Monitoring Informationswirtschaft - 3. Trendbericht 2003


06.08.2003

Für den 3. Trendbericht wurden 111 Experten aus Informations- und Kommunikationstechnik, Telekommunikation, Elektronischen Informationsdiensten und E-Commerce gebeten, einen Blick in die informationswirtschaftliche Zukunft zu wagen. Aus den Ergebnissen:

Konjunkturelle Erwartungen

Bis zum Jahre 2001 hatte es aus der Sicht aller befragten Experten ein nahezu uneingeschränktes Wachstum in der deutschen Informationswirtschaft gegeben. So blickten im Jahre 2001 98,5 % auf eine Aufwärtsentwicklung in den vergangenen zwölf Monaten zurück. 2002 kam es zu einem weitgehenden Stimmungsumschwung zum Schlechteren - nicht zuletzt bewirkt durch eine Ausweitung der Krise der New Economy auf die Online-Werbung, die Verlage und die audiovisuellen Medien. Zwar wurde für 2003 eine verbesserte wirtschaftliche Entwicklung erwartet. Doch bleibt der erwartete Aufschwung, würden sich die Erwartungen der Experten realisieren, weitgehend hinter den Entwicklungen der Boomjahre zurück:

  • 2002 Abschwung: Das Jahr 2002 erleben 57 % der Experten als einen Abschwung (zum Vergleich: Stagnation 26 %, Aufschwung 11 %).
  • 2003 Stagnation: Hingegen wurde für 2003 seitens der Experten zu 46 % eine Stagnation vorausgesehen (zum Vergleich 22 % Abschwung, 27 % Aufschwung).

Beschäftigungs- und Qualifikationsentwicklung

Nach den Angaben der Experten kam es 2001/2 sowohl in ihrer Teilbranche als auch im Gesamtmarkt der Informationswirtschaft ganz überwiegend zu Beschäftigungsverlusten. 75 % sahen einen solchen Rückgang bezogen auf die gesamte Informationswirtschaft, 71 % bezogen auf ihre Branche. Diesen Verlusten standen kaum expandierende Unternehmen gegenüber. Solches war, bezogen auf die Informationswirtschaft, nur nach 3 %, bezogen auf die eigene Teilbranche, nur nach 4 % aller Nennungen der Fall. Anscheinend war das Beste, was einem Unternehmen unter den rezessiven Bedingungen des Jahres 2002 widerfahren konnte, den eigenen Mitarbeiterbestand konstant zu halten. An Fehlern, die die gegenwärtige Krise mit verursacht hatten, wurden den informationswirtschaftlichen Unternehmen vor allem vorgehalten: Fehlen neuer Strategien und mangelnde Perspektiven, defizitäre Kunden- und Nutzerorientierung sowie falsche Personalpolitik, insbesondere Einstellungen über den bestehenden Bedarf hinaus.

2001/2 stuften im Durchschnitt 54 % der Experten alle vorgeschlagenen Maßnahmen zum "Qualifikationserwerb" als prioritär ein. 2002/3 war dieser Anteil lediglich auf 53 % zurückgegangen. Dabei war die Dringlichkeit, die die Experten Fragen des Qualifikationserwerbs zuordneten, bereits im Jahr 2001/2 sehr hoch gewesen. Demnach wurden die strukturellen Probleme des Qualifikationserwerbs von dem gegenwärtigen konjunkturellen Einbruch im Arbeitsmarkt lediglich überlagert und bestehen gravierende Defizite beispielsweise im "Matching" zwischen angebotenen und nachgefragten Qualifikationen auf dem informationswirtschaftlichen Arbeitsmarkt nach wie vor.

Fasst man mehrere Bewertungsindikatoren zu aktuellen Entwicklungen zum Qualifikationserwerb zusammen, so kam der Unternehmensbereich auf einen Wert von 2,12 (das heißt, dass hier 2,12 positive Stimmen einer negativen Stimme gegenüberstanden). Die Qualifizierungspolitik der Unternehmungen wird also nach wie vor positiv beurteilt. Mit einem Gesamtwert von 0,95 war die Bewertung der Bildungseinrichtungen zwar niedriger, aber keineswegs eindeutig negativ. Angesicht der weit schlechteren Ergebnisse für 2001 und 2002 ist man sogar versucht, die Bildungseinrichtungen als den großen Image-Gewinner des Jahres 2002 anzusehen. Allerdings lässt die weite Streuung der Bewertungen an der Stabilität der gewonnenen Beurteilungen für die kommenden Jahre zweifeln. Mit einem Indikatorwert von 0,19 - das heißt, dass hier auf eine positive Stimme in etwa fünf negative Stimmen kamen - fuhr der politische Bereich im Meinungsbild der Experten das schlechteste Ergebnis seit 1999 ein. Damit verbunden hat die Politik die Rolle des "qualifikationspolitischen Sündenbocks" von den Bildungseinrichtungen aus dem 2. Trendbericht übernommen. Soweit es im Jahre 2002 etwa im Zuge des Bundestagswahlkampfes zu politischen Polarisierungsprozessen gekommen ist, kann dies eine Ausschöpfung von Kooperationspotenzialen zwischen Wirtschaft, Bildungseinrichtungen und politischem Bereich, wie sie seit drei Jahren von den informationswirtschaftlichen Experten für erforderlich gehalten wird, behindern.




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Autor

  • Dr. Willi Bredemeier

Dr. Willi Bredemeier ist Geschäftsführer und Herausgeber von PASSWORD. PASSWORD ist WebPartner von PROJECT CONSULT.




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