Twitter ist aktuell ja in aller Munde, sogar das TIME Magazine hat dem Service vor wenigen Tagen die Titelseite gewidmet. Und DELL verkündete vor Kurzem bereits 3 Millionen Dollar mit seinem Twitter Account verdient zu haben.
Aber was ist Twitter eigentlich? Und was macht es so besonders im Vergleich zu den "klassischen" Online Kanälen?
Twitter ist ein sogenannter Micro-Blogging Dienst – entstanden mit der Idee Nachrichten von Mobiltelefonen zu veröffentlichen. Der Dienst zeichnet sich durch die Kürze der Nachrichten – maximal 140 Zeichen sind erlaubt – und der Veröffentlichung in Echtzeit aus. Die Zahl der sogenannten Tweets – so heißen die Postings in Twitter – sind aber unbegrenzt.
Twitter von Simon Loebel
Interessiere ich mich für die Tweets eines anderen Users, kann ich diesem "followen". Ich bekomme dann alle seine Tweets in meinen Account. Gleichzeitig folgen mir natürlich auch andere User. Diese heißen dann "Follower" und sehen meine Updates.
Follower sind einer der Multiplikatoren in der Twitter-Welt, sie sind quasi die unmittelbare Reichweite meines Accounts.
Mit dem Kürzel RT "zitiere" ich den Tweet eines anderen Twitter-ers in meine eigene Timeline. Diese "Retweets" sehen auch wieder alle meine Follower. Wird ein Tweet oft "Retweeted" wird er von sehr vielen Usern gelesen und erreicht damit eine enorme Reichweite.
Retweeting ist ein weiterer mächtiger Multiplikator in Twitter. Es stellt eine mittelbare Reichweite dar, die aber schnell explodieren kann.
Mit einem Hash # gebe ich meinem Tweet bestimmte Schlagworte mit. Hashs sind der dritte Multiplikator in Twitter. Viele User verfolgen Themen-Hashs und werden dadurch auf Tweets aufmerksam gemacht.
Natürlich gibt es in Twitter auch eine Suche mit der ich Volltext in allen Tweets suchen kann. Dazu muss der User nicht angemeldet sein.
Die Frage wie Twitter sinnvoll im Unternehmen eingesetzt werden kann, ist nicht leicht zu beantworten. Noch hat sich keine klare Erfolgsstrategie herauskristallisiert – selbst Twitter hat noch kein funktionierendes Geschäftsmodell gefunden. Trotzdem darf man sich dem Kanal nicht verschließen, will man dem Zug nicht irgendwann hinter herschauen.
Frage 1: Welches Ziel soll mit Twitter verfolgt werden? Markenaufbau, Abverkauf oder Kundenbindung? Oder alles davon?
Frage 2: Hat das Unternehmen Inhalte, die Mehrwert für andere User darstellen und gleichzeitig auf die Ziele einzahlen?
Frage 3: Gibt es im Unternehmen einen Mitarbeiter der Zeit, Lust und die notwendige Schreibe besitzt, um regelmäßig zu twittern?
Frage 4: Wird das Unternehmen oder werden die Produkte bereits auf Twitter diskutiert?
Frage 5: Ist das Unternehmen und vor allem das Management bereit für Web 2.0 in seiner vielleicht extremsten Form?
Insbesondere der letzte Punkt ist nicht leicht zu beantworten. Web 2.0 ist nicht klassische PR (und schon gar keine Fake-PR) – hier gelten andere (bessere?) Regeln. Gerade im Krisenfall ist Web 2.0 ein Risiko – überstürzte Aktionen können hier verheerend wirken, fehlende Reaktionen aber auch. Um Probleme zu vermeiden: Offenheit, Ehrlichkeit und Kritikfähigkeit sind die Grundpfeiler für einen erfolgreichen Web 2.0 Einsatz.
Hat man sich für den Einsatz von Twitter entschieden und geeignete Mitarbeiter und Themen gefunden, gibt es eine Reihe von Grundregeln, die eingehalten werden sollten:
Vorsicht: (Fast) Alles in Twitter ist öffentlich und wird lange gespeichert (und durch Google) gefunden. Also erst denken, dann twittern.
Und dann heißt es dran bleiben, ausprobieren und auch mal eine Niederlage einstecken. Das führt am Ende zum Erfolg. Es gibt bei Twitter einfach noch kein Erfolgsrezept – nur Grundrezepte. Aber: Twitter honoriert inspirierende Ideen.
Der letzte Punkt ist dabei leider kein Scherz. Egal ob man Twitter einsetzen will oder nicht: Jedes mittlere oder große Unternehmen benötigt Social Media Guidelines. Aber das ist ein anderes Thema.
Twitter alleine ist kein Social Media Marketing. Nur ein (kleiner) Baustein, der gerade mächtig gehyped wird. Man muss Twitter und andere Social Media Marketing Instrumente als Teil der integrierten digitalen Kommunikation verstehen. Dann wird man erfolgreich sein.
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