"Ich habe ein komplettes Communityportal an einem Wochenende aufgesetzt, inklusive Design,Rechtevergabe für alle Module und ein paar Contentseiten. Ein befreundeter TYPO3-Gestalter sagte mir, von so etwas könne er nur träumen" argumentierte einPostNuke-Anhänger in einer Diskussion, die sich mit den Vor- und Nachteilen von ContentManagement Systemen beschäftigen. In der PostNuke-Community ist Unsicherheit ausgebrochen,was die Position und die weitere Entwicklung des CMS betrifft.
Ist da noch Platz für diesen älteren "Saurier", der größtenteils noch das Look and Feel aus den Anfangszeiten desContentmanagements hat?
PostNuke ist aus dem CMS PHP-Nuke von Franciso Burzi entstanden. Einige Anwender warendamit unzufrieden, dass das System nur von einer Person entwickelt werden konnte. Im Jahre2001 hat eine kleinere Community von Entwicklern begonnen, auf der Basis von PHP-Nuke eineigenes System zu entwickeln. Äußerlich erinnert das System noch sehr stark an seinenVorfahren. Wer die aktuelle Version 0.764 heute installiert, fühlt sich in die Geschichteder Contentmanagement-Systeme zurückversetzt.
Die Administrationsoberfläche ist dem des Vorgängersystems sehr ähnlich und auch einigeStandard-Layouts erinnern an alte PHP-Nuke-Zeiten. DieTopics/Categories/Sections-Unterteilung macht gleichfalls einen etwas verstaubtenEindruck. - Ist PostNuke wirklich veraltet?
Admin-Bereich einer Standard-Installation
Eastpress Media ist im Jahre 2005 auf dieses System gestoßen,als es darum ging, ein barrierefreies CMS für den Arbeiter-Samariter-Bund Leipzig zu implementieren. Hier überraschte PostNuke mitEigenschaften, die die "Platzhirsche" TYPO3 und Joomla nicht zu bieten hatten: Mitentsprechenden Templates konnte man ein nahezu tabellenfreies Layout erzeugen (TYPO3 hatinzwischen nachgezogen, aber bei Joomla kommt man bis heute nicht ohne einige Code-Hacksaus).
Der Core von PostNuke erzeugt keine Tabellen mehr, das eingesetzte Vorlagen-Systemist außerordentlich flexibel und begünstigt barrierefreie Layouts. Die PostNuke-Entwicklerhaben sich hierbei frühzeitig für die Smarty Template Engine entschieden, die eine außerordentliche Flexibilität bei der Gestaltung von Layoutsermöglicht und heute praktisch als Standard für PHP-Anwendungen gilt. TYPO3, Joomla oderdas Blogging-System Wordpress können hier nur mit "hauseigenen" Lösungen aufwarten.
Überraschend war auch, dass für PostNuke, obwohl die Entwickler-Gemeinschaftvergleichsweise klein ist, eine große Anzahl von Modulen zur Verfügung steht. Sowohl fürein Forum als auch für Gästebücher, Formulare, Wikis, Blogs, Galerien, Shops und vieleweitere Anwendungen gibt es ausgereifte Lösungen.
Da PostNuke von Haus aus wenigMöglichkeiten zur Gestaltung von statischen Inhalten bietet, ist die Installation einesContent-Moduls sehr zu empfehlen. Das umfassendste und flexibelste Modul hierzu heißtPageSetter. Bedauerlich ist, dass die Entwicklung einiger Module wie das PostCalendareingestellt wurde. Neuere Kalender-Module sind im entstehen. Sie haben jedoch bisher nichtden Funktionsumfang von PostCalendar erreicht. Die meisten Module gestatten die Gestaltungeigener, smarty-basierter Templates, die an zentraler Stelle hinterlegt werden können, sodass bei einem Modul-Update frühere Layout-Veränderungen erhalten bleiben.
Sehr gewöhnungsbedürftig ist das Kern-Modul zur Rechtevergabe. Für jedes Modul und nahezujede Modulfunktion können Rechte in neun Stufen von "keines", "Übersicht", "Lesen","Kommentieren", "Moderieren", "Editieren", "Hinzufügen", "Löschen" bis zu "Administrieren"vergeben werden. Wenn die Vorlagen standardgerecht eingerichtet sind, sind die Funktionen,für die der Benutzer keine Rechte hat, unsichtbar. Das Modul der Zugriffsrechte sorgtzusammen mit dem Sicherheitssystem (pnAntiCracker) für einen hohen Sicherheitsstandard desCMS. Alle Angriffe auf das System werden dem Administrator detailliert gemeldet.
In naher Zukunft steht ein Entwicklungssprung von PostNuke auf die Version 0.8 an, in derman sich von vielen veralteten Elementen getrennt hat. Die Programmierschnittstelle fürModule (API) wurde grundlegend überarbeitet und eine Datenbank-Abstraktionsschichthinzugefügt, die es ermöglicht mit mehreren Datenbanken zu arbeiten.
Dieser bevorstehende Release hat die Diskussion über die Zukunft des Systems neu entfacht.Welchen Platz soll das System innerhalb der inzwischen stark gewachsenen Anzahlvergleichbarer Systeme einnehmen? Soll es stärker die Privatnutzer, Unternehmen oderCommunities ansprechen? Soll es eher als Framework oder als vollständigesContent-Management System weiterentwickelt werden? Auch hier dienen TYPO3 und Joomla alsOrientierunspunkte.
Joomla ist ein CMS das ohne Erweiterungen bereits eine große Anzahlvon Funktionen beinhaltet. TYPO3 setzt eher auf die Framework-Idee: An ein Core-System,das nur Grundfunktionen bietet, kann man beliebig viele Module andocken. In Bezug aufPostNuke kann man feststellen, dass es sich eher in Richtung Application Frameworkentwickelt hat, da derzeit sogar 'Kern-Funktionen' wie Content- und News-Erstellungzumeist über zusätzliche Module realisiert werden.
Funktionsweise des PostNuke-Systems. Quelle: www.pn-cms.de
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