Wenn Sie eine Website haben, haben Sie eine ganze Menge Arbeit am Hals. Hinzu kommt, dass Sie damit auch eine ganze Menge Pflichten haben. Je erfolgreicher Ihre Site ist, umso wichtiger sollten Sie diese nehmen. Denn Erfolg ruft nicht nur Neider auf den Plan, sondern oft auch Abmahner. Wettbewerber können Ihnen über einen Anwalt eine kostenpflichtige Abmahnung schicken, wenn Sie Ihre Pflichten nicht ernst nehmen. Und seit einigen Wochen sind sogar noch mehr Pflichten hinzu gekommen – die Informationspflichten für Dienstleister.
Doch zunächst zu den schon länger bestehenden Pflichten. Am wichtigsten ist das Telemediengesetz (TMG), das seit dem 1.3.2007 gilt. Es hat das Teledienstegesetz (TDG) von 2002 abgelöst. Für die Praxis hat sich dadurch eigentlich nichts Neues ergeben. Es gilt nach wie vor:
Fast jede Website muss bestimmte Angaben zu ihren Betreibern machen. Diese stehen im meist so genannten "Webimpressum".
Laut TMG alle "geschäftsmäßigen Teledienste". Rein private Sites sind also ausgenommen. Unklar ist aber, ob etwa eine Bannerwerbung schon genügt, um eine private Homepage zum geschäftsmäßigen Teledienst zu machen. Denn damit werden mit der Site Geschäfte gemacht - und nach strenger Auslegung wäre damit ein Impressum nötig.
Gehen Sie also lieber auf Nummer sicher.
Der Begriff stammt aus dem Druckwesen und kommt vom lateinischen imprimere (hinein-, aufdrücken). Jede Zeitung und Zeitschrift braucht ein Impressum, das die Verantwortlichen nennt. Im Web ist dieser Begriff eigentlich Quatsch, weil hier nichts gedruckt wird. Aber er ist schon weit verbreitet und wird sich wohl dauerhaft durchsetzen - so wie der Begriff der "Seiten" im Web. Die dahinter stehende Idee ist sinnvoll: Der Benutzer soll wissen, mit wem er da eventuell Geschäfte macht. Doch das Gesetz ist teilweise unklar und umständlich und wird von manchen dubiosen Geschäftsleuten zu Abmahn-Serien missbraucht.
Diese Frage lässt sich leider gar nicht so einfach beantworten, da das davon abhängt, was Sie für eine Site erstellen, wer sie betreibt und welches Ziel sie verfolgt.
Das TMG schreibt vor, dass "folgende Informationen leicht erkennbar, unmittelbar erreichbar und ständig verfügbar zu halten" sind:
Verstöße gegen die Pflicht zur Anbieterkennzeichnung werden mit bis zu 50.000 Euro geahndet.
Im TMG steht, die Informationen müssen "leicht erkennbar, unmittelbar erreichbar und ständig verfügbar" sein. In der Praxis heißt das, die Angaben sollten unter einem Link aufrufbar sein, der einen dieser Titel trägt:
Wichtig ist, dass dieser Link auf jeder einzelnen Seite Ihrer Site steht und dass er dort so präsent wie möglich platziert ist – also am besten so, dass man nicht scrollen muss, um ihn zu sehen.
Problematisch kann es unter Umständen werden, wenn die Linkbezeichnung nicht eindeutig ist, die Angaben tiefer auf der Site versteckt sind oder wenn der Link nicht von jeder Seite aus zugänglich ist.
Eine ganze Menge, insbesondere, wenn über die Site Waren bestellt werden können oder anderweitig Geschäftsabschlüsse zustande kommen. In solchen Fällen sollten Sie generell einen Anwalt zu Rate ziehen.
Betreiben Sie Meinungsbildung durch Kommentare oder Berichte (redaktionell-journalistische Texte) auf der Site, ist die Angabe eines inhaltlich Verantwortlichen nötig. Wenn Sie nur Produkte oder Dienstleistungen beschreiben, brauchen Sie das nicht.
Die Verordnung über die Informationspflichten für Dienstleistungserbringer (DL-InfoV) ist seit Mitte Mai in Kraft und setzt letztlich die EU-Dienstleistungsrichtline um. Wie der Name sagt, betrifft sie alle, die Dienstleistungen anbieten (mit ganz wenigen Ausnahmen wie Lotterien oder Anbieter von Sicherheitsdienstleistungen). Sie gilt, gleich, ob Sie für Unternehmen oder für Privatkunden arbeiten. Allerdings ist niemand verpflichtet, seine Informationspflichten auf seiner Website zu erfüllen, man macht sich das Leben damit aber meist leichter. Solange Sie keinen Vertragsabschluss übers Internet anbieten, sondern Ihre Website nur als Informationsmedium nutzen, können Sie diese Informationen auch auf anderem Wege zu Ihren potenziellen Kunden bringen.
Was muss ich angeben?
Es gibt Informationen, die "ständig bereitgehalten" werden müssen:
Und es gibt Informationen, die "auf Anfrage geboten" werden müssen:
Um das Ganze komplizierter zu machen, kann man wählen, wie man die Informationen seinen Kunden zugänglich macht. Die "ständig bereitzuhaltenden" Informationen kann man Interessenten von sich aus direkt mitteilen, sie "am Ort der Dienstleistung oder des Vertragsabschlusses leicht zugänglich vorhalten", sie im Web bereitstellen oder in allen Informationsunterlagen aufführen. Die Informationen zu den "auf Anfrage zu bietenden Informationen" müssen in allen ausführlichen Unterlagen zur Dienstleistung enthalten sein. In der Praxis heißt das, Sie können z.B. ein PDF mit allen diesen Informationen erstellen, das Sie auf Ihrer Website zum Download bereitstellen. Sicherheitshalber können Sie einen Ausdruck auch nochmal bei Vertragsabschluss übergeben.
Ganz vermeiden lässt es sich nicht, dass ein findiger Anwalt irgend etwas findet, was am Impressum nicht stimmt und Ihnen eine Abmahnung schickt. Das schreibt (etwas allgemeiner formuliert) jedenfalls das Justizministerium (!) auf seiner Website. Die Zeitschrift c't spricht hierbei von einer "Bankrotterklärung". Leider bedeutet das, dass Sie bei der Formulierung Ihres Webimpressums am besten einen Anwalt hinzuziehen, der auf Internet-Recht spezialisiert ist.
Eine Abmahnung ist ein Schreiben eines Rechtsanwalts (in Ausnahmefällen auch das eines Ihrer Konkurrenten), in dem Sie aufgefordert werden, einen (vermeintlichen oder tatsächlichen) Verstoß gegen das Wettbewerbsrecht in Zukunft zu unterlassen. Das Unangenehme dabei ist, dass
Voraussetzung für eine gültige Abmahnung ist, dass der Abmahnende in einem Konkurrenzverhältnis zu Ihnen steht. Schickt ein Hersteller von Batterien einem Schreiner eine Abmahnung wegen seines fehlerhaften Webimpressums, ist diese ungültig.
Sie können die Abmahnung ignorieren oder zurückweisen, aber für diesen Fall werden gerichtliche Schritte angedroht. Und falls Sie den Prozess verlieren, wird das Ganze deutlich teurer für Sie. Ich empfehle Ihnen in jedem Fall, einen Anwalt einzuschalten, wenn Sie eine Abmahnung bekommen. Auch wenn Ihnen der Vorwurf absurd erscheint, sollten Sie sich absichern. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass der sicherste Weg, eine Abmahnung zu vermeiden der ist, ein korrektes Webimpressum einzubauen.
Sehen Sie lieber zu viele Informationen vor als zu wenig. Um ganz sicher zu gehen, sprechen Sie das jeweilige Webimpressum mit einem Anwalt durch. Aber verlieren Sie nicht den eigentlichen Sinn des TMG aus den Augen: Es soll den Verbrauchern ermöglichen, alle für sie nötigen Informationen über den Betreiber einer Site zu bekommen. Gliedern Sie Ihr Webimpressum übersichtlich und platzieren Sie die wichtigen Angaben wie Adresse, Telefonnummer und E-Mailadresse möglichst deutlich. Dann entsprechen Sie den gesetzlichen Vorschriften und den Bedürfnissen der Benutzer.
Noch immer stehen auf zahllosen Websites sogenannte Disclaimer oder Haftungsausschlussklauseln. Mit diesen distanzieren sich die Betreiber der Sites von den Links, die sie auf ihrer eigenen Website gesetzt haben.
Häufig findet man diese Formulierung:
In der deutschen Rechtsprechung wird die Auffassung vertreten, der Betreiber einer Homepage mache sich durch die Anbringung von Links auf fremde Internet-Seiten die dortigen Äußerungen zu eigen und sei damit unter bestimmten Umständen zum Schadensersatz verpflichtet (Landgericht Hamburg, Urteil vom 12.5.1998, 312 O 85/98). Dies könne nur durch die ausdrückliche Distanzierung von Inhalten dieser Seiten verhindert werden. Wir betonen hiermit ausdrücklich, dass wir keinerlei Einfluss auf Gestaltung und Inhalt dieser Seiten haben.
Das ist ungefähr so sinnvoll, wie ein T-Shirt zu tragen, auf dem steht: "Ich war’s nicht!" Wenn ich nichts Unrechtes tue, interessiert das niemanden. Und wenn ich in diesem T-Shirt falsch parke oder einen Banküberfall begehe, interessiert mein T-Shirt auch niemanden.
Angefangen hat die Disclaimer-Unsitte mit dem zitierten Urteil – das aber erstens nie rechtskräftig geworden ist und zweitens vollkommen falsch interpretiert wurde. Denn in dem verhandelten Fall hatte der Beklagte in der Tat einen Disclaimer auf seiner Site, in dem er sich von den verlinkten Seiten distanziert hatte. Er wurde aber dennoch für die Verlinkung zur Rechenschaft gezogen, weil er absichtlich auf verleumderische Inhalte verwies.
Die ganze Geschichte finden Sie sehr schön beschrieben im Blogpost Das Märchen vom "Link-Urteil" (wovon ich mich ausdrücklich nicht distanziere ;-)).
Etwas nüchterner, dafür fachlich fundiert beschreiben die Anwälte Joerg Heidrich und Christoph Köster die Rechtslage in Ihrem Artikel Nutzloser Abwehrzauber - Zur Wirksamkeit von Web-Disclaimern , der auch in der Zeitschrift c't erschienen ist.
Fazit: Sparen Sie sich den Disclaimer, verlinken Sie nur Seiten, für die Sie auch geradestehen, und kontrollieren Sie Ihre Links gelegentlich, ob sie noch auf die richtigen Inhalte weisen.
Hilfe-Seiten des Justizministeriums – das zugibt, dass es eine rechtlich wasserdichte Formulierung eines Webimpressums nicht geben kann
Gute Zusammenfassung der neuen Informationspflichten im Juristen-Blog Telemedicus
Die Verordnung im Volltext
Impressum Generator - Hier finden Sie einen Webimpressum-Assistent, mit dem Sie einfach ein Musterimpressum für Ihre Site erstellen können. Er bietet auch den Einbau eines Disclaimers an, immerhin aber in einer modernisierten Fassung.
Die Abmahnung - Rechtliche Hintergründe und einige Tipps dazu, was Sie tun können, wenn Sie eine Abmahnung bekommen sollten.
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