Linux - Betriebssystemlandschaft im Wandel


25.03.2003

Linux - Betriebssystemlandschaft im Wandel

Linux ist kein Außenseiterbetriebssystem auf dem Server mehr, wie die vorliegende Studie "Linux - Betriebssystemlandschaft im Wandel" der META Group Deutschland ergeben hat. 36 Prozent der befragten Unternehmen geben an, Linux in irgendeiner Art und Weise bereits eingesetzt zu haben. Zum Vergleich: Vor einem Jahr lag dieser Wert noch mit ca. 20 Prozent weitaus niedriger. Für 2003 erwartet die META Group in Deutschland eine deutliche Steigerung des Verbreitungsgrades auf ca. 45 Prozent (der Verbreitungsgrad ist hier aber nicht mit dem Marktanteil zu verwechseln. Dieser liegt derzeit nur bei schätzungsweise fünf Prozent).

Linux als Server-Betriebssystem ist vor allem dort im Einsatz, wo keine kritischen Anforderungen an die Verfügbarkeit der Anwendungen gestellt werden, bzw. wo sich durch den Einsatz vieler redundanter Server eine Verteilung des Risikos ergibt. Heutzutage werden Linux-Server vor allem im infrastrukturellen Umfeld und im Produktionsumfeld genutzt. Dies sind vor allem Web-Server, Mail-Server, File- und Print-Server, kleinere Directory-Server und Groupware-Server. Linux wird zunehmend auch als Anwendungsserver und Datenbank-Server angenommen, allerdings betrifft dies nur limitierte Datenbankanwendungen. Festzuhalten ist aber, dass der bisherige Einsatz von Linux noch eher zurückhaltend war.

Hohe Zufriedenheit auf Lowend-Rechnern

Die Bedeutung von Linux für den Desktop-Bereich ist dagegen gering. Lediglich sieben Prozent der deutschen Unternehmen haben Desktop-Rechner mit Linux-Lizenzen im Einsatz. Die fehlenden Anwendungen im Desktop Bereich, die Dominanz der Microsoft-Produkte, der zu verbessernde Bedienungskomfort und der enorme Supportaufwand bzw. die Kompatibilitätsschwierigkeiten mit anderen Formaten bremsen die Entwicklung von Linux hier stärker als im Server-Bereich. Zudem sind die Office-Produkte von Microsoft durch ihre hohe Funktionalität und gute Integration in Serveranwendungen (z.B. Workflow-Systeme) nicht leicht zu ersetzen.

Die weitere Entwicklung von Linux ist von einer Vielzahl von Parametern abhängig. Der wichtigste dieser Parameter ist die technologische Weiterentwicklung im Sinne des Reifegrades und die Entwicklung von Total-Cost-of-Ownership-Berechnungen.

Die Untersuchungsergebnisse zeigen zudem deutlich, dass eine hohe Zufriedenheit mit Linux als Betriebssystem vorwiegend auf Lowend-Rechnern bekundet wird. Im besonderem Maße konnte die Stabilität und Performance von Linux überzeugen. Damit einher geht auch eine strategische Zunahme der Akzeptanz in den IT-Abteilungen von Unternehmen.

Die wichtigsten Einführungsgründe von Linux konzentrieren sich angesichts der allgemein schlechten Wirtschaftslage auf die Möglichkeit, Kosten zu reduzieren, d.h. Anschaffungskosten einzusparen. Überdies sollen auch während des Lebenszyklus des Linux-Betriebssystems weitere Kosten-einsparungen erreicht werden. Die TCO-Rechnung wird allerdings nur zugunsten von Linux ausfallen, wenn die Supportkosten deutlich niedriger liegen als diejenigen anderer Betriebssysteme. Der unüberlegte Einsatz von Linux kann hier zu Problemen führen. Die oftmals angestrengte Diskussion, dass Linux dem Anwender eine Alternative zu Microsoft bietet und ihn aus seiner Abhängigkeit löst, ist letztlich weniger ausschlaggebend und wäre nur dann bedeutsam, wenn sich aus dieser Konstellation direkte und konkrete Kostenimplikationen ableiten ließen.

Optimistische Zukunft

Die Zukunft von Linux als Server-Betriebssystem wird durchwegs optimistisch beurteilt. Allerdings wird nicht davon ausgegangen, dass Linux auf den bisher bekannten Highend-Plattformen sehr erfolgreich sein wird. Eher wird die Linux-Zukunft im Zusammenhang mit den IA 32 Bit- und IA 64 Bit-Plattformen gesehen. Dabei wird sich Linux zunächst vorwiegend auf die Serverlandschaft beschränken. Eine "Linux-Welle" im Desktop Bereich und für Mobility Devices (z.B. PDAs) wird nicht erwartet.

Die technologische Weiterentwicklung von Linux auf dem Mainframe wird von vielen Anbietern, allen voran IBM und SuSE, unterstützt. Dennoch beabsichtigen die Unternehmen, nur ausgesuchte Legacy-Anwendungen auf den Mainframe zu bringen oder die Konsolidierung von Servern auf dem Mainframe - wenn auf diesem noch Platz vorhanden ist - zu realisieren.

Der Dienstleistungsmarkt für Linux stellt noch kein großes Marktpotenzial für IT-Anbieter dar. Dieses Analyseergebnis ist angesichts der geringen Produktpreise und der fehlenden Akzeptanz bei der Masse der deutschen Unternehmen, die noch unreife Linux-Systeme mit unsicheren Support-Konzepten einsetzen, verständlich. Dennoch wird Linux zu einem wichtigen Infrastrukturthema avancieren. Dies wird sich dann auch positiv auf den Dienstleistungsmarkt auswirken.

Ein weiterer Grund für diese verhaltene Entwicklung des IT-Services Marktes für Linux ist neben der allgemeinen schlechten Marktlage auch die Positionierung von Linux als internes Integrationsthema. Für kleine interne Linux-Projekte wurden bislang keine Projekte intern oder extern ausgeschrieben, da man für die Einführung eines Low-Cost-Betriebssystems nicht zu viel für Beratungsleistungen bezahlen wollte und manche dieser Projekte sehr politisch waren; somit war eine größere Öffentlich-keit nicht immer erwünscht.

Vor dem Hintergrund einer verschärften Kostendiskussion und einer sich verschiebenden differenzierteren Haltung zur Informationstechnologie im Allgemeinen haben Linux und Open-Source-Software das Potenzial, den Markt für Betriebssysteme zu verändern. Eine Revolution bleibt aber eher aus. Die Frage heißt auch nicht "Linux gegen Windows und Unix", sondern "Welchen Anteil kann Linux gegenüber Unix und Windows erreichen?"

Abbildung: Linux-Entwicklungsszenarien bis 2005

Wandel im Markt

Im Markt für Server-Betriebssysteme vollzieht sich derzeit ein Wandel, der sich durch die Verschiebung der Marktanteile zwischen den großen Betriebssystemgruppen "Unix-Derivate", "Microsoft-Betriebssysteme" (NT, Windows 2000 und XP) und "Linux" ausdrückt. Hierfür können strukturelle Veränderungen als Gründe angeführt werden.

Zu diesen strukturellen Veränderungen gehört der steigende Reifegrad von Unix und Windows 2000 im Rechenzentrum. Dadurch erwachsen den Mainframe-Technologien in Unix- und Windows-Produkten ernstzunehmende Konkurrenten. Der traditionelle Vorsprung des skalierbaren, verläss-lichen und einfach zu administrierenden Mainframes wird immer kleiner und wird durch die geringeren Lizenz- und Wartungskosten auf Unix bzw. Windows 2000-Seite kompensiert.

Es ist weiterhin festzustellen, dass die Unix-Betriebssysteme immer stärker aus der allgemeinen Serverlandschaft in den Bereich Datenbanksysteme zurückgedrängt bzw. zum strategischen Betriebssystem für Mission-Critical-Anwendungen werden. In seinem angestammten Segment erfährt Unix durch Windows 2000 und Linux Konkurrenz, da diese auf der Basis von konsolidierten und volumenstarken Installationen von IA-32 Bit-Servern und durch die Konzeption von n-tier-Architekturen sowie die fortschreitende technologische Reife ihre Position im Enterprise Computing stetig verbessern werden.

In diesem Zusammenhang spielt die Standardisierung der Serverhardware und die Entwicklung von Servern zum Massen- und Volumenmarkt eine wichtige Rolle; sie lässt auch die Systemhersteller über ihre Strategien im Hardwaremarkt nachdenken und treibt vor allem die Entwicklung von IA-64 Bit Itanium Prozessoren voran. Systemhersteller stellen damit zu recht kritische Fragen zur Zukunft ihrer Unix-Server und Betriebssysteme. Diese Entwicklungen auf der Hardwareseite sind für alle Betriebssysteme von großer Bedeutung. Unix – mit Ausnahme von Solaris - wird in Richtung Legacy-Plattform getrieben und verliert damit einen Großteil der Aufmerksamkeit der ISVs. Als strategische Betriebssysteme gelten demnach langfristig Windows 2000 bzw. seine Nachfolgeversionen und Linux. Allerdings wird das Interesse an Unix nicht verloren gehen.

Prognose der META Group International

Linux hat derzeit einen Anteil von 15-20 Prozent an neuen Server-Betriebssysteminstallationen. Bis 2006/07 wird Linux seinen Anteil auf Intel-Servern (Lintel) auf 45 Prozent aller neu ausgelieferten Server steigern können. Intel-Prozessoren werden dann einen Anteil von 95 Prozent an den neu ausgelieferten Servern insgesamt erreicht haben.

Ab Ende 2004 werden Microsoft und seine Partner damit beginnen, einige der heute noch proprietären Anwendungs-Middlewareprodukte von Microsoft (z.B. .NET-Komponenten) auf Linux zu portieren. Dies wird dann auch schrittweise die wichtigsten Backoffice-Produkte wie den SQL Server, IIS und Exchange beinhalten. Die META Group geht weiterhin davon aus, dass Microsoft das Windows-Betriebssystem neu bepreisen und / oder auftrennen wird (z.B. in Kernel- und "Add-On"-Komponenten).

Durch die starke und wachsende Unterstützung der Systemhersteller werden in den nächsten 12-18 Monaten viele neue Anwendungen für Linux auf den Markt kommen und insbesondere die Bereiche Systems Management, Networking und Application Development verstärken. In 2003 werden führende IT User zu Linux migrieren und Nachahmungseffekte auslösen. Bis Ende 2003 noch wird das Management und die Administration von Linux ein wichtiges Marktthema sein. Jedoch wird die Skalierungsfähigkeit von Linux noch einige Jahren lang hinter der von Unix zurückbleiben.

Die internationale Research der META Group zeigt, dass die wichtigsten Kostenunterschiede zwischen den Betriebssystemen bei einem Vergleich von RISC- und Intel-Server-Architekturen entstehen. Weiterhin lassen sich auch durch die Wahl der Datenbanken (Oracle on Linux versus SQL Server on Windows) Kostenvorteile erzielen. Andere Kosten haben ungefähr dasselbe Niveau (z.B. Storage, Server, Middleware, Applikationen, Support). Durch die "Schatten"-IT-Kosten, die durch Linux zusätzlich verursacht werden, erhöht sich allerdings wiederum das Kostenniveau.

Obwohl Linux heute im Rechenzentrum mit ca. drei Prozent nur einen unbedeutenden Anteil hat, wird bis 2007 ein starkes Wachstum dieses Anteils auf ca. elf Prozent erwartet. Bis 2012 wird – bedingt durch die ökonomischen Vorteile auf Intel-Plattformen - sogar ein Anteil von 26 Prozent prognostiziert. Als großer Verlierer wird sich Unix entpuppen, dessen Anteil im selben Zeitraum von 40 Prozent auf 20 Prozent sinken wird. Intels Präsenz im Rechenzentrum wird sich in diesem Zusammenhang verstärken: 2007 wird Intel einen Anteil von 54 Prozent und 2012 einen Anteil von 82 Prozent haben, so die Ergebnisse der internationalen Research der META Group. Insbesondere RISC- und CISC-Plattformen werden darunter leiden.

Linux ist derzeit eine Plattform, die managbar ist, sich aber immer noch stark weiterentwickelt. Obwohl alle notwendigen Tools und Fähigkeiten verfügbar sind, wird dennoch immer noch die durchgängige Verfügbarkeit für alle Distributionen vermisst. Das hat im Vergleich zu anderen Betriebssystemen einen immer noch höheren Managementaufwand zur Folge. Die Supportkosten für Linux sind dabei ähnlich hoch wie für Unix.

Mehr Informationen zur Studie "Business Intelligence" der META Group finden Sie hier...


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