Geschäftschancen


06.08.2003

Geschäftschancen

Das wichtigste Ergebnis auf die Frage nach besonderen Chancen für Existenzgründungen und neue Geschäftsbereiche lässt sich in einem Wort zusammenfassen: "Dienstleistungen". Zum Teil wurden die besonderen Chancen eines Dienstleistungsengagements mit dem besonderen Nachholbedarf der "Dienstleistungswüste" Deutschland begründet. Als weiterer Grund wurde die gegenwärtige konjunkturelle Lage genannt, in der keine Gelder für größere Investitionen im technischen oder Anwendungsbereich, vielmehr allenfalls für laufende Dienstleistungen zur Verfügung stehen. Die Kostensenkungsprogramme vieler Anbieter sowie ihr Rückzug auf Kerngeschäftsbereiche führten dazu, dass eine Reihe von Serviceaufgaben nicht mehr oder nur mehr unzureichend wahrgenommen wurde (Beispiel: Help Desk, Wartung). In diesen freigewordenen Bereichen können sich Existenzgründer positionieren. Als besonders viel versprechende Dienstleistungsbereiche wurden vor allem der Beratungsbereich sowie "Qualifizierung, E-Learning" genannt.

Die Experten hoben die besondere Bedeutung der Informationswirtschaft als eine die gesamte Volkswirtschaft durchdringende Querschnittstechnologie hervor, wenn sie von Anwendungen wie Logistik, Mikrotechnik, Nanotechnologie, Energietechnik und Handwerk sprachen oder auf besondere Chancen von E-Government sowie im Gesundheitswesen und in der Automobilindustrie eingingen. Die eindeutigen "Gewinner des Jahres 2002" sind Sicherheit im Netz, individualisierte und auf kleine Zielgruppen zielende Produkte und Dienstleistungen sowie E-Government. Die "Verlierer des Jahres 2002", Mobilkommunikation und E-Commerce, dürften allerdings auf mittlere Sicht eine Renaissance erfahren.

Ungeachtet des konjunkturellen Einbruchs bewerteten die Experten ihre mittel- und längerfristigen Geschäftsaussichten über die Jahre konstant positiv. Auf die Frage nach technologischen Durchbrüchen sowie nach weitgehend neuen Produkten und Dienstleistungen, also nach den längerfristigen Perspektiven der Informationswirtschaft, ergab sich die folgende Verteilung der Antworten:

  • 73 % informationswirtschaftliche Produktbereiche
  • 12 % Entwicklungen außerhalb der Informationswirtschaft (z. B. Biotechnologie, Umweltbereich)
  • 11 % Anwendermärkte
  • 4 % keine Durchbrüche.

Innerhalb der Informationswirtschaft sahen die Experten an mittelfristigen Durchbruchsbereichen:

Kooperationsprobleme zwischen Anbietern und Anwendern. Nach den Ergebnissen des 2. Trendberichts bestehen gravierende Kooperationsprobleme zwischen Anbietern und informationswirtschaftlichen Anwendern aus dem privaten Bereich, obgleich die Anbieter gerade hier ihre größten kommerziellen Chancen haben ("Chancenparadox"). Um hier zu vertiefenden Einsichten zu kommen und Ansatzpunkte für eine verbesserte Zusammenarbeit zwischen Anbietern und Anwendern zu schaffen, wurden 2002 zwei Expertenworkshops - für die norddeutsche Informationswirtschaft in Kooperation mit der AIIM sowie für die Teilbranche "Elektronische Informationsdienste" in München - durchgeführt. Die Ergebnisse wurden in so genannten "Hamburger Thesen" und "Schwabinger Thesen" zusammengefasst. Wie sich zeigte, brennen der Praxis in der Tat die bestehenden Probleme "auf den Nägeln" und besteht ein großes Interesse, die begonnene Zusammenarbeit fortzuführen.

Wie die Ergebnisse zum 3. Trendbericht zeigen, sind die Kooperationsprobleme im Private-Public-Bereich als noch gravierender als im Private-Private-Bereich einzuschätzen, da zusätzlich zu den in beiden Bereichen bestehenden Problemen die Lage durch die hohe Regulierungsdichte des öffentlichen Sektors und zu wenig Pragmatismus auf Seiten der Privaten erschwert wird. So zeigte sich der private Bereich in einem nur geringen Maße bereit, die Spezifika des öffentlichen Bereiches in seinen Kooperationsbemühungen zu beachten und lastete er dem öffentlichen Bereich weitgehend die Schuld an bestehenden Kooperationsproblemen an. Das wurde auch von den Experten aus dem öffentlichen Bereich so gesehen, die ein fast schon "übermenschliches Einfühlungsvermögen und Verständnis" für die andere Seite zeigten, statt die eigenen Spezifika und Interessen gegenüber dem privaten Sektor offensiv zu vertreten.

Der private Bereich wünscht sich in der Zusammenarbeit mit dem öffentlichen Bereich vor allem einen institutionellen und personellen Partner, mit dem man professionell ein gemeinsames Projekt durchziehen kann. Dazu gehören kompetente und motivierte Ansprechpartner, Transparenz der Vorgänge, Verständnis für den anderen, partnerschaftliche Gestaltung des Kooperationsprozesses, Schnelligkeit und Entscheidungsfähigkeit, Einfachheit und Vereinfachung der Zusammenarbeit sowie Flexibilität. Der öffentliche Bereich wünscht sich von seinem Kooperationspartner aus dem privaten Bereich vor allem Verständnis für die Gegebenheiten und Aufgaben der eigenen Seite.

Die Entwicklung der deutschen Informationswirtschaft bis 2007 - Ergebnisse einer Expertenumfrage im Auftrage des Bundesministeriums für Wirtschaft und Arbeit, 538 Seiten, Hattingen 2003 - kostenfrei auch kapitelweise herunterzuladen .

Quelle: Ausgabe 20030710 des PROJECT CONSULT Newsletters , ISSN 1439-0809.




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Autor

  • Dr. Willi Bredemeier

Dr. Willi Bredemeier ist Geschäftsführer und Herausgeber von PASSWORD. PASSWORD ist WebPartner von PROJECT CONSULT.




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