Eines der Highlights der Innovate Developer Conference von eBay, PayPal und Magento, die von über 3.500 Entwicklern aus aller Welt besucht wurde, war die Präsentation von X.commerce, einer neuen E-Commerce-Plattform von eBay. Ralf Lieser, Leiter Quality Assurance und Technical-Consultant bei der netz98 new media GmbH, war live vor Ort und konnte hautnah die wichtigsten Informationen, Trends und Entwicklungen zu den E-Commerce Lösungen Magento und X.commerce in Erfahrung bringen. Im Folgenden die Antworten auf die wichtigsten Fragen zu Magento und X.commerce.
Yoav Kutner, Co-Founder und CTO bei Magento, versprach im Rahmen der Konferenz, dass Magento, trotz des Kaufs durch eBay, Open Source als wichtigsten Baustein der Magento Community beibehalten wird. Open Source sei der Schlüssel zum Erfolg von Magento und der Grund dafür, dass so viele Leute in der Lage sind, Magento aus Entwicklersicht zu "lernen". Magento soll künftig als Teil der eBay Familie noch stärker wachsen, um auch weiterhin die Nummer 1 aller Open Source Shopsysteme zu bleiben.
Befürchtungen, Magento würde durch die Übernahme durch eBay zunehmend kommerzialisiert, wurden somit zerstreut. Zwar ist unbestritten, dass die Übernahme durch große Unternehmen immer auch einen gewissen Flexibilitätsverlust mit sich bringen kann, jedoch setzen hunderttausende Entwickler und Händler auf Magento als Shopsystem und erwarten eine dementsprechende Konsistenz. So versichert Magento noch einmal nachdrücklich, dass es auch in Zukunft eine kostenlose Magento Community Edition geben wird.
X.commerce kann man als ein Operationssystem für E-Commerce beschreiben. Basierend auf Magento bietet X.commerce eine hoch integrierte Zusammenfassung von Angebots-, Bezahl- und Marketingplattformen. X.commerce erlaubt es, verschiedene externe Plattformen und Dienste unabhängig von deren Shopsystem zu verknüpfen und zu nutzen. So kann künftig bspw. eBay auf sehr einfache Weise an einen Magento-Shop angebunden werden. Durch das Zusammenfassen von allen Kanälen auf dieser Plattform entsteht demnach ein Magento, das dem Händler den gewünschten Magento-Shop bietet. Gleichzeitig kann von dieser Basis aus jeder weitere Vertriebskanal genutzt und gesteuert werden, sei es nun eBay, milo.com, ein Mobile-Shop oder ein beliebig anderes System. Zurzeit bindet X.commerce zwar lediglich die Dienste solcher Unternehmen an, die zum eBay Mutterkonzern gehören. Für die Zukunft ist jedoch zu erwarten, dass die Anbindung weiterer maßgeblicher Player im E-Commerce folgen wird.
Matthew Mengerink, Vice President und General Manager X.commerce, beschreibt X.commerce als "the most complete set of e-commerce tools" – eine Aussage, an der sich X.commerce also in Zukunft messen lassen muss. Angestrebt ist darüber hinaus, die Integration von Facebook als vollständigen Vertriebskanal in Magento. Mit Spannung zu erwarten ist der neue Paypal Access – eine Commerce ID, mit der Benutzer einen kompletten Check-out nur mit Eingabe von Benutzername und Passwort durchführen können.
X.commerce stellt kein Konkurrenzprodukt zu Magento dar, ganz im Gegenteil: Magento ist das Shopsystem, mittels dessen X.commerce die verschiedenen Teile und Systeme verbindet. Ziel von X.commerce ist es, eine interessante und offene Ergänzung zu jedem beliebigen Shopsystem zu bieten. Wie Magento auch ist X.commerce Open Source und somit voll anfassbar durch Programmierung und Design. Die Möglichkeiten, die Magento-Shops durch die Nutzung von X.commerce eröffnet werden, wie etwa lukrative und spannende Multi-Channel-Ansätze, sind somit als sehr positiv zu werten. X.commerce stellt für jeden Entwickler ein kostenloses Developer Package zur Verfügung, das alle wichtigen Informationen und Komponenten enthält, die benötigt werden, um X.commerce Anwendungen entwickeln, testen und implementieren zu können.
Yoav Kutner äußerte sich noch nicht zu Funktionalitäten oder Neuerungen der zu erwartenden Version 1.12 der Magento Enterprise Edition. Er deutete jedoch an, dass in Zukunft fest mit zwei Major Releases jährlich gerechnet werden könne.
Es wurde nochmals auf einige Funktionen der Magento Enterprise Edition 1.11 eingegangen und hierbei die persistente Shopping Cart in den Vordergrund gestellt. Die persistente Shopping Cart kommt dem veränderten Einkaufsverhalten der Nutzer entgegen: Kunden eines Magento Stores können ihren Einkauf bequem von unterschiedlichen, auch mobilen, Endgeräten durchführen. Durch den Einsatz eines Langzeit-Cookies können sie ihren Einkauf jederzeit unterbrechen und wieder fortsetzen, unabhängig davon, ob sie am gleichen Gerät eingeloggt sind oder wie weit der Einkauf fortgeschritten war.
Magento Mobile soll eine günstige Möglichkeit für Händler darstellen, einen Mobile-Store direkt als native App für Android, iPhone und iPad zu erstellen. In Kombination mit der bereits erwähnten PayPal Access-Funktion werden Kunden in Zukunft auch via Smartphone mit wenigen Klicks bestellen können.
Der Launch von Magento 2.0 wird ein Meilenstein in der Erfolgsgeschichte von Magento sein. Wichtig ist, dass Magento 2.0 voll kompatibel zu den Magento 1.x-Versionen sein wird. So können Händler, die zum aktuellen Zeitpunkt in Magento einsteigen wollen, die derzeit aktuelle Version verwenden, um dann später ein Upgrade durchzuführen. Es muss also nicht auf Magento 2.0 gewartet werden.
Magento 2.0 wird das Resultat eines umfangreichen Magento-Refactorings sein, das die Verbesserung der Qualitätsstandards ermöglicht. Auch in anderen Bereichen wird Magento 2.0 eine optimierte Qualität und vor allem Stabilität bieten können: Unit Tests, Integration Tests, Functional Tests und Performance Tests werden nun im großen Stil Einzug halten. Gleichzeitig werden Testsuites von Magento verfügbar gemacht, sodass bei der Entwicklung von Magento Qualitätsstandards direkt und stetig überprüft werden können. Der Integration Test stellt für Magento derzeit den wichtigsten Aspekt dar. Bei einem Integration Test wird das Gesamtwerk getestet. Es wird somit geprüft, ob es in den verschiedenen Einsatzumgebungen funktioniert und die gewünschte Stabilität bietet. Unit Tests werden das zweite Standbein bilden und dienen zum Testen von berechenbaren Funktionen. Zukünftig wird Magento auf die gleichen Tools und Workflows setzen, die netz98 bereits seit einigen Jahren verwendet, beispielsweise phpcs, phpmd oder phpcpd.
Für Magento und X.commerce sollen die Entwickler künftig noch mehr einbezogen werden. Daher wurde der Magento Marketplace, eine Sammlung verfügbarer Magento Extensions, rundum erneuert und verbessert.
Um den recht großen Qualitätsunterschieden der jeweiligen Magento Module innerhalb von Magento Connect Herr zu werden, hat Magento "Trusted Extensions" eingeführt. Jene Module, die das Siegel "Trusted Extensions" tragen, wurden vom Magento Core Team auf Qualität und Kompatibilität überprüft. Die Anwendung dieses Prüfsiegels ist derzeit nur für Magento Go verfügbar. Künftig soll es aber für alle Magento Extensions und Module eingesetzt werden können.
Hinsichtlich der Usability bietet Magento Connect nach dem Relaunch eine neue, verbesserte Oberfläche, die eine Vielzahl von Filtermöglichkeiten bereithält. Module können nun entsprechend ihrer Produktzugehörigkeit gefiltert dargestellt werden, was die Auffindbarkeit erheblich vereinfacht.
Der Besuch auf der Innovate Developer Conference in San Francisco hat einmal mehr bewiesen, dass wir mit Magento auf das richtige Pferd gesetzt haben. Unsere Erwartungen wurden, sowohl aus Entwickler- als auch Beratersicht, vollends erfüllt. Insbesondere die Ausweitung der Dokumentation und die Einführung modernster Test Frameworks werden künftig ein noch besseres und performanteres Magento bieten. Man darf gespannt sein, was die Einführung von X.commerce mit sich bringen wird – wir freuen uns schon jetzt darauf, dass wir unseren Magento-Händlern bald noch mehr Funktionalitäten und Möglichkeiten im E-Commerce anbieten können.
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