Das papierlose Büro wurde schon vor Jahren versprochen. Doch bis jetzt werden die meisten Computer noch wie Schreibmaschinen genutzt. Ein digitalisierter Datenaustausch wurde bisher von einem fehlenden Standardformat verhindert. Das kann sich jetzt mit ONIX (Online Information Exchange) ändern, denn der ONline Information eXchange ermöglicht einen automatisierten Workflow zwischen Hersteller, Lieferant und Distributor. Seit über zehn Jahren werden Computer betriebswirtschaftlich genützt. Innerbetriebliche Daten werden dabei schon länger über digitale Datenträger zwischen den Abteilungen kommuniziert. Die Kommunikation nach Außen, mit Herstellern, Lieferanten oder Distributoren, basiert dagegen immer noch weitgehend auf ausgedruckten Listen, Rechnungen oder Lieferscheinen, die dann kosten- und zeitaufwendig mit Kurier oder Post versendet werden müssen. Es fehlt an verbindlichen Standards, die die Datenmigration zwischen verschiedenen Datenbankformaten ermöglichen und dabei "abtippen" durch "konvertieren" ersetzen können.
Zu viel Papier, zu viele Wege
Auch der Buchhandel ist von diesem Problem nicht ausgenommen: Rechnungen, Bestellungen oder Versandlisten müssen erfasst, ausgedruckt und versendet, Listen redaktionell bearbeitet oder fehlende Marketingdaten nachträglich ergänzt werden. So ergeben sich geradezu absurde Situationen: Auf dem Computer eines Verlages wird eine Bestellung eingetippt, dann gedruckt und versendet, nur um auf Seiten des Lieferanten wieder abgetippt zu werden. Der Lieferant erstellt dann eine Rechnung, druckt und versendet sie, damit sie dann auf Seiten des Verlags wieder abgetippt wird. Kommunikation unter Partnern wird so erschwert und verteuert. Verlage sind dabei als Hersteller zusätzlich dazu angehalten, bibliographischen Daten und Werbematerialien an Grossisten und den Handel zu liefern. Teilweise ist die Datenbasis der Verlage aber so schlecht, dass man sich gezwungen sieht, fehlende Informationen über die eigenen Grossisten zu besorgen.
Mit ONIX und XML den Standard setzen
ONIX - ONline Information eXchange - kann diesen betriebswirtschaftlich optimierten Datenaustausch in der Buchbranche möglich machen. Bei ONIX handelt es sich um ein XML-Standardformat für angereicherte Metadaten über Bücher, Serials und andere Produkttypen des Buchhandels. ONIX wurde ursprünglich für den Internetbuchhandel entwickelt und wird mittlerweile auch von Verlagen, Barsortimenten, bibliographischen Agenturen, Bibliotheken und dem Buchhandel benutzt. ONIX-Formate enthalten alle relevanten Daten zum jeweiligen Produkt, darunter bibliographische Informationen, Stammdaten (Adressen), Logistikdaten (Lieferung) oder Preise. Dabei beschreibt der Begriff ONIX das Formular, in dem die Daten fixiert werden, XML die Programmiersprache, die zur Erstellung der Formulare verwandt wird. XML wird mittlerweile von allen Software-Anbietern als Datenaustausch-Standard anerkannt, in vielen Branchen wurde die Definition eigener XML-Austauschformate begonnen oder bereits abgeschlossen.
Userorientierte Entwicklung
Standards wie ONIX müssen anerkannt und verbindlich zertifiziert werden. Dies ist geschehen: ONIX wird inzwischen unter der Regie von EDItEUR, der internationalen Dachorganisation für die Standardisierung im Buchhandel, weiterentwickelt. Getragen wird EDItEUR von Verbänden aus dem Buchhandel und dem Verlags- und Bibliothekswesen. Diese enge Verzahnung von Interessengruppen und Entwicklern hat zu der enormen Leistungsfähigkeit und Flexibilität von ONIX geführt. So ermöglicht ONIX die Abbildung auch seltener bibliografischer Produkte wie z.B. Serienpublikationen. Die sukzessive Weiterentwicklung garantiert zudem ein hohes Maß an Anpassungsfähigkeit an aktuelle Markt- und Produktentwicklungen.
Marketing online
ONIX bietet außerdem einen weiteren großen Vorteil: den nackten bibliografischen Daten können auch Marketingdaten, also Umschlagbilder, Autorenfotos, Rezensionen oder Leseproben, hinzugefügt werden. Diese "visuellen" Daten können in Media Asset Management Systemen wie zum Beispiel jadis.net von der Zweitwerk Software Engineering GmbH verwaltet werden. Für Verlage bietet sich für die Erstellung eines elektronischen Katalogs mit Neuerscheinungen dann folgende Perspektive: aus einem Verlagssystem wie zum Beispiel Klopotek oder Eddy werden die Daten an ein Media Asset Management System weitergegeben, dort mit Werbemitteln versehen und schließlich im ONIX-Format exportiert. Die ONIX-Dateien können Händlern und Grossisten für den Download zur Verfügung gestellt oder zugesendet werden. ONIX kann dabei zusätzlich auch als hausinternes Austauschformat genutzt werden.
Fazit
Die Zukunft ist digital, auch in den Verlagen. Internet und XLM bieten die Basis für eine verkürzte "time to market" und eine Optimierung von supply chains. ONIX ist auf dieser Basis das Standardisierungstool, das Investitionssicherheit bei Partnern schafft, Kosten spart und Synergien schafft.
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