Immer mehr mittelständische Unternehmen spüren das enge IT-Kostüm aus den 90er oder gar 80er Jahren. Damals stand die Optimierung der Produktion im Mittelpunkt. Heute interessieren mehr die Geschäfte und Geschäftsprozesse über die Unternehmens- und Ländergrenzen hinweg. Die Globalisierung setzt auch in der IT andere Maßstäbe. Der Vergleichstest mit 12 ERP-Systemen hat gezeigt, dass die Produkte für die Ausrichtung der Wirtschaft auf eine vernetzte Welt gut gerüstet sind. Eine Schwachstelle hatten alle Systeme gemeinsam: die Rückabwicklung der Geschäfte im Falle einer Reklamation ist Kreativität und viel manuelle Steuerung erforderlich.
Wie lassen sich die Veränderungen des Marktes in den IT-Systemen, speziell den ERP-Systemen (Enterprise Resource Planning) abbilden? Wie unterstützen diese Systeme die Unternehmen auf ihrem Weg in die Zukunft?. Aus der Abwicklung der Intercompany-Geschäfte ergeben sich neue, bisher unbekannte Anforderungen sowohl für die Logistik als auch für die Vorgänge im Rechnungswesen. Das unternehmerische Ziel ist ja, dass jeder weiß, was die anderen tun, also Transparenz bis in die Portokasse. Die Ausrichtung aller Unternehmen einer Gruppe auf ein gemeinsames Ziel, das "think global, act local" macht sie stark und flexibel zugleich. Was der eine nicht hat oder kann, hat oder kann vielleicht der andere.
Die Anbieter und ihre Systeme
Im Test waren zwölf ERP-Systeme, prominente und alt bekannte ebenso wie Newcomer und auch ein Open Source System. Sie alle hatten die selbe Aufgabe, ein Testszenario mit zwölf Geschäftsprozessen zu durchlaufen. Erst "vorwärts", d.h. verkaufen, produzieren, liefern, fakturieren, dann teilweise wieder zurück: Reklamation des Kunden, Retoure, Gutschrift. Ein ganz normales Geschäft, "Business as usual". Alle Anbieter haben die Aufgaben – nach Durchsicht und Prüfung der Streckenkarte – angenommen.
Die Testaufgabe
Ein mittelständisches Unternehmen besteht aus einer Gruppe von drei rechtlich selbständigen Gesellschaften:
- einer Vertriebsgesellschaft,
- dem Stammhaus in Deutschland und
- einer Produktionsgesellschaft im Ausland.
Im Test sollte ein Geschäftsvorfall vollständig abgewickelt, d.h. mit Unterstützung und Steuerung des Systems durchlaufen werden: Ein Kunde aus Deutschland erteilt der Vertriebsgesellschaft den Auftrag zur Lieferung des Produkts und möchte eine definitive Bestätigung des Liefertermins. Das Produkt selbst wird in der ausländischen Produktionsgesellschaft hergestellt und von dort direkt ("auf Strecke") an den Kunden geliefert. Das Stammhaus liefert eine Baugruppe an die ausländische Produktionsfirma und berechnet diese zu Intercompany-Preisen.
Szenario für den Vergleichtest der ERP-Systeme
Ein Materiallieferant hat mit der Unternehmensgruppe einen Kontrakt zur Lieferung sowohl an das Stammhaus als auch an die ausländische Produktionsgesellschaft, die zur Vertragserfüllung kumuliert werden. Die ausländische Produktionsgesellschaft lässt verschiedene Teile bei einer "verlängerten Werkbank" bearbeiten und , direkt an das Montageband in den laufenden Produktionsprozess liefern.
Der Kunde reklamiert einen Teil der Lieferung und schickt die Produkte zurück an die Vertriebsgesellschaft. Diese transportiert die reklamierten Produkte weiter an die ausländische Produktionsgesellschaft. Das Ziel war erreicht, wenn das Controlling errechnen konnte, wie viel an diesem Auftrag nach Abzug der Nacharbeitskosten und der Gutschrift verdient wurde.
Highlights der Anforderungen
Diese Highlights gaben dem Vergleichstest den besonderen Reiz, denn damit konnten die Grenzen der ERP-Systeme ausgelotet werden.
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