucht jeder erwachsene Mensch seinen Schlüsselbund 8 Stunden pro Jahr. Im alltäglichen Stress lassen wir den Schlüsselbund irgendwo liegen - und machen uns dann auf die Suche. Wir überlegen uns, welche Jacke wir zuletzt anhatten und mit welcher Tasche wir unterwegs waren. Innerhalb eines CMS wollen wir uns nicht auf eine ähnlich frustrierende Suche machen. Ein gutes System sollte daher über ausgefeilte Suchmechanismen verfügen. Nun sind die Nutzer eines Systems sehr verschieden, ein technisch versierter Systemadministrator wird eine andere Suchstrategie verwenden als jemand, der nur hin und wieder einen Artikel einstellen möchte. Der eine sucht vielleicht nach Schlüsselwörtern, der andere nach der ID eines Objekts. Manche fassen Ihre Suchanfrage etwas allgemeiner und suchen sich dann aus der Auswahl ihr Objekt heraus, andere verringern in einer Art iterativer Suche die Anzahl der Treffer. Um bei jeder Suchstrategie rasch ein akzeptables Ergebnis liefern zu können, sollte es möglich sein, eine Reihe von Attributen eines Inhaltsobjektes zu durchsuchen, z.B.:

  • Schlüsselwörter in Titel und Zusammenfassung
  • Volltextsuche im eigentlichen Inhalt
  • Metadaten oder Kategorieinformationen
  • Workflow-Status
  • Inhaltstyp
  • ID-Nummer
  • Autorensuche
  • Veröffentlichungszeitraum

Zusätzlich sollte ein CMS die Möglichkeit bieten, Suchanfragen abzuspeichern. Vielleicht wollen Sie wöchentlich prüfen, welche Inhaltsobjekte in der nächsten Woche automatisch archiviert werden. Wäre doch frustrierend, die immer gleiche Suchanfrage eintippen zu müssen, oder? Eleganter noch: Einmal getätigte Suchanfragen lassen sich als "customized view" abspeichern.

Kein Software-Hersteller oder Entwicklerteam kann voraussehen, wie ein Nutzer das System benutzen wird. Ein gutes Content-Management-System ist in diesem Sinne ein Framework, das Prozesse gestaltbar macht statt sie zu diktieren. Grundsätzlich gibt es bei der Auswahl eines Content-Management-Systems die eher technischen Kriterien wie Erweiterbarkeit, Skalierbarkeit, die Nutzung von Standards, Verfügbarkeit, Portabilität, Sicherheit und Support. Auf der anderen Seite gibt es funktionale Anforderungen an Workflow, Produktionsfeatures, Personalisierung, Internationalisierung, Publishing, Wieder- und Mehrfachverwertung von vorhandenem Content sowie die Erstellung interaktiver Features. Zunehmend wichtiger wird aber die Integrierbarkeit des CMS in den Rest eines IT-Systems, denn CMS sind in den seltensten Fällen Standalone-Systeme. Die drei vielbeschworenen "Cs" für Commerce, Content und Community sind ja inzwischen Algemeingut, so dass die Anforderungen an die Integration von unterschiedlichen Systemen oft am schwersten wiegen. Das heißt, die Offenheit des Systems und die Nutzung von Standards werden immer wichtiger. Die Erweiterbarkeit eines Systems wird somit zu einem zentralen Faktor beim Erwerb eines CMS.

Bei der Vielzahl der Produkte am Markt ist der Druck auf den Anbietern sehr hoch, häufig fehlt die Zeit um iterative Prozesse zur Verbesserung der Usability zu durchlaufen. Generell gilt: Das CMS muss umso einfacher in der Benutzung sein, je mehr Leute es benutzen. Der Erfolg eines CMS wird daran gemessen, je mehr Leute es problemlos verwenden können. Prüfen Sie auf die Kriterien von "Interface-Skalierbarkeit"!




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Autor

  • Markus Nix

    eZ systems

Markus Nix ist Global Marketing Manager von eZ systems, dem Hersteller des Open Source Enterprise Content Management Systems eZ publish. Er veröffentlicht regelmäßig Artikel und Bücher zu Content Management und Webentwicklung.




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