Unternehmensweite Anwendungssysteme (ERP-Systeme) waren bisher mittleren und großen Unternehmen vorbehalten. Durch neue Formen der Verfügbarmachung solcher Systeme durch Application Service Providing (ASP) und Hosting, aber auch durch eine veränderte Komplexitätsbeherrschung dringen derartige Systeme immer mehr in Branchen, Märkte und Kundengruppen vor, deren Erwähnung noch vor fünf Jahren nur Gelächter ausgelöst hätte.
Der Beitrag beschreibt zunächst die veränderten technischen Möglichkeiten und nennt dann Gründe, warum durch eine neue Aufgabenverteilung auch kleine Unternehmen von ERP-Lösungen profitieren.
Abbildung 1: Charakteristika von Einzel- und Kleinunternehmen
Kleine Unternehmen sind, wie Abbildung 1 zeigt, zumeist inhabergeführt. Dem strukturellen Vorteil hoher Flexibilität stehen eine Reihe von Hindernissen bei der Einführung und Nutzung unternehmensweiter Anwendungssysteme gegenüber. So führt die notwendige Bündelung von Routineaufgaben auf den Unternehmer bzw. Inhaber zu Zeitengpässen bei der strategischen Planung. Da sich Kleinunternehmer häufig auch aus Handels- oder Handwerksberufen heraus entwickeln, verzichten sie häufig aus Unkenntnis auf die an sich angebrachte Anwendung betriebswirtschaftlicher Verfahren, etwa bei der Angebotskalkulation oder bei der Materialdisposition. Erschwerend kommt die geringe finanzielle Risikobereitschaft der Inhaber hinzu, die in der Vergangenheit die Durchdringung dieser Branchen mit ERP-Systemen stark erschwert hat.
Inzwischen stehen jedoch geeignete Verfahren zur Verfügung, um Investitionsvolumen und Folgekosten reduzieren zu können. Dazu gehört in erster Linie der Verzicht auf eine eigene IT-Abteilung und die damit einhergehende Verlagerung des Systembetriebs auf einen externen Dienstleister. Gängige Verfahren werden im folgenden beschrieben.
Das Application Service Providing (ASP) kann wie folgt definiert werden: „Service Provider liefern Software-Anwendungen und Computer Services auf Leih- und Nutzungsbasis. Über Server-Zentren können sie per Internet oder privaten Netzwerken einen großen Nutzerkreis anschließen.” (The ASP Industry Consortium) [1]. Der Applikationsbreite ist dabei keine Grenze gesetzt. Das Angebot reicht von Anwendungen wie E-Mail und Office bis zu Systemen für Enterprise Resource Planning und Customer Relationship Management. Für die Service-Provider ist es dabei wichtig, dass sie neben der Vermietung von Anwendungen auch echte Dienstleistungen erbringen. Denn oft erwächst nur daraus Kundennutzen und letztendlich Geschäftserfolg. Diese Dienstleistungen werden im Rahmen von sogenannten Service Level Agreements (SLA) erbracht. Diese definieren sowohl Art und Umfang als auch die Verantwortung der ASP-Leistungserbringung (Abbildung 2).
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Aber auch für den Anwender ist das ASP-Konzept interessant. Im Rahmen seiner Applikationsstrategie kann er festlegen, welche ASP-Anwendungen er zu welchem Zeitpunkt bezieht, um sein Geschäft darauf abzubilden oder überhaupt zu ermöglichen. Alternativ dazu kann zum Beispiel ein IT-Verantwortlicher eines größeren Unternehmens seine IT-Strategie im eigenen Haus auf ein ASP-Konzept umstellen. Gegenüber den einzelnen Geschäftseinheiten tritt er dann als Service-Provider auf.
Das ASP-Konzept ist nicht neu. Bereits zu Zeiten des Internetbooms um das Jahr 2000 herum traten zahlreiche ASP-Anbieter am Markt auf, ohne jedoch wesentliche Marktanteile zu erzielen.
Die wesentlichen Vorbehalte der Kunden waren damals:
In allen vier Punkten sind in den letzten Jahren erhebliche Verbesserungen erzielt worden. So stehen heute sogenannte Branchentemplates in einer Vielzahl von ERP-Systemen zur Verfügung, die sehr gut an die Spezifika der jeweiligen Nutzung angepasst sind und so den Einführungsaufwand erheblich reduzieren. War es vor zehn Jahren nahezu ausgeschlossen, eine ERP-Einführung zum Festpreis zu erhalten, so bieten dies heute mehrere Dienstleister erfolgreich an. Die direkte Kontrolle der Kernprozesse behält der Kunde, allerdings nicht physisch, sondern nur durch Nutzung der Software. Die früher häufig geäußerten Vorbehalte, unternehmenskritische Daten könnten an Dritte weitergegeben werden, sind durch entsprechende Sicherheitsmaßnahmen wie Firewalls, Datenverschlüsselung durch Virtual Private Networks (VPN) sowie weitergehende Maßnahmen beim ASP-Dienstleister geringer geworden [2]. Schließlich ist der Integrationsgrad der eingesetzten Systeme und auch die Anbindung weiterer Anwendungen wie Shopsysteme, Office-Lösungen oder Peripheriegeräte wie Waagen oder Kassen in der Vergangenheit stets verbessert worden. Ergänzend kommt hinzu, dass sich durch ASP die Einführungszeiten für neue ERP-Lösungen deutlich verkürzen lassen und damit auch der Zeitpunkt, an dem das neue System produktiv wird und einen Return-on-Investment (ROI) erwirtschaftet, schneller erreicht wird. Dies wird inbesondere dann erreicht, wenn die ASP-Dienstleistungen neben der technischen Verfügbarmachung des Systems auch Customizing-, Schulungs- und Helpdesk-Angebote umfassen.
Literatur
[1] Neuhaus, K.: Application Service Providing (ASP) - Revolution oder Flop?. Diebold Management Report 10/2000, S. 9-12
[2] Schweighart, D.: Application Service Providing im ERP-Umfeld. Industrie Management (17) 2001, Heft 2, S. 86-88
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