In unserem Interview beantwortet Thomas Witt wie sich Web 2.0, Social Media und andere Web-Trends auf das zukünftige Content Management System (CMS) und auf die Website-Konzeption auswirken werden. Als Director Product & Business Development bei der Infopark AG ist er unter anderem für die Weiterentwicklung des hauseigenen CMS "Infopark CMS Fiona" verantwortlich.
Herr Witt, kann man bei Web Content Management Systemen noch mitwirklichen Innovationen rechnen?
Auf jeden Fall. Das Web ist momentan stark in Bewegung, das sieht manja an Themen wie Web 2.0, Social Networks, Cloud Computing, etc. Dassind im Endeffekt alles Themen, bei denen es sich um Content und großeDatenmengen handelt.
Kann man diese vor allem für Endbenutzer relevanten Trendsauch auf die Unternehmens-IT übertragen?
Sicherlich, was bei Flickr, Facebook und Twitter so einfach aussieht,stellt in der Praxis Unternehmen vor große Probleme. Anwendungen fürEnduser lassen sich noch lange nicht 1:1 auf große Konzerne undOrganisationen übertragen. Dennoch fordern Nutzer - ob Mitarbeiter oderBürger - die neuen Möglichkeiten des Web 2.0, von Video-Sharing überKommentare und Ratings bis hin zu Mash-Ups, aktiv ein. Unternehmensetzen diese Innovationen verstärkt ein. Für einige Unternehmen ist die Seite bei MySpace und Facebook inzwischen wichtiger als die eigene Website.Trotzdem sind auch hier - wie bei der normalen Website -strukturierte und kontrollierte Prozesse zur Content-Pflege sehrwichtig. Auf diese Fragen der verteilten Content-Pflege müssenContent Management Systeme in Zukunft mehr Antworten bieten.
Inwieweit wandelt sich denn durch das Web 2.0 die Rolle der klassischenUnternehmens-Website?
Das Web wird heute nicht mehr nur als elektronischeMarketing-Broschüre verstanden, sondern Unternehmen beginnen dievielfältigen Möglichkeiten zum direkten Vertrieb, zurVertriebsunterstützung und zur Lead-Generierung zu nutzen. Durch diese gemeinschaftliche Einbeziehung von Marketing UND Sales in dieZieldefinition der Website werden auch neue Tools über das reineContent Management hinaus benötigt. Gemeint ist damit nicht nur die Analyse, also "Was interessiert die einzelnen Besucher-Segmente auf der Website tatsächlich?" sondern auch das aktive Marketing. Zum Beispiel personalisierte Newsletter mit Verweisen auf die Site bis hin zu einer CRM-Integration.
Immer mehr Anforderungen, immer mehr Dienste, immer mehr dynamischeMöglichkeiten bis hin zu User Generated Content - was heißt das konkretfür die Unternehmens-IT?
Einerseits stirbt langsam aber sicher die klassische, statischeWebsite. Schon heute gibt es kaum mehr Sites, die nicht in irgendeinerForm dynamische Elemente enthalten - sei es auch nur "quick and dirty"mit PHP realisiert. Aber die Möglichkeiten, die uns das moderne Webbietet, sind im Endeffekt dynamische Funktionen mit einem hohen Grad anPersonalisierung. Interessant für die Erstellung von hochdynamischenund skalierenden Sites ist vor allem das leichtgewichtige Web-Entwicklungs-Framework "Ruby on Rails".
Stichwort Skalierbarkeit - ist das nicht auch ein Thema für moderneContent Management Systeme?
Klar ist in jedem Fall, dass die Datenmenge und die Anzahl der Nutzerwohl kaum sinken wird. Schon heute kann man in modernen CMS-Systemen große Datenmengen verwalten - hunderte Gigabytes sind da in Zeiten von Video-Assets und hochauflösenden Fotos keine Seltenheit bei unseren Kunden. Diesem Trend sollte auch bei der Weiterentwicklung eines CMS Rechnung getragen werden. Themen wie Binärdatenhaltung bei großen Datenmengen oder die Verteilbarkeit von CMS und Website über beliebige Maschinen und Rechenzentrumsgrenzen hinweg sind zu berücksichtigen. Damit wird es zukünftig noch einfacher, Mediendatenbanken komplett zu substituieren und Breitband-Content einfach auf der eigenen Website anzubieten und performant auszuliefern, egal ob über das eigene Rechenzentrum oder über Dienste und Content Delivery Networks wie Amazon S3.
Was bieten moderne Content Management Systeme zum Thema Mashups,also der einfachen Schaffung von leichtgewichtigen Schnittstellen zwischen IT-Systemen?
Schon heute ist es so, dass offene Schnittstellen bei Content ManagementSystemen eine große Rolle spielen. Dennoch sind bei vielen Systemen dieSchnittstellen über die Zeit gewachsen und dadurch auch komplexer geworden. Auch Protokolle wie beispielsweise SOAP sind kein Garant für Standardisierung und Einfachheit. Die vielversprechendste Antwort auf die Frage "Wie soll Kommunikation über Web Services konkret aussehen?" wurde weitestgehend mit dem REST Paradigma beantwortet, was sich auch zunehmend mehr im Web durchsetzt. Das Modell Facebook zeigt, wie erfolgreich die Integration von externen Applikationen in komplexe Systeme funktionieren kann.
Sind denn auch Erleichterungen für den Betrieb einer komplexen Softwarewie einem Content Management System zu erwarten?
Ja, hier gibt es durch das Thema Cloud Computing diverse Konzepte.Stichwörter sind Multitenancy, Verteilbarkeit auf Basis des Shared-Nothing-Prinzips und Software-as-a-Service.
SaaS? Software as a Service mag ja für einige Unternehmen zur Entlastungder Unternehmens-IT von Themen, die nicht deren Kernkompetenz sind,funktionieren. Aber werden nicht nach wie vor auch viele Lösungeninhouse betrieben?
Genau darauf zielen die Verbesserungen im Bereich SaaS ja ab. Sie dürfennicht vergessen, dass viele IT-Abteilungen intern in großen Unternehmenund Organisationen selbst als Dienstleister auftreten. Sie betreiben dann CMS-Lösungen für die Inhouse-Kunden. Wenn also der Betrieb derCMS-Lösungen für Kunden als SaaS einfacher wird, bedeutet dies auch,dass der Betrieb für die vielen hausinternen IT-Dienstleister bei Unternehmen deutlich vereinfacht wird. Die Anforderungen sind im Endeffekt genau die gleichen.
Das klingt zunächst einmal alles recht technisch. Rückt dadurch derNutzer, sprich der Redakteur, nicht ein wenig in den Hintergrund?
Auf keinen Fall! Die meisten Innovationen des Web 2.0haben auf dem Browser stattgefunden. Dienste wie Google Maps,die Drag-and-Drop im Browser auf AJAX-Basis erst salonfähig gemachthaben, haben da eine ganz klare Vorreiterrolle gespielt. Die meistenDienste im Web sind heutzutage auch sehr einfach und klar zu bedienen.Im Bereich der Unternehmens-IT konnte man da nicht ganz Schritt halten,da ein Browser-Rollout auf über 40.000 PC-Arbeitsplätze durchaus einkomplexes Projekt ist. Daher waren teilweise in den Unternehmenbrowserseitig gar nicht die notwendigen Voraussetzungen gegeben, dieseMöglichkeiten überhaupt nutzen zu können. Inzwischen hat sich diesjedoch gewandelt, sodass wir auch beim CMS-Interface-Design einen klarenSchritt nach vorne gehen können.
Also wird die Bedienung einfacher - aber was ist mit denContent-Pflege-Prozessen?
Genauso wie die Release-Zyklen von Software immer kürzer werden, wirdauch der Bedarf an häufiger inhaltlicher Überarbeitung und einer hohenPublikationsfrequenz immer deutlicher. Wenn vor fünf Jahren allepaar Jahre ein Relaunch und der Start einer Microsite geplant wurde,werden diese Abstände heute deutlich kürzer. Der jährliche Relaunch ist in greifbare Nähe gerückt. Eine inhaltliche und grafische Überarbeitungbedeutet jedoch häufig Parallelpflege der neuen Website und derbisherigen Inhalte. Auf diese Fragen müssen zukünftige CMS-Versionenbessere Antworten bieten.
Wie wird Infopark als CMS-Hersteller auf die angesprochenen Punktereagieren?
An unserer neuen CMS-Version Infopark CMS Fiona 7 wird bereits seit übereineinhalb Jahren entwickelt. Es wird zum Beispiel ein komplett neues Design des Interfaces geben, welches alle modernen Möglichkeiten ausnutzt, die Browser heutzutage bieten. Infopark wird im Rahmen von Infopark CMS Fiona 7 auch Möglichkeiten anbieten, die eine Parallelpflege von Inhalten, das Aufsetzen neuer Microsites und die Vorbereitung von Relaunches einfacher machen.
Die neue Version wird als Preview für Bestandskunden Anfang 2010 erscheinen. Damit wollen wir beweisen, dass Infopark im Bereich desContent Managements nach wie vor zum Best-In-Class-Segment zählt.
Man darf also gespannt sein. Herr Witt, vielen Dank für das Interview!
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