E-Profit-Studie 2002: Web-IT in den KMU


13.03.2002

Das Internet spielt für die kleinen und mittelständischen Unternehmen (KMUs) trotz des Einbruchs der Internet-Euphorie eine zunehmend gewichtigere Rolle. Die Entscheider gehen die Nutzungsmöglichkeiten und die Potentiale des WWW jedoch auf unterschiedliche Art und Weise an.

Basis der von DKN durchgeführten ePROFIT-Studie ist eine anonyme repräsentative Befragung von 260 IT/DV-Entscheidern aus überwiegend klein- und mittelständischen Unternehmen verteilt über alle Branchen. Bewusst wurde somit nicht die Perspektive aus Internet-Userseite verfolgt, sondern diejenige aus Anbietersicht.

Für verantwortliche Projektmanager liefert die Studie wichtige Informationen, welche Art von Lösungen eingesetzt werden und welche Vor- bzw. Nachteile diese Systeme besitzen.

Grundsätzlich messen zwei Drittel der Befragten KMUs dem Internet eine hohe bis sehr hohe Bedeutung zu. Jedoch verfügen gerade mal ein Drittel über ein detailliertes Internetkonzept bzw. eine differenzierte Strategie. Die Potentiale des Internets werden von den KMUs somit erkannt, jedoch spielen bei der Umsetzung folgende Faktoren eine "bremsende" Rolle (Mehrfachnennung möglich):

  • bei über 30% der Unternehmen sind zu geringe oder gar keine personellen Ressourcen für die Umsetzung eines solchen Projektes vorhanden,
  • lediglich 50% der Unternehmen geben an, zumindest eine verantwortlichen Projektleiter oder Mitarbeiter der IT-Abteilung für die Umsetzung abstellen zu können,
  • der überwiegende Teil der Projekte wird nach wie von der Geschäftsführungsebene initiiert und gesteuert,
  • ein Drittel der Befragten geben an, das durch bestehende hierarchische "verkrustete" Strukturen ein Projekt nicht flüssig realisierbar ist,
  • Berührungsängste sowie mangelndes Fachwissen über die Nutzungsmöglichkeiten von Anwendungen im Internet durch Mitentscheider, so über die Hälfte der Befragten,
  • bei über 30% müssen bestehende gewachsene Arbeitsabläufe im Unternehmen zwangsläufig neu strukturiert werden (bei den größeren Unternehmen sogar 65%).

Im Focus: Stärkung des originären Geschäfts

Entgegen den Entwicklungen der vergangenen zwei Jahre steht nicht mehr die Entwicklung neuer Geschäftsmodelle im Focus der Internet-Aktivitäten, sondern vielmehr die Stärkung des originären Geschäftes, so die überwiegende Mehrheit der befragten KMUs. In diesem Zusammenhang werden die Stichworte Customer Relationship Management (CRM), welches die Kundenbetreuung im weiteren Sinne beschreibt sowie das Supply Chain Management (Prozessoptimierung über das Unternehmen hinaus) von den bereits aktiv Internet Betreibenden benannt.

Die Gründe hierfür liegen für die Unternehmen auf der Hand: in puncto CRM ist eine persönliche Beratung per Telefon oder eMail für die Kundenbindung im Netz entscheidend. Rund 60% der Unternehmen versprechen sich eine verbesserte Reaktionszeit; mehr als ein Fünftel der im Online-Bereich bereits aktiven Unternehmen nutzen hierbei die call-back-Funktion im Angebot. Ein Viertel der befragten Firmen können mittels EDI/XML schnell und mit überschaubarem Aufwand in den unternehmensübergreifenden Datenaustausch ohne Programmier- und Anpassungsleistungen einsteigen.

Stichwort eCommerce und Online-Shopping: immer mehr Händler entdecken das Internet als zusätzlichen Vertriebskanal oder betreiben originären Online-Handel. Obwohl sich fassbare Umsatzerfolge noch in Grenzen halten (so 2/3 der Befragten) werden die Umsatzerwartungen der Unternehmen für den BtoB- als auch für den BtoC-Bereich für die laufende und die zukünftige Geschäftsperiode im allgemeinen als durchweg positiv eingestuft. Sinkende Online-Gebühren, schnellere Zugriffszeiten und der Siegeszug des Computers als gewöhnlicher Bestandteil der Haushalte begünstigen diese Entwicklung im Consumer-Sektor. Jedoch bezweifeln 3 von 5 Unternehmen, einen direkten Mehrumsatz im BtoB-Sektor erzielen zu können. Vielmehr werden die Potentiale eines eCommerce-Engagements in folgenden Punkten gesehen:

  • Stärkung der Marktpositionierung gegenüber Mitbewerbern (60%)
  • Verbesserung des Kundenservices (83%)
  • Einsparungen bei Geschäftsprozessen (31%)
  • Beschleunigung der Auftragsabwicklung (56%)
  • Neukundenakquisition (41%)
  • Motivation der Mitarbeiter (30%)

Content Management nimmt Schlüsselfunktion ein

Für Unternehmen, die bereits online ihre Produkte oder Leistungen anbieten oder anbieten wollen, stellt sich die Frage nach dem richtigen System. Rund 40% der befragten Teilnehmer bemängeln die schlechte Anpassbarkeit an das eigene Corporate Design und die Einbettung in bestehende Systemlandschaften. Lediglich jeder zehnte der aktiven Händler ist mit der genutzten Applikation vollständig zufrieden. Händler sind sich zudem im Einsatz der richtigen Zahlungssysteme nicht sicher. Die Sicherheit in der Abwicklung wird von der Mehrheit der Befragten auch im Sinne der Kunden als wichtigster Punkt erkannt. Obwohl die Händler bei Transaktionen die größeren Risiken tragen, sind 65% der Befragten mit den Rahmenbedingungen zufrieden.

mCommerce: Mehr als ein Drittel der in der ePROFIT-Studie einbezogenen Unternehmen ziehen kurzfristig nicht in Erwägung, diesen Service, der den Vertrieb von Produkten über Mobilfunknetze beschreibt, in die Angebotspalette aufzunehmen; lediglich 10 Prozent könnten sich die Implementierung von mCommerce-Lösungen innerhalb der nächsten zwei Jahre vorstellen.

Der Bereich der Redaktionssysteme bzw. Content Management Systeme (CMS) zur Verwaltung komplexerer Webprojekte wurde in der Studie aufgrund der wichtigen Schlüsselfunktion im Unternehmen (so über 3/4 der Studienteilnehmer) separat abgefragt.

Durch das großes Angebot am Markt wird die Auswahl der richtigen Anwendung als sehr schwierig angesehen. Es gibt zahlreiche verschiedene Systeme, die im Internet zum Einsatz kommen und verschiedene Spezifikationen besitzen. Im Marktüberblick der Studie wurden jedoch nur diejenigen Technologien näher vertieft, die in nennenswertem Umfang eingesetzt werden oder spezifische und erfolgversprechende Lösungsmöglichkeiten für die Unternehmen anbieten. Desweiteren wurden diejenigen Systeme herausgestellt, die eine sehr hohe Kundenzufriedenheit erzielt haben.

CMS - Skalierbarkeit vor Kosten

Die Höhe der Kosten für die Investition in ein CMS-System ist zwar ein relevantes Kriterium, jedoch nicht ausschließendes Element, so über 50% der Befragten. Als wichtige und ausschlaggebende Faktoren werden von dem überwiegenden Teil in gewichteter Reihenfolge (Mehrfachnennung möglich)

  • Skalierbarkeit und Modulierbarkeit (82%)
  • Anwenderorientierung (68%),
  • einfache Handhabung (63%),
  • geringer Administrationsaufwand (58%),
  • gute Performance (55%)

angegeben. Als weitere Punkte werden die Präsentation, Referenzen, Service, Termintreue und Erreichbarkeit des umsetzenden Dienstleisters bzw. Systemintegrators benannt. Der eigenen IT-Abteilung wird die erfolgreiche Installation eines CMS lediglich von 20% der Befragten zugetraut. In punkto Investitionsbudget gehen die Unternehmen weitestgehend konform: 68% der befragten Unternehmen sind bereit für eine effiziente Anwendung mehr als 50 TDM bereitzustellen. Hierbei beträgt der Anteil der kalkulierten Einrichtungskosten mehr als die Hälfte des Gesamtbudgets, so der überwiegende Teil der Befragten.

Anbieter sogenannter Low-Budget-Systemen im vier- bis fünfstelligen Bereich für die einfache Nutzungslizenz haben hier nur bei rund 15% der Unternehmen eine Chance; zu schwierig sind nach Angabe die zu kalkulierenden Implementierungs- und Folgekosten und zu groß ist die Gefahr, in ein System zu investieren, welches in wenigen Jahren nicht mehr angeboten wird. Als Ausnahmen werden vollkommen offene Systemarchitekturen bezeichnet, die ggfs. auch von anderen Partnern weiter betreut werden können. In diesem Kontext sehen rund 80% der Entscheider die Zukunft weniger in ASP, sondern vermehrt in PHP/XML-Lösungen. Sonderlösungen wie z.B. PDF-Applikationen sind hiervon ausgenommen.

Fazit

Die Ampel steht auf hellgrün. Die Mehrheit der KMUs erkennen die Potentiale des Internets, die sich gerade für die KMUs aufzeigen. Jedoch ist partiell noch Überzeugungsarbeit notwendig und eine gezielte Projektberatung bei über rund einem Drittel der befragten Unternehmen erwünscht. Hier zeigt sich auch eine Chance für die Beratungshäuser, die sich schon im Vorfeld der Entwicklung von eBusiness-Strategien einbringen, um die Leistungsfähigkeit des Unternehmens optimal zu entwickeln und einen spezifischen Lösungsweg für das Web aufzuzeigen.

Gegenüber den Großunternehmen, die sich bereits seit einiger Zeit intensiv im Internet engagieren, gewinnen die kleinen und mittelständischen Unternehmen, die sowieso die Aufgabe eCommerce nicht mit üppigen Budgets umsetzen können, durch das Abklingen des "Internethypes" eine Verschnaufpause, in der sie erfolgversprechende Engagements sorgfältig planen können.

Die Summary der Studie können Sie als PDF auf der Website von DKN downloaden.


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