ERP Trend Report 2007


09.08.2007

Der durch die ALPHA Business Solutions AG veröffentlichte Report basiert auf einer Unternehmensbefragung von über 120 mittelständischen Betrieben und gibt Aufschluss über den aktuellen Stand des Einsatzes von ERP-Systemen in Deutschland. Schwerpunktthemen der Untersuchung waren insbesondere das Investitionsverhalten und die Wechselbereitschaft auf Anwenderseite sowie die Anforderungen an die zukünftige ERP-Generation.

Die Befragung wurde im ersten Halbjahr 2007 in Kooperation mit dem Hamburger Marktforschungsunternehmen Softselect GmbH durchgeführt. Sie soll den Status quo sowie Trends und Entwicklungen beim Einsatz von ERP-Systemen in Deutschland aufzeigen. Folgende Fragen standen dabei im Mittelpunkt. Welchen Stellenwert nehmen Webtechnologien heute in der betrieblichen Praxis ein? Wie zufrieden sind Anwender mit ihren Lösungen und wie steht es mit der Wechsel- und Investitionsbereitschaft in Deutschland?

Zufriedenheit der Anwender mit dem Einsatz von ERP-Systemen

95% der befragten Unternehmen nutzen bereits ein ERP-System. Vor dem Hintergrund, dass kleine und mittelständische Unternehmen unter 100 Mitarbeitern mit 38% den größten Anteil an der Befragung ausmachen, ist diese Zahl als sehr positiv zu werten. Sie belegt, dass das Thema ERP mit anforderungsgerechteren Lösungen in den letzten Jahren auch für den Mittelstand interessanter geworden ist.

Gegenüber dem eigenen ERP-System äußerten sich die Befragungsteilnehmer überwiegend positiv. Gefragt nach dem Erfüllungsgrad ihrer ursprünglich zu Beginn des ERP-Projekts definierten Zielsetzungen zogen ca. 71% der Befragten ein erfolgreiches Fazit und stufen den Zufriedenheitsgrad mit „zufrieden“ und „sehr zufrieden“ ein. Im Umkehrschluss bedeutet dies jedoch, dass noch ca. ein Viertel aller Unternehmen konkreten Optimierungsbedarf beim eingesetzten ERP- System sehen, da sie das System lediglich als „befriedigend“ (23%) oder gar als „unbefriedigend“ (6%) bewerteten. Als Hauptgründe für die Negativbewertung des ERP-Einsatzes wurden dabei zu hohe Prozesskosten und die mangelnde Unterstützung der betrieblichen Abläufe genannt.

Konkret auf die Erwartungen hinsichtlich ihrer ERP-Investitionen befragt, urteilten die Unternehmen mehrheitlich positiv. 81 Prozent sehen ihre Erwartungen erfüllt und sind mit der Investition in ihr ERP-System zufrieden, wobei 23 Prozent ihre Erwartungen an die ERP-Software sogar als übertroffen erachten. Nur jedes zehnte Unternehmen gab an, dass die Investitionen in ihr ERP-Projekt weniger Nutzen eingebracht haben, als erwartet wurde.

Kostenreduzierung als Kernerwartung

Die Kernerwartung der Unternehmen vor der Einführung ihres ERP-Systems bestand in der Absicht, Kosten zu sparen. Natürlich lässt sich die Kostenreduzierung durch die Einführung einer ERP-Software kaum isoliert betrachten. Die Unternehmen wurden daher gebeten, das Maß der Kostenersparnis nach Einführung ihres ERP-Systems selbst einzuschätzen. Im Ergebnis waren 41% der Unternehmen in der Lage, mit ihrem ERP-System die Kosten um 10% zu senken. Weitere 37% wiesen Kostenvorteile zwischen 10% und 25% aus und 6% der Betriebe sogar mehr als 25%.

Im Detail wirkte sich die Einführung einer ERP-Software positiv auf folgende Unternehmensbereiche aus: Die Produktivität auf Mitarbeiter-, Produkt- oder Prozessebene wurde erhöht (20%), die Auftragsbearbeitung beschleunigt (20%), die Produkt- und Dienstleistungsqualität verbessert (16%) sowie die Kundenzufriedenheit und die Flexibilität wurden erhöht (jeweils 16%). Auch der Innovationsgrad ist bei 9% der Unternehmen signifikant gestiegen.

Die Hälfte der Unternehmen hat das ERP-System noch nie gewechselt

Die große Mehrheit (84%) aller Anwender nutzt nach wie vor ein Client-/Server-basiertes ERP-System, lediglich 13% setzen auf eine Web-basierte ERP-Lösung. Dabei bauen 50% aller befragten Unternehmen noch auf ihre erste ERP-Software und -Generation.

46% der Unternehmen hingegen haben ihr ERP-System schon einmal gewechselt. Die Gründe für den Wechsel reichen von fehlender Bedienerfreundlichkeit (5%), Unzufriedenheit mit dem Support (6%), Wegfall des Herstellers (12%), mangelnder Flexibilität (21%), mangelnder Weiterentwicklung oder aufgrund eines erhöhten Anforderungsbedarfs, der durch die eingesetzte Lösung und den Hersteller nicht gedeckt werden konnte (benötigte Funktionen nicht verfügbar). Letzterer Aspekt nimmt mit 30% die größte Position ein.

Entscheider befassen sich vermehrt mit ERP II

57% der Unternehmen haben sich bislang kaum (32%) oder noch gar nicht (25%) mit dem ERP II-Konzept beschäftigt. 22% hingegen haben sich schon intensiv und 20% gar sehr intensiv mit diesem Thema befasst. Dies ist zwar noch weniger als die Hälfte aller Unternehmen, doch im Vergleich zu vorangegangenen SoftSelect Untersuchungen ist demgegenüber eine signifikante Steigerung zu verzeichnen. Vor zwei Jahren haben sich erst knapp ein Drittel mit Lösungen auf Basis der ERP II Technologie eingehender auseinander gesetzt.

Hohe Anforderungen an das nächste ERP-System

Sowohl die geringe Bereitschaft zum Wechsel des ERP-Systems als auch die noch mangelnde Auseinandersetzung mit dem ERP II – Konzept sind Gründe, dass sich neue Technologien auf Anwenderseite nur langsam durchsetzen. Die Anforderungen an die kommende ERP-Generation sind jedoch vielfach nur auf Basis technologisch neuer Lösungsansätze zu realisieren.

Grundsätzlich sind die Anforderungen aus funktionaler und technologischer Sicht von vielen Faktoren abhängig. So spielen etwa die Unternehmensgröße, die Branche bzw. der Wirtschaftszweig, der Spezialisierungsgrad, die Organisationsstruktur und das Kollaborationsnetzwerk eine wichtige Rolle bei der Definition der eigenen IT-Anforderungen.

Dennoch lassen sich einige Anforderungen formulieren, die von ERP-Systemanwendern in Zukunft am häufigsten erwartet werden. Als sehr wichtig und wichtig wurden folgende Anforderungen genannt:

  • Anpassung an sich ändernde Geschäftsprozesse 100%
  • Steigerung der Prozesseffizienz 94%
  • Die reibungslose Integration von zusätzlichen Anwendungen 87%
  • Sie Modellierung/ Standardisierung der internen Prozesse 87%
  • Senkung der Folgekosten 84%
  • Web-Zugriff auf Anwendungen 66%
  • Hohe Skalierbarkeit 66%
  • Unterstützung von Web-Services 62%

Im Wesentlichen wurden hier also Aspekte benannt, die durch Technologien wie Web-Basis und offene Architekturen bestimmt und optimiert werden können.

Noch geringe Nachfrage für ASP-Dienstleistungen

Lediglich knapp jedes zehnte Unternehmen (9%) in Deutschland nimmt erst ASP-Dienstleistungen im ERP-Bereich in Anspruch. Wie vorab schon beschrieben, sehen ca. 18% Bedarf für die Zukunft bei Dienstleistungen zum Application Service Providing. Die große Mehrheit aber, mit immerhin 87%, nutzt bislang noch keinerlei Mietlösungen oder ASP-Hostingangebote.

Auf Basis der Untersuchung liegt aber die Schlussfolgerung nahe, dass der technologische Generationswechsel Einzug erhält, sich aber nur sukzessive, etwa im Rahmen von Modulerweiterungen oder Filialanbindungen, ausweitet. Aber auch hier regelt sich der Markt mit den Kundenanforderungen – und diese dürften das Interesse nach ganzheitlichen ERP II-Konzepten nachhaltig steigern.

Eine detaillierte Zusammenfassung der Untersuchungsergebnisse steht auf der Website der ALPHA Business Solutions AG zur Verfügung: ERP Trend Report 2007

Die Autoren:

Michael Finkler ist Vorstand der ALPHA Business Solutions AG und beschäftigt sich seit mehr als 20 Jahren mit der Einführung von ERP-Systemen in mittelständischen Unternehmen. Seit 1994 hat er die Einführung und Betreuung von mehr als 260 ERP-Projekten begleitet.
Michael Gottwald ist geschäftsführender Gesellschafter der SoftSelect GmbH. Als langjähriger Kenner des ERP- und E-Business-Marktes verfügt er über umfassende Projekterfahrung.

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