Am Center for Enterprise Research (CER) der Universität Potsdam wurde eine Marktrecherche zum Funktionsumfang von ERP-Systemen durchgeführt. Hierzu wurden 40 ERP-Anbieter im deutschsprachigen Raum befragt.
ERP-Systeme sind wichtige unternehmensweite Anwendungssysteme, die das Management unterschiedlicher Unternehmensressourcen erlauben. Da die Entwicklung von komplexen ERP-Systemen zum Teil aus sehr unterschiedlichen Bereichen (z.B. MES oder Finanzbuchhaltung) kommt, weisen auch die aktuell auf dem Markt befindlichen ERP-Systeme unterschiedliche Schwerpunkte und Ausprägungen in ihren Modulen auf. Weiterhin weist die Entwicklung der ERP-Systeme oft auch einen speziellen Branchenfokus auf, der sich dann im Funktionsumfang widerspiegelt.
Bild 1: Anzahl der Projekte im Jahr 2007
Oft haben ERP-Anbieter ihre Systeme auf spezielle Branchen spezialisiert. Etwa neunzig Prozent der in der Marktrecherche berücksichtigten Hersteller von ERP-Systemen bieten vorkonfigurierte Branchenmodelle an. Am häufigsten wird der Maschinen- und Anlagenbau bedient, aber auch Branchen wie Handel, Dienstleistung, Nahrungs- und Genussmittel, Kunststoffverarbeitung sowie die Metallindustrie werden des Öfteren mit branchenspezifischen Lösungen versorgt. Neun Anbieter dieser Recherche bieten keine vorkonfigurierten Branchenmodelle an.
Die Zielgruppen der verschiedenen ERP-Lösungen sind nahezu gleichmäßig zwischen der Einmal-, Kleinserien-, Serien-, Massen-, Fließ- und Prozessfertigung sowie Dienstleistung und Handel verteilt. Wobei zu erwähnen ist, dass unter dem Punkt Sonstige besonders häufig die Variantenfertigung hervorgehoben wurde.
Ein ERP-System kann unterschiedliche produktionsorientierte Module im Portfolio aufweisen. In dieser Recherche wurde nach folgenden Modulen gefragt: Anlagenverwaltung, APS (Advanced Planning and Scheduling), Betriebsdatenerfassung, Fertigungsleitstand, Instandhaltungsmanagement, Kennzahlensystem, Laborinformationssysteme, Maschinendatenerfassung, MES, Qualitätsmanagement, Rezepturverwaltung, Stücklistenverwaltung, Supply Chain Management, Variantenmanagement und Zeitwirtschaft. Von über 90% an der Recherche teilnehmenden Unternehmen werden bei den produktionsorientierten Modulen die Betriebsdatenerfassung und die Stücklistenverwaltung in ihrer ERP-Lösung berücksichtigt. Im Gegensatz dazu ist das Angebot bei den Laborinformationssystemen und der Rezepturverwaltung am geringsten.
Im Bereich des Daten- und Prozessmanagements wird mit Abstand am häufigsten das Modul Reporting/Statistik (39 Systeme) angeboten. Weiterhin bieten einige Systeme Data Warehousing (27 Systeme), Business Process Management (23 Systeme), Enterprise Performance Management (22 Systeme) und Data Mining (16 Systeme) an. Von einigen Unternehmen werden auch das Online Analytical Processing (OLAP), Module für das Controlling oder Master Data Management, angeboten.
Bild 2: Alleinstellungsmerkmale aus Sicht der Anbieter
Nahezu alle ERP-Lösungen decken im Bereich Logistik die Module Inventur, Kommissionierung, Lagerverwaltung, Seriennummern-/Chargenverwaltung und Warenwirtschaft ab. Und auch für die Tourenverwaltung wird von 21 der teilnehmenden ERP-Systeme ein entsprechendes Modul angeboten. Im Bereich Konstruktion und Entwicklung warten insgesamt 23 der 40 teilnehmenden ERP-Lösungen mit einem Modul für die Konstruktionsdatenverwaltung auf und 22 Unternehmen integrierten in die von ihnen angebotene ERP-Software das Product Lifecycle Management. Auch PDM-Systeme und die Prozesssimulation werden von 19 bzw. 12 ERP-Systemen berücksichtigt.
Die Anzahl der mit den vorgestellten ERP-Lösungen bearbeiteten Projekte im Jahr 2007 hängt selbstverständlich eng mit der Größe der jeweiligen Unternehmen zusammen. Zwölf der befragten Unternehmen haben im vergangenen Jahr 20-50 Projekte durchgeführt. Jeweils 6 Unternehmen gaben an, weniger als 10 Projekte sowie Projekte mit der Anzahl zwischen 50 und 100 durchgeführt zu haben.
Weiterhin wurden die Unternehmen nach der Sicherstellung der Zukunftsfähigkeit ihrer ERP-Systeme befragt. Die am häufigsten genannten Antworten beziehen sich auf die Umsetzung der Kundenanforderungen in jährlichen Updates (8 Nennungen). Weiterhin wurden häufig die Bereitstellung von Services, Plattformunabhängigkeit sowie der Einsatz von modernen Technologiestandards zur Sicherstellung der Zukunftsfähigkeit genannt.
Für viele Unternehmen stellen sich zum Zuge der Investitionsentscheidung Fragen, wie z.B.: "Rechnet sich die Investition in eine ERP-Lösung?", "Wie hoch sind die erzielbaren Einsparungen?", "Wann wird sich die ERP-Einführung amortisieren?" und "Wie hoch ist der Return on Investment?" [1]. Im Rahmen der ERP-Einführung ist es daher sinnvoll Wirtschaftlichkeitsbetrachtungen durchzuführen. Die Recherche ergab, dass 17 Anbieter im Rahmen der ERP-Einführung den Kunden die Durchführung von Wirtschaftlichkeitsanalysen anbieten. Sieben ERP-Anbieter gaben dazu die Nutzung einer speziellen Methode an.
Da eine Vielzahl an ERP-Systemen auf dem Markt existiert, wurde im Zuge der Marktrecherche nach dem Alleinstellungsmerkmal der jeweiligen ERP-Lösung gefragt. 14 Unternehmen sahen ihr Alleinstellungsmerkmal im umfangreichen Funktionsumfang ihrer ERP-Lösung. 6 Anbieter hingegen gaben ihre spezielle Branchenorientierung als Alleinstellungsmerkmal an. Weiterhin wurden in diesem Zusammenhang die Kundenorientierung, durchgängig integrierte Workflowfunktionalität, die Integration von Web Services, Usability, gutes Preis-Leistungs-Verhältnis, Skalierbarkeit sowie die durchgängige Integration aller Geschäftsprozesse genannt.
Die Recherche zeigt einen Überblick über 40 ERP-Lösungen. Es lässt sich eine Tendenz im ERP-Markt hinsichtlich der Wirtschaftlichkeitsbetrachtung festhalten. Anbieter haben zunehmend erkannt, dass bei einer Investitionsentscheidung, eine Wirtschaftlichkeitsuntersuchung sinnvoll ist.
Die gesamte Übersicht wird auf www.erp-management.de zum Download zur Verfügung gestellt.
Literatur:
[1] Gronau, N.; Lindemann, M.; Schmid, S.:ROI-basierte Auswahl von ERP Systemen, In: Gronau, N.; Schmid, S., ERPAuswahl erfolgreich gestalten. GITOVerlag, Berlin 2007, S. 358- 373
01/2009, Tanja Eisbrenner
Tanja Eisbrenner ist studentische Mitarbeiterin am Center for Enterprise Research (CER) der Universität Potsdam.
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