ECM: es geht zur Sache


21.08.2006

Der Markt für Enterprise Content Management Lösungen wird für mehr und mehr große Anbieterimmer interessanter. Das Karussell der Übernahmen dreht sich immer schneller, immer mehrAnkündigungen neuer Produkte zielen auf dieses Segment. Es geht darum, die Informationselbst in den Griff zu bekommen. Immer neue Mitspieler drängen in den Markt, großeSoftwareanbieter machen Druck auf die bisherige DRT-Produktanbieterlandschaft. Immer mehrmittelständische Anbieter aus dem DMS- und ECM-Segment versuchen sich noch in Nischen zupositionieren.

ECM Changes - Ein Blick auf aktuelle Entwicklungen

  • IBM hat in den letzten 12 Monaten eine Vielzahl kleiner Anbieterwie Ascential, PureEdge, DWL, iPhrase, BowStreet, CIMS Lab, LAS und andere übernommen.Gleich an mehreren Baustellen im Websphere-, DB2-, Tivoli- und Storage-Bereich wird an derErweiterung des Portfolios in Richtung ECM und ILM gearbeitet. Ein zusammenpassendesGesamtportfolio gibt es jedoch noch nicht. Man kann jedoch sagen, IBM hat so ziemlichalles was man zu ECM braucht, man muss nur etwas suchen.
  • Microsoft hat ebenfalls einige Firmen übernommen, wieOnFolio, FrontBridge, Groove und andere, um ein glaubhaftes ECM-Suite-Portfoliozusammenzustellen. Zumindest auf dem Papier gibt es sehr viel, aber es zeichnen sich auchneue Medienbrüche ab wie z.B. zwischen dem Records Management im Sharepoint und demseparaten Compliance-Repository im Exchange. Richtig Druck auf den Markt wird erst mitVISTA und dem integrierten Workflow kommen. Microsoft macht ECM immer mehr zurInfrastruktur.
  • Google zeichnet sich immer deutlicher als einer der zukünftigenMitspieler ab. Neben Akquisitionen wird selbst an ECM-Komponenten geschraubt. Google setztauf das Internet als Plattform für ECM und greift damit offen Microsoft an. Mit derSuchmaschinentechnologie versucht Google seinen Vorsprung von anderen wie Microsoft, Yahoound Co. auszubauen und dringt dabei immer mehr in klassische ECM-Themenbereiche vor.
  • Oracle hat im Umfeld einiges an Funktionalität zu 10g dazugebautund die Ankündigungen der Content Database und der Records Database sind eineKriegserklärung an die gesamte Branche. Keine Extra-Produkte für ECM mehr, sondern allesgleich in der Datenbank lassen. Gewicht gewinnt die Position von Oracle durch dieAnkündigung einer engeren Kooperation mit OpenText. Selbst die Schwergewichte der Branchewie FileNet, OpenText oder Hummingbird können allein sich offenbar nicht mehr behaupten.Die großen Standardsoftwareanbieter beginnen mit ihren Strategien den Markt zu dominieren.
  • EMC hat durch zahlreiche Akquisitionen von Unternehmen – Captiva,Legato, Documentum, Interlink, nLayers, Authentica, Acartus, und, und, und - sich inkürzester Frist ein komplettes ECM- und ILM-Portfolio zugelegt. Auch wenn noch einiges anIntegration und Produktharmonisierung geleistet werden muss, ist EMC heute einer derwichtigsten Spieler im ECM-Markt.
  • HP Hewlett Packard setzt auf ILM und hat sich hierfür ebenfalls eineVielzahl von Firmen und Produkten zugelegt, so z.B. Peregrine, SciTex, AppiQ und andere.Aber nicht nur auf die Wettbewerber im Speicher- und ILM-Segment zielt Hewlett Packard.Auch im sich schnell entwickelnden Markt für Multifunktionsgeräte wird inzwischenDokumentenmanagementsoftware mitgeliefert. Noch passen die Strategien nicht zusammen, aberHP muss sich in diesem Markt engagieren sonst verliert das Unternehmen den Anschluss.
  • SUN Microsystems sucht noch nach neuen Strategien hat aber mit demErwerb von StorageTek und SeeBeyond deutliche Zeichen in Richtung ILM und ECM gesetzt.Neue Filesysteme im OpenSource-Bereich, SAM-FS und andere Produkte lassen erkennen, dasssich auch SUN um einen Platz in dieser Arena bemüht.
  • Cisco tastet sich langsam in den Storage-Bereich vor und lässtmit der Übernahme von FineGround erste ILM-Ansätze erkennen. Angesichts der gut gefülltenKriegskasse kann auch aus dieser Richtung ein neuer Vorstoß in Richtung ILM und ECMerwartet werden.
  • CA Computer Associates hat dagegen offensichtlicher seinenMarkteintritt deutlich gemacht. Mit Akquisitionen wie iLumin und MDY wird derMarkteintritt in das Enterprise Content Management forciert.
  • XEROX verstärkt mit eigenen Produkten, Übernahmen undKooperationen sein Engagement im eher Output-Management-orientierten Segment von ECM. OBdies reicht, ein ernsthafter ECM-Player zu werden, ist jedoch noch fraglich.
  • Adobe ist massiv unter Druck. Mit PDF als Standardformat undimmer mehr Softwareprodukten auf der Serverseite versucht das Unternehmen Schritt zuhalten. Da multimediale Services, Content Management und klassisches Dokumentenmanagementimmer mehr zusammenrücken, muss auch Adobe noch einiges tun, um in der Liga der führendenECM-Anbieter mitspielen zu können.In diesem Markt werden die Schlachten auf verschiedenen Ebene geschlagen: bei denSuchmaschinen, bei Web 2.0-Anwendungen, bei der Frage des führenden Desktop, mitKooperationen und Übernahmen. Es zeichnet sich ein heißer Herbst im Markt ab, der noch somanche Veränderung mit sich bringen wird.*

Aktuelle Anwenderbefragungen

Die AIIM-Show in Philadelphia im Mai 2006 hat einige der aufgezeigten Trends mehr alsbestätigt. Google als einer der größten neuen Aussteller, Gespräche zwischen Oracle sowieOpenText und Hummingbird, Microsoft mit einer massiven Ankündigungswelle fürECM-Produktkomponenten. Es gibt auch einige neue Marktdaten der AIIM International, diehier einmal beleuchtet werden sollen. Wie so häufig, spiegeln sie jedoch kaum dieSituation im deutschen Markt wieder. Interessant ist in den folgenden beiden Tabellen derVergleich, welche Priorität die Themen beim Anwender haben. Hierzu werden die Daten derAIIM-Studien 2003/2004 und 2005/2006 einander gegenübergestellt.

Quelle: AIIM international 2006. Prozentzahlen einer gekürzten Liste von Themen.

Enterprise Content Management wandelt sich immer mehr vom taktischen Ziel zur großen,strategisch positionierten Gesamtaufgabe. Compliance-Themen nehmen dabei einen immergrößeren Raum ein. ECM wird immer mehr als notwendige IT-Infrastruktur betrachtet.Als die größten drei Hindernisse für die erfolgreiche Einführung von ECM-Systemen werdenauch heute noch immer die Wirtschaftlichkeit (Rechtfertigung des Investments nannten 30%der 2005/2006 befragten Anwenderunternehmen), Planung und Einführung (27%) sowie Akzeptanzder Mitarbeiter (17%) betrachtet. Die Projekte greifen häufig tief in die Organisation unddie Abläufe der Unternehmen ein.

Auf die Priorisierung der Projekte hat sich etwas verschoben. Besonders Workflow undBusiness Process Management wie auch Business Continuity und Risk Management konnten sichauf vordere Plätze verbessern. Die Integration von ECM mit CRM gewinnt ebenfalls größeresInteresse.

Quelle: AIIM international 2006. Auf 10 Einträge gekürzte Liste aller Themen.

Auch die geplanten Investitionen in ECM steigen an. Rund 34% der befragten Unternehmen,vorrangig Großunternehmen, wollen mehr als 1 Million US$ in ECM in nächster Zeitinvestieren. Bei den mittelständischen Anbietern sind es mehr als 54% mit Budgets zwischen100.000 und 500.000 US$.

Dabei spielen Standardprodukte eine immer größere Rolle. Der Eintritt von Unternehmen wieMicrosoft hat den Markt dramatisch verändert. Die Aufmerksamkeit der Unternehmen für dasThema ECM ist gewachsen.

Neue Marktdefinitionen schaffen neue Bilder

Mit einer neuen Definition des Marktes, dem Begriff CCA "Content-centric Applications"(eine Umschreibung für die Sicht auf Content-orientierte Anwendungs- und Branchenlösungen,weniger "leere" Produkte) hat sich Forrester die Möglichkeit geschaffen, die führendenAnbieter einmal anders anzuordnen. Die berücksichtigten Anbieter blieben dabei aber nahezugleich, wenn man ältere ECM-Charts betrachtet.

© Forrester "CCA Content-centric Applications", 1 Q. 2006

Die Verschiebungen aus demBlickwinkel "inhaltszentrische Anwendungen" sind aber durchaus interessant. ImECM-Produktmarkt führende Anbieter rutschen so mit einem Mal nach unten. Eines wird aberbesonders deutlich: angesichts der Veränderungen des Marktes und immer neuer Zuordnungen,Begrifflichkeiten und Akronyme wird es für die Analysten immer schwieriger ein klares undstabiles Bild des Marktes zu zeichnen.

  • zu den Übernahmen siehe auch das Verzeichnis auf derPROJECT CONSULT Webseite

Quelle: Ausgabe 20060619 des PROJECT CONSULT Newsletters , ISSN 1439-0809.


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