Ein neuer, zukunftsweisender Geschäftsansatz im Zusammenhang mit dem Management von Inhalten findet sich mit dem Content Syndication, bei dem offline oder online vorhandene Inhalte im Web an Dritte verkauft werden, die ihren eigenen Web-Auftritt erweitern möchten. In diesem Kontext bietet ein Content Management System die Basis für einen solchen Content Austausch.
In den vergangenen Monaten hat sich das Online Brokerage von Web-Content zu einem signifikanten Markt ausgeweitet. Ein Online Broker verkauft eigenen und fremden Content an Kunden-Websites, die selbst nur wenig (oder keinen) eigenen Content haben und ihr Angebot ergänzen möchten. Der Broker bildet somit die Schnittstelle zwischen den Erstellern der Contents und den Kunden-Websites.
Abb.: Content Brokerage Funktionen
Die Vermarktungskette reicht vom Ersteller der Inhalte, über Online-Publisher, Broker und evtl. eine Web-Agentur bis zur Kunden-Website. Denkbar ist es natürlich, dass einzelne Funktionen von einem Unternehmen erbracht werden. Bertelsmann deckt beispielsweise die gesamte Prozesskette des Content Brokerage ab, da Inhalte selbst erstellt und publiziert werden, aber auch eine Syndizierung an Dritte, unternehmensintern und -extern, erfolgen kann.
Zur Erfüllung des Content Brokerage ist eine technologische Plattform bereitzustellen, die eine kundenspezifische Syndizierung gestattet. Diese Plattform nimmt Content (Substanzen und Metadaten) von den Lieferanten an und speichert sie in einer Datenbank. Anschließend lassen sich neue Verwertungskanäle nutzen, indem Content Pakete geschnürt oder Produkte "on Demand" personalisiert generiert werden. Ferner lassen sich auch Nutzungsrechte über eine solche Plattform handeln. Zentral ist aber das wachsende Geschäft der Online-Syndication, bei dem online und auch offline vorhandene Inhalte im Web an Dritte vermarktet werden.
Unmittelbar eingängig erscheint, dass ein konsistentes und fundiertes CM eine Voraussetzung für eine erfolgreiche Content Syndizierung ist. Nur wenn Substanzen und Metadaten medienneutral abgelegt und verwaltet werden, ist die Kombination zu neuen Produkten und Bedienung neuer Verwertungskanäle schnell und effizient möglich.
Ausblick
Content Management ist zu einem wichtigen Schlagwort im Bereich der Informationstechnologie geworden. Mittlerweile tummelt sich eine Vielzahl von Anbietern auf dem Markt, der sich infolgedessen sehr unübersichtlich gestaltet. Häufig wird nicht sauber zwischen Backend- und Web-Content-Managementsystemen unterschieden, sondern bereits von kleinen Web-CM-Produkten eine Rundum-Dienstleistung versprochen. Spätestens, wenn zum Internet-Auftritt weitere Kanäle wie Print-On-Demand, Music-On-Demand, PDAs, WAP-Telefonie hinzukommen und die Wiederverwendung von Content ein zentraler Punkt zur Optimierung des CM Kernprozesses wird, stoßen vorhandene Web-CMS an ihre Grenzen. Viele Systeme, auch im Backend-Bereich, sind aus bereits bestehenden Applikationen hervorgegangen und spiegeln immer noch den Technologie- und Branchenfokus ihrer Herkunft wider. Zur Zeit gibt es kein Standardprodukt, dass alle Anforderungen an ein Content Management System vollständig abdeckt.
Vor diesem Hintergrund ist es unabdingbar, vor der Einführung eines Content Managementsystems die heutigen, aber auch die mittelfristigen, Anforderungen zu ermitteln. Hier sind auch zukünftige Entwicklungen wie die Konvergenz von Web- und Backend-CMS, die zunehmende Bedeutung von Metadatenstandards oder von XML als Datenaustausch- und Speicherformat zu berücksichtigen. Anschließend kann dann eine Auswahl eines Systems erfolgen. Unter Umständen sind auch Funktionalitäten mehrerer Systeme miteinander zu verbinden. In jedem Fall ist von einem erheblichen Customising-Bedarf auszugehen.
Content Management eröffnet aber nicht nur ein Optimierungspotential für den CM Kernprozess, sondern ermöglicht auch neue Geschäfte. Ein herausragendes Beispiel ist die Syndizierung von Content an Dritte, deren Grundlage idealerweise eine CM-Plattform ist, mit der sich Content aller Medientypen verwalten und zu neuen Produkt-Paketen kombinieren lässt.
Erkennbar ist, dass viele Unternehmen die Erhöhung ihrer Leistungsfähigkeit, die sich durch Content Management bietet, bisher nur in geringem Maße nutzen. Sobald sich im Markt Standard-Technologien etabliert haben, die nicht nur den gesamten Content-Lebenszyklus abdecken, sondern auch in die Umgebungssysteme integriert sind, ist von einem überproportionalen Wachstum des Marktes für Content Management Systeme auszugehen.
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