Eclipse – Eine universelle Entwicklungsumgebung


11.09.2006

Mit freundlicher Genehmigung des T3N Magazins (Ausgabe 02/2006)

In den Jahren seiner Entstehung und Verbreitung hat Eclipse eine hohe Resonanz erreicht.Rund um das Projekt hat sich ein attraktives Ökosystem entwickelt, von dem Nutzer undAnbieter in gewohnter Open-Source-Manier gleichermaßen profitieren.In diesem Artikel werden das Projekt und die Grundlagen der universellen Entwicklungsumgebung vorgestellt.

Von den OTI-Labs zum großen Werkzeugkasten

Eclipse hat seinen Ursprung in den OTI-Labs von IBM (ObjectTechnology International) und wurde dort entwickelt, als IBM vorder Aufgabe stand, seine vielen individuellen Entwicklertools ineinem einheitlichen Framework zu integrieren. Das Ergebnis warEclipse: ein hochintegrierbares Framework für die Aufnahme unterschiedlicherTools zur Entwickelung.

Der Erfolg von Eclipse beruht nicht nur auf dem finanziellenEngagement von IBM, sondern auch auf dem tiefen Expertenwissender OTI-Entwickler. Der Software-Pattern-Experte Erich Gamma,bekannt von den Gang of Four , war verantwortlich bei derEntwicklung. Eclipse dient nun nicht nur als eine Highend- Entwicklungsumgebung,sondern auch als Lernplattform für dasErweitern der eigenen Fähigkeiten im Bereich des Software-Designs.

Für Anbieter von Entwicklungswerkzeugen sind mit Eclipserosige Zeiten angebrochen. Mussten sie bisher komplette Produktepflegen, können sie sich jetzt auf die Pflege und Weiterentwicklungihrer Tools und deren Integration in ein aktiv entwickeltesFramework konzentrieren. Zahlreiche Erweiterungen gibt esbereits heute. Eine Übersicht erhalten Sie in der Eclipse Plugin-Zentrale .

Download - Start - and Fun

Sollte Eclipse - bei der Ubuntu Distribution bereits integriert - nichtTeil des Lieferumfangs des eingesetzten Betriebssystems sein,kann es für zahlreiche Betriebssysteme direkt von der Website des Eclipse-Projekts bezogen werden. Voraussetzung ist die Verfügbarkeiteiner Java-Runtime-Umgebung (JRE) und einer Portierungdes Standard Widget Toolkit (SWT) für die eigene Plattform.

Fürdie Betriebssysteme Linux, Mac OS X und Windows sind damitschon alle Voraussetzungen erfüllt. Der Eclipse-Download-Bereichführt auf einen der zahlreichen Download-Spiegelservermit der automatischen Auswahl der aktuellen Eclipse-Version fürdas eigene Betriebssystem.

Der Willkommensbildschirm informiert über das aktuelle Release und bietetZugriff auf das Hilfesystem.

Da Eclipse in Java geschrieben ist, ist eine Installation nichtnotwendig. Das Entpacken in das Programmverzeichnis reichtaus. Zum Starten der Umgebung ist lediglich ein Doppelklick oderder Shellaufruf der ausführbaren Eclipse-Datei notwendig. DerStart führt über die Auswahl des Workspace, in dem die Vorauswahlbestätigt wird, und mündet im Willkommens-Bildschirm. Aufdieser Übersichtsseite erhalten Sie aktuelle Informationen überNeuerungen, Hilfen sowie zur Entwicklung mit Eclipse. Diese Bildschirmmaskekönnen Sie einfach durch das X auf dem Reiterschließen und gelangen so zur Java-Perspektive, einer der Entwicklungsansichtender Java-Development-Tools (JDT).

Bei der Arbeit mit Eclipse fallen einige Begriffe, die gerade EinoderUmsteiger häufig verwirren. Hier einige kurze Erläuterungen,da sie ein wichtiger Teil des mächtigen Eclipse-Konzepts sind.

Workspace

Ein Workspace ist ein Sammelort für Projekte und Einstellungenim Dateisystem, also ein ganz normales Verzeichnis mit einemUnterverzeichnis namens metadata. Auf Unix-Systemen ist diesesVerzeichnis versteckt.

Workbench

Die Arbeitsoberfläche in Eclipse wird Workbench genannt. Sienimmt die grundlegenden Menüs auf und bietet über die PerspektivenZugriff auf unterschiedliche Views und Editoren.

Perspektiven

Wo traditionelle Entwicklungsumgebungen zahlreiche Boxen ineinem Fenster platzieren, bietet Eclipse dafür ein leistungsfähigeresKonzept.

Die Standard-Perspektive der Java-Development-Tools (JDT) gehört zum Basisumfangeiner jeden Eclipse-IDE.

Denn Perspektiven legen fest, welche Editoren und Views geöffnetsein sollen und wo sie auf dem Bildschirm – oder genauer gesagtin der Workbench – platziert werden sollen. Da parallel mehrerePerspektiven geöffnet sein dürfen, bietet das Konzept die Möglichkeit,den Aufbau der Arbeitsoberfläche schnell umzuschalten.Damit kann man beispielsweise mit einem Mausklick von einerJava- in eine Python-Entwicklungsumgebung wechseln.

Editoren

Die Editoren sind die tägliche Arbeitsumgebung eines Entwicklers.Spezialisiert auf jeweils ein Datenformat, stehen viele verschiedeneEditoren zur Verfügung, um sowohl textuell als auchgrafisch arbeiten zu können. Die Bandbreite der Editoren reichtvom etwas komfortableren Notepad bis hin zum leistungsfähigenJava-Editor mit Refactoring-Funktionalität.

Views

Views (Sichten) sind ein weiteres essentielles Arbeitsmittel inEclipse. Gerade deren logische Abtrennung von Editoren fällt somanchem Eclipse-Neuling schwer. Im Unterschied zu Editorenspeichern Views keine Daten, sondern stellen diese lediglich dar.Views können Daten (z. B. Quellcode) somit nicht direkt ändern,sondern müssen diese Aufgabe an die entsprechenden Editorenweiterleiten. In ihrer Funktion sind Views aber eines der wichtigstenMittel. Views können einem Entwickler eine Klasse strukturiertdarstellen oder Information über deren Paketzugehörigkeit liefern.

Projekte

Projekte sind die Organisationseinheiten im Workspace. Sie nehmenDateien und Verzeichnisse auf und verwalten je nach Spezialisierungweitere Informationen über Quellcode-Abhängigkeitenund Software-Erstellungsrichtlinien. Keine Datei und keinVerzeichnis kann außerhalb eines Projekts verwaltet werden, jedesProjekt muss einem Workspace zugeordnet sein. Das Importierenvon bestehenden Daten aus dem Dateisystem ist möglich.

Erste Schritte mit Eclipse

Nachdem nun die notwendigsten Begriffe bekannt sind, kann dasAnlegen des ersten einfachen Projekts beginnen. Dazu wird dieJava-Perspektive durch den Menüaufruf "Window->Close Perspective"geschlossen. Jetzt sind alle Perspektiven geschlossen, essollten keine Views und Editoren zu sehen sein. Durch denMenüaufruf "Window->Open Perspective->Other" gelangen Siein einen Auswahldialog. Dort können Sie die Perspektive "Ressource"auswählen, eine Basis-Perspektive mit allgemein nützlichenViews.

Legen Sie über das Menü "File->New->Project" ein neues Projektan. Es öffnet sich eine Auswahlbox unterschiedlicher Projekttypen,aus der Sie zunächst unter der Kategorie "Simple" denEintrag "Projekt" auswählen. Über einen Wizard werden die notwendigenInformationen, etwa der Projekttitel, erfragt (z. B. "EclipeTutorial Part1"). Außerdem können Sie gegebenenfallsangeben, ob das neue Projekt sich auf andere Projekte imWorkspace beziehen soll. Nach Beendigung dieses Dialogs befindetsich das neu angelegte Projekt im "Navigator". Nun könnenSie per Kontext- oder Workbench-Menü beginnen, Dateien oderVerzeichnisse anzulegen. Bestehende Daten können Sie über dasWorkbench-Menü "File->Import" und den Eintrag "File system" inIhr Projekt importieren.

Fazit

Mit Eclipse hat IBM der weltweiten Entwicklergemeinde ein mächtigesTool zur Verfügung gestellt. Der Einstieg fällt jedoch nichtimmer leicht. Dieser Artikel sollteIhnen das minimale Grundlagenwissen zu Eclipse vermittelt haben.

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Autor

  • Sven Wilhelm

Sven Wilhelm arbeitet seit über zwei Jahren mit Eclipse. Er ist Gesellschafter der Firma moduleBox, spezialisiert auf Content- und Systems-Management und dort als technischer Leiter tätig.



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