Googelt man den Begriff "Microblogging" (Stand: November 2009), so kommt man auf stolze 25.800.000 Treffer. Geht man noch einen Schritt weiter und lässt Google nach "Enterprise Microblogging" suchen, ist man mit rund 490.000 Treffern dabei. Hier soll es um den Business-Ansatz bzw. um eigenständige Tools für professionelles Microblogging gehen.
Die stark frequentierten Internet-Tools und -Dienste wie Twitter oder Jaiku sind dabei für eine sichere und qualitativ anspruchsvolle Unternehmenskommunikation weniger geeignet, was jedoch nicht deren Prinzip infrage stellt. Projektkommunikation, Dokumentationen, komplexe Abläufe und Prozesse verlangen nach professionellen Instrumenten, die das Microblogging erst Enterprise-ready machen. Anstelle der auf Personen ("follow") ausgerichteten, geht es dabei um eine zielgerichtete und themenorientierte Kommunikation. Eine gewisse Ordnung und Struktur wird ebenso verlangt wie Vertraulichkeit und Zugriffsschutz (thematisch) sowie die dauerhafte Speicherung von Inhalten. All das ist mit Twitter und zusätzlichen Diensten kaum zu leisten.
Microblogging-Services im Netz
Neue Dienste und Lösungen, die Microblogging auf den Enterprise-2.0-Level heben können, sind aktuell in der Entwicklung bzw. schon vorhanden. (Eine Übersicht über die verschiedenen Applikationen von professionellem Microblogging findet man in einem Beitrag von Joachim Niemeier.) So richtet sich der Dienst " HelloTxt " an Nutzer mehrerer Microblogging-Dienste.
"Mit Hilfe von HelloTxt ist es möglich, über ein integriertes Dashboard mehrere Microblogging-Services gleichzeitig zu nutzen. Die Arbeit mit den Diensten wird so um einiges einfacher als die Bedienung über einzelne Oberflächen. Gerade den 'Heavy Usern' von Microblogging-Diensten werden die Augen bei der Einfachheit von HelloTxt leuchten. Dabei ist zu beachten, dass sich HelloTxt in der Beta Phase befindet und es noch diverse Änderungen zu erwarten gibt." So die Autoren der Blogpiloten . Weiter heißt es dort: "Der Service von HelloTxt ist eine gute Sache für die Heavy-User von Web 2.0-Anwendungen. Das Design ist schlicht und gefällt sehr gut, genau wie das übersichtliche und einfach zu bedienende Menü. Was fehlt ist die Einbindung von Blog-Diensten wie Blogspot. Da sich HelloTxt aber noch in der Beta-Phase befindet, bleibt zu hoffen, dass auch weitere bekannte Dienste Einzug in das Dashboard von HelloTxt finden. Wer keine Lust hat, die ganzen Web 2.0-Anwendungen einzeln anzusteuern, der hat mit HelloTxt eine hübsche und gute Alternative gefunden."
"Microblogging for the Enterprise”
Einen Schritt weiter gehen Softwarelösungen wie Communote , die sich als Kommunikationsplattform für firmenweites, auf Arbeitsthemen orientiertes Microblogging verstehen. Wikis, Blogs & Co. spielen in den Unternehmen mittlerweile eine wichtige Rolle. Kurznachrichten, Notizen, Hinweise und Hyperlinks lassen sich damit wesentlich einfacher handhaben als mit den klassischen Kommunikationskanälen. Die Free-Versionen im Netz wie Twitter eignen sich gut für den Aufbau und die Pflege sozialer Netzwerke und für Marketingzwecke, jedoch eher weniger für den Einsatz innerhalb des Unternehmens. Professionelle Tools sorgen hier für die notwendige thematische Ausrichtung, sichere Kommunikation, eine klare Struktur, die Vertraulichkeit der Daten sowie eine dauerhafte Speicherung der Inhalte. Einsatzbereiche sind beispielsweise die Kommunikation und Dokumentation in Projekten, die Begleitung von Veränderungs- und Strategieprozessen im Management, die Dokumentation von Kundenkontakten im Vertrieb und Support oder sogar Schichttagebücher in der Produktion.
Twitter bleibt nicht "allein zu Haus"
Deshalb wird es bei Twitter & Co. nicht allein bleiben. So wurde im Januar 2009 in Hamburg Europas erste Microblogging-Konferenz veranstaltet, die MBC09 , mit einer Folgeveranstaltung im September. Cem Basmann, Initiator der ersten MBC09, über das Microblogging: "Microblogging ist ein starker und wichtiger Trend. Jeden Tag passiert etwas Neues. Vom Microblogging gehen momentan die stärksten Impulse ins Web. Es geht nicht nur um den Austausch von kurzen privaten Nachrichten im Freundeskreis zum Zeitvertreib, sondern hier entsteht ein Medium, das auch für die Gesellschaft und die Wirtschaft zahlreiche Anwendungen und Chancen bietet. Ein hochinteressantes Feld." Die Stoßrichtung geht in den unternehmensweiten Einsatz von Enterprise 2.0 und der dazu passenden Instrumente wie "Enterprise Social Messaging", die netzwerkorientierte unternehmensinterne Kommunikation.
Microblogging in der Praxis
Professionelle Microblogging-Dienste eignen sich beispielsweise für die informelle Projektkommunikation in größeren Software-Entwicklungsprojekten. Mehrere Endkunden, darunter ein Generalunterunternehmer, zwei Sublieferanten, das eigene Entwicklungsteam, die Fachberater, der Vertrieb und natürlich das Projektmanagement selbst haben eine Plattform bzw. einen Channel, um direkt zu kommunizieren und wichtige Informationen ad hoc zu verbreiten. In diesem Fall wurde der Microblogging-Dienst in den auf SharePoint basierenden Projektraum integriert. Ursprünglich für die rein informelle Projektkommunikation gedacht, hat sich der Microblogging-Dienst über das Projekt hinaus innerhalb kürzester Zeit für das Projektmanagement, das Entwicklungsteam und den Vertrieb zur zentralen Drehscheibe in der Unternehmenskommunikation entwickelt. Für die Abstimmung der Anforderungen haben sich die Wege verkürzt, der "E-Mail-Spam" ist drastisch zurückgegangen und auf Kundenseite beeindruckt der hohe Dokumentationsgrad des Projektes sowie die entstandene Prozessqualität.
Handfeste Regel für das Microblogging
Natürlich gibt es für Microblogging-Dienste handfeste Herausforderungen:
- Wie werden informelle Informationen von dokumentationsrelevanten Inhalten unterschieden?
- Wie wird sichergestellt, dass Konzeptdokumente, Protokolle, Absprachen, Entscheidungen u. a. in den entsprechenden Bereichen des Projektraums abgelegt werden?
- Wie wird der Datenschutz für die vertraulichen Kundeninformationen sichergestellt?
- Was soll weiterhin (noch) über E-Mail verbreitet werden?
In diesem Fall wurden gemeinsam mit der Projektleitung die Dokumentationsrichtlinien erweitert, die Datenschutzrichtlinien überprüft und alle Teammitglieder auf die Grundlagen der Zusammenarbeit verpflichtet, Stichwort Corporate Governance. Das mag auf den ersten Blick der Web-2.0-Philosophie einer freien, selbstorganisierten Kommunikation widersprechen, ist jedoch im Unternehmenskontext eines professionellen Einsatzes unumgänglich.
Als Fazit kann festgehalten werden, dass Microblogging das Potenzial hat, ein wesentlicher Bestandteil der zukünftigen Kommunikationsinfrastruktur zu werden. Die erstaunlich schnelle Akzeptanz und Eigendynamik dieses Channels ist nur mit E-Mail und SMS zu vergleichen, oder, wie einer der Anwender treffend bemerkte: "Microblogging ist öffentliches SMSn mit dem Webbrowser".
Dieser Beitrag erschien im Fachmagazin DOK, Ausgabe 3-09 September 09 .














