Der Vergleich von Programmier- und Skriptsprachen ist eigentlich ein Vergleich von Äpfel und Birnen: Unmöglich!
Doch seit der Übernahme von SUN durch Oracle sieht sich mancher IT-Entscheidungsträger oder Softwareentwickler gezwungen, Skript-basierte Lösungen genauer unter die Lupe zu nehmen.
Schon seit Jahren kann man einen Trend feststellen, der weg von JAVA hin zu PHP oder anderen Sprachen wie Python oder RUBY geht. Nun kommt ein weiterer Faktor hinzu, der in die gleiche Richtung zeigt: Ende 2010 ist die Apache-Foundation aus der Standardisierung von Java ausgeschieden. Eine explosive Information: Apache ist der meistgenutzte http-Server der Gegenwart ! Grund des Austritts ist die neue Strategie, die Oracle mit Java verfolgt.
Die Computerwoche brachte die Gesamtsituation auf den Punkt: " Ist Java noch zu retten ?"
Selbst Forrester sieht die Zukunft von Java mit Skepsis : Mit Recht! Man kann Kunden, Partner oder Community von Java nicht einfach so vor den Kopf stoßen – selbst dann nicht, wenn man Larry Ellison heißt!
Insbesondere aus den Reihen einstiger Wegbegleiter und Vordenker kommt harsche Kritik: Dem streitbaren Chef von Oracle gehe es immer nur ums Geld . Das schmerzt, denn die Einschätzung kommt damit ausgerechnet von denen, die Java zu dem gemacht haben, was es heute ist: Eine der erfolgreichsten und innovativsten Programmierumgebungen für Webapplikationen weltweit.
Und genau damit könnte bald Schluss sein.
Die rasante Entwicklung bringt frischen Wind in eine alt bekannte Kontroverse: Welche Entwicklungsumgebung ist eigentlich "die Beste" für internetbasierte Lösungen? Bei den IT-Programmiersprachen kämpfen Java, C++ und Dot.NET etc. um die Gunst von Developer-Communities genauso wie von CTO's. Mit diesen Sprachen können mächtige Applikationen erstellt werden, die zum Teil tief in die Systemebene des Computers eingreifen können.
Daneben gibt es die Gruppe der Skriptsprachen. Dies sind die vermeintlichen Leichtgewichte unter den Entwicklungsumgebungen. Hier sind insbesondere PHP, Perl, Python und Ruby zu nennen. Mit ihnen werden keine "geschlossenen" Applikationen kompiliert – vielmehr werden sie in Form von offenen Dateien geliefert und zur Laufzeit interpretiert. Hinzu kommen vergleichsweise lockere Grundregeln z.B. bei der Variablen-Deklaration.
Genau aus diesem Grund standen und stehen Skriptsprachen nicht selten wie Hunde vor der Metzgerei, besonders dann, wenn es um die Umsetzung unternehmenskritischer Enterprise-Lösungen geht: Die Einstellung "Skriptsprachen müssen draußen bleiben" wurde von manchem CTO mit mangelnder Sicherheit, Skalierbarkeit und Zuverlässigkeit begründet. Mal zu Recht. Aber auch häufig zu Unrecht.
Ins Wackeln kam die "Festung der Hochsprachen" im Internet-Umfeld bereits mit Open-Source- bzw. License-Free-Systemen wie Typo3 und WordPress. Mancher IT-Dienstleister traute seinen Augen nicht, als vor einigen Jahren die ersten namhaften Konzerne und Ministerien nach linzenzfreien OpenSource-Systemen fragten.
Parallel dazu haben professionelle PHP-Frameworks wie Zend, Symfony, Cake oder Codeigniter bewiesen, dass Skriptsprachen selbst bei Enterprise-Lösungen und damit nicht nur bei kleinen und mittleren Projekten eine ernsthafte Alternative zu den Hochsprachen-Frameworks sind. Außerdem bietet PHP vor allem in Verbindung mit C-Libraries noch ein weit größeres Feld bei der Umsetzung individueller Lösungen als bisher.
Schließlich wurden mit Remote-Lösungen wie AMF-PHP viele anspruchsvolle Rich-Media-Lösungen realisiert. Auch die steigende Relevanz von hoch performanten Social-Media- und Mobile-Anwendungen hat zum verstärkten Einsatz von Skriptsprachen im Enterprise-Umfeld geführt.
Das Positive der Diskussion um die Java-Zukunft könnte eine neue Offenheit insbesondere von Konzernen gegenüber Skriptsprachen sein. Das gilt vor allem für die Beantwortung der inhaltlichen Frage: "Welche Entwicklungsumgebung ist für die inhaltliche Herausforderung am besten?"
Häufig ist die objektive Antwort: "Am besten ist eine gemischte Lösung aus Hochsprachen- und Skriptsprachen-Elementen." Es ist also nicht eine entweder-/oder-Entscheidung, sondern eine sowohl-/als auch-Lösung!
Genau deshalb setzen immer mehr Best-Off-Class-Systeme nicht mehr auf ein reines Java- oder PHP-Framework, sondern auf lösungsspezifische Hybrid-Lösungen. Ein Beispiel im aus dem WebTV- bzw. IPTV-Bereich ist dafür das Framework von TVNext . Der Marktführer bietet ein integriertes Gesamtsystem an, das Java, PHP und Actionskript 3 jeweils dort einsetzt, wo es für die fachliche Lösung der Aufgabe am besten ist. Gleiches gilt für das hoch performante Framework der MediaWorld AG : Bei Portal-, Mobile- und Community-Lösungen und dazugehörigen Schnittstellen wird lösungsorientiert entschieden, was im Einzelfall am besten passt.
Ellison sei deshalb ein Dank ausgesprochen: Dafür, dass er mit seiner fragwürdigen Strategie unfreiwillig die Offenheit gegenüber lösungsorientierten Frameworks öffnet, die Programmier- und Skriptsprachen kombinieren! Ihnen gehört die Zukunft.
Wichtig wird für Software-Entwickler, relativ breit aufgestellt zu sein: Die Konzentration auf eine Sprache wird nicht mehr genügen, viel mehr müssen heutige und zukünftige Generationen an Softwareentwicklern umdenken und auf einen hohen Grad an Flexibilität setzen.
Das Ziel heißt damit: Den richtigen Einsatz des passenden Werkzeuges bei Ihren Projekten.
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