Und wie findet man zum Win-Win-Content?


09.10.2003

Anders als in klassischen Printredaktionen basiert Content-Planung für Websites nicht allein auf professioneller Intuition. Soll die passgenaue Adressierung der Zielgruppe gelingen, dann braucht es eine möglichst genaue Kenntnis der Zielgruppen-Interessen und entsprechend zugkräftige Keywords. Um sich ein exaktes und noch dazu stets aktuelles Bild von den Interessen der Nutzer zu machen, sind Websites geniale Instrumente - wer ihre Controlling- und Tracking-Möglichkeiten nicht nutzt, vergibt ohne Not große Chancen.

Insbesondere Suchmaschinen spielen als Keyword-Lieferanten eine bedeutende Rolle und liefern Anhaltspunkte für Win-Win-Content kostenlos frei Haus. An Möglichkeiten, die in den großen Suchmaschinen meistbenutzten Keywords zu ermitteln, herrscht kein Mangel. Listen mit den TOPKeywords können Sie fast auf jeder größeren Suchmaschine einsehen (siehe Schaubild).

Google nutz das Wissen über die aktuell am häufigsten benutzten Suchbegriffe für seinen Zeitgeist-Service. Für spezielle Zielgruppen ist der praktische Nutzwert solcher Listen eher gering. Zur Vergrößerung bitte klicken.

Frei zugängliche Suchbegriff-Listen großer Suchmaschinen haben jedoch ein entscheidendes Manko: Für die Zwecke einer Corporate Site haben sie nur begrenzten Nutzwert. Wenn Sie eine spezielle Zielgruppe ansprechen wollen, dann bringen Ihnen Wörter, die regelmäßig zu den Top50 unter den im Internet verwendeten Suchbegriffen zählen, keinen Vorteil. So zählt "Sex" beispielsweise nach wie vor zu den Top-Suchbegriffen im Web - nur was bringt.s, wenn die Website eines Maschinenbau-Unternehmens das Wort "sex" enthält und auf eine Anfrage nach "sex" gefunden wird? Das Schielen auf die vermeintlichen Keyword-Klassiker bringt schon aus diesem Grund wenig bis gar nichts.

Themen-unspezifische Top-Keywords

Einzige Ausnahme sind themen-unspezifische Top-Keywords. "Kostenlos" und seine Synonyme besitzen beispielsweise regelmäßig und in wohl allen denkbaren Kontexten Zugkraft. Um ein Keyword wie "gratis" auf Ihrer Site verwenden zu können, müssen Sie Ihre Produkte und Dienstleistungen ja nicht gleich komplett für lau unters Volk bringen. Es reicht völlig, wenn Sie flankierende Services gratis offerieren, etwa Newsletter oder Studien, Community-Zugänge oder Ratgeber-Informationen. Themen-unspezifi sche Keywords sollten Sie sich also etwas genauer anschauen. Sollten Sie in den Live-Suchen der großen Suchmaschinen auf ähnlich unverfängliche und attraktive Begriffe wie im Fall "kostenlos" stoßen, dann greifen Sie zu. Ansonsten aber bitte Finger weg von den am häufi gsten benutzten Suchbegriffen, denn auffallen kann man damit zwar immer, meist aber nur negativ.

Viel wichtiger ist, dass Sie sich beim Keywording auf Ihre eigenen Möglichkeiten und Instrumente besinnen und die Interessen Ihrer Nutzer einbeziehen. Eigentlich gilt es nur diese eine Frage zu beantworten: Was wollen die Nutzer lesen, was wollen sie wissen, was wollen sie machen können?

TIPP

Nutzen Sie Ihren Firmennamen, eingeführte Produktnamen und die Sprache Ihrer Kundenzielgruppe (beispielsweise Begriffe aus dem Slang einer Jugendszene oder aus einem Fachjargon). Diese Begriffe werden Sie unter den Top500-Standard-Keywords nur in Ausnahmefällen finden - und gerade deshalb sind sie für die Ansprache eng umrissener Zielgruppen deutlich zugkräftiger und sorgen für geringe Streuverluste. Wer beispielsweise "Therapien" für "Makuladegeneration" anzubieten hat, konkurriert im Internet nur mit einer kleinen Zahl alternativer Sites und wird deshalb auch schneller gefunden.

Auch der Blick auf Ihre unmittelbaren Konkurrenzsites kann für erste Anregungen oder Optimierungen lohnend sein, sollte aber im Bewusstsein geschehen, dass Abkupfern juristische Probleme aufwerfen kann. Insbesondere markenrechtliche Fragen spielen in diesem Kontext immer wieder Fiktives Beispiel: Ein autorisierter Mercedes-Händler, der Mercedes-Automobile verkauft, kann für die Keywords seiner Website sicher ohne weiteres den Begriff "Mercedes" verwenden; setzt dagegen ein Hotelier den Begriff "Mercedes" in die Meta-Tags seines Website-Quelltextes, dann sieht die Sache schon anders aus. Grund: Man könnte darin den wettbewerbswidrigen Versuch erkennen, dass Webnutzer mit dem markenrechtlich geschützten Begriff "Mercedes" unlauter auf die eigene Site gelockt werden sollen. Mehr Details zur Verwendung von Metatags und Schlüsselbegriffen finden Sie im finden Sie im Web .




Autor

  • Stefan Heijnk

Stefan Heijnk M. A. ist Journalist, Texttrainer und Fachbuchautor. In den letzten Jahren hat er zahlreiche namhafte Web-Redaktionen von Zeitungen, Fachzeitschriften, Fernseh- und Rundfunksendern als Inhouse-Trainer beraten und geschult.



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