Weitere Ansätze und Ausblick


07.07.2006

Andere Ansätze

Web 2.0 fordert jedoch mit seiner Funktionsweise auch die Anbieter von Content Management Systemen heraus, die Lösungen für die asynchrone Kommunikation bereitstellen müssen. Es geht hier nicht nur um andere Verfahren sondern auch um neue architektonische Ansätze, die mit herkömmlichen Schnittstellen nicht zu bedienen sind. Betrachtet man hier das Umfeld von ECM Enterprise Content Management einmal näher, so stellt man fest, dass hier sehr unterschiedliche Strategien zur Bereitstellung von Inhalten in Web-basierten Anwendungen zu verzeichnen sind. Verschiedene Portalstrategien mit eigenständigen technologischen Ausprägungen stehen hier im Wettbewerb, so z.B. IBM Websphere versus SAP Netweaver versus Microsoft Sharepoint versus ... versus ... Auch Portlet-Standards sind hier nicht immer kompatibel und im Wettlauf um die führende Rolle auf den Desktops der Anwender ist dies wohl auch gewollt. Ansätze zur Vereinheitlichung gab es schon viele:

Ein Interface zur Anbindung ist WebDAV Web-based Distributed Authoring and Versioning, ein offener Standard zur Bereitstellung von Dateien im Internet. An diesem Standard arbeiten drei Arbeitsgruppen der IETF Internet Engineering Task Force, die WebDAV Working Group, die DASL Working Group und die Delta-V Working Group, um auf der Basis von HTTP Netzwerk-Standards zu schaffen, mit denen Dokumente und Dateien im Netzwerk verändert und geschrieben werden können. Aus technischer Sicht handelt es sich bei WebDAV um eine Erweiterung des Protokolls HTTP/1.1, wobei bestimmte Einschränkungen von HTTP beseitigt wurden. So können beispielsweise durch WebDAV ganze Verzeichnisse übertragen werden, während bisher in Online-Formularen häufig nur die Möglichkeit bestand, einzelne Dateien hochzuladen.

Ein anderer Ansatz sind die JSR Standards 170 und 283 die unter der Leitung von Day Software entwickelt wurden. Der JSR Java Specification Request 170 Standard definiert eine einheitliche Schnittstelle für Programmieranwendungen API Application Programming Interface für den Zugriff auf einen Content-Speicherort. So sollte das Zusammenwirken von Applikationen und Content Repositories grundlegend vereinfacht und sichergestellt werden, damit Unternehmen ihre geschäftsrelevanten Inhalte unternehmensweit effizient ablegen und verwalten können.

JSR 283 löst nunmehr JSR 170 ab. Auch JSR 283 wurde von der Content Management Firma Day entwickelt, die das Standardisierungsgremium treibt. Eigentlich war JSR 283 als Ergänzung von JSR 170 gedacht, brachte jedoch so viele Veränderungen mit sich, dass man heute den jüngeren Standard als Ersatz für JSR 170 betrachten muss. Zu den Erweiterungen zählen neben einer umfangreicheren Verwaltung der Benutzerrechte auch neue Funktionen zur Bewirtschaftung von Workspaces und Node-Typen. Damit soll JSR 283 die Verwaltung von Metainformation vereinfachen und Internationalisierung von Content unterstützen. Alle diese Interfaces scheinen aber wenig geeignet, die notwendige Funktionalität zur Einbindung von Content Management Systemen in echte Web 2.0 Anwendungen zu ermöglichen. Nur wenige Anbieter rüsten sich derzeit mit Funktionalität, die ihnen den Zugang in die Welt des Web 2.0 ermöglichen. Ein derzeit noch recht einsames Beispiel ist lediglich Stellent. Hier gehören Wikis und Blogs bereits zum ECM-Inventar.

Ausblick

Die Idee des Web 2.0 und die damit verbundenen neuen Ansätze zur Nutzung und Präsentation von Inhalten im Internet werden auch eine Reihe von Anpassungen in den gängigen Web Content Management und Enterprise Content Management Systemen nach sich ziehen. Web 2.0 wird so nicht nur die Internetnutzung in den nächsten Jahren stark beeinflussen, sondern auch die Schnittstellen und Arbeitsweise von Content Management Systemen. Vorteil von Web 2.0 ist, dass es auf die Wünsche der Anwender besser Rücksicht nimmt in Bezug auf die so genannte "Usability". Man könnte auch sagen, dass sich die User mit Web 2.0 das Web wieder zurückholen. Ein an den Bedürfnissen der Anwender ausgerichtetes Web wird den Desktop auf einem lokalen oder vernetztes Arbeitsplatzrechner weiter ersetzen und die Grenzen zwischen den Medien verschwimmen lassen.

Betrachtet man in diesem Zusammenhang die "4 i" der Nutzung des Internets, wie sie PROJECT CONSULT im Jahr 2001 formuliert wurden

  • i1 Image: einfache Präsenz im Internet ohne Interaktion;
  • i2 Information: Bereitstellung von Information im Internet;
  • i3 Interaktion: Interaktion mit den Nutzern des Internet-Angebotes;
  • i4 Integration: Zusammenführung des Internetangebotes mit den Inhouse-Lösungen

befinden uns mit Web 2.0 erst im "i3-Stadium". Mit Web 2.0 wird aber der Schritt zur Verlagerung von Anwendungen in das Internet, sei es öffentlich, sei es als geschlossene Firmenseite, getan.

Web 2.0 ist damit auch ein Angriff auf bestehende Paradigmen wie z.B. auf die von Microsoft bereitgestellten Betriebssysteme, Serverprogramme und Anwendungssoftwarepakete.

Web 2.0 ermöglicht die Verlagerung der lokalen Arbeitsumgebungen in das Internet – ein wichtiger Ansatz; wichtiger als dass, was zur Zeit als "Web 2.0 Hype" in Bezug auf Blogs, Communities oder Wikis geschrieben wird. Nahezu alle Analysten sind sich einig, dass Suchmaschinen der neuen Generation, Wikis, RSS, Community Software und webbasierte Office-Produkte immer mehr Einfluss auf den ECM-Markt gewinnen.

Web 2.0 technologisch betrachtet hat damit die Chance unsere Welt zu verändern wie seinerzeit mit die ersten PCs, das Betriebssystem Windows und das Internet. Mit dem Web 2.0 machen wir den nächsten entscheidenden Schritt in die Zukunft der Informationsgesellschaft.




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  • Dr. Ulrich Kampffmeyer, Fabian Hammerschmidt

Dr. Ulrich Kampffmeyer ist Geschäftsführer, Fabian Hammerschmidt Redakteur der PROJECT CONSULT Unternehmensberatung.




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