Das Internet ist von seinen kleinen wissenschaftlichen Anfängen im ArpaNet nunmehr in Gestalt des Webs zu einem Massenphänomen geworden. Jeder kennt das Web, immer mehr Menschen nutzen es. Protokolle und Programmierumgebungen haben dem Web ein eigenständiges Gepräge gegeben. Nicht immer logisch und ergonomisch in der Nutzung, jedoch allgemein bekannt und weitgehend akzeptiert. Man hat sich mit den Restriktionen des Webs eingerichtet. Jedoch gibt es immer wieder Anläufe, Verbesserungen und sogar neue Plattformen jenseits des herkömmlichen Webs einzuführen. So ist auch Web 2.0 ein solcher Anlauf, der seine Wurzeln bereits im vergangenen Jahrtausend hat.
Eine anerkannte einheitliche Definition von Web 2.0 sucht man vergeblich
Aus technischer Sicht steht der Begriff Web 2.0 für eine Kombination aus Technologien, welche bereits Ende der 1990er Jahre entwickelt wurden, z.B. Web-Service APIs, Ajax und Abonnement-Dienste wie RSS, häufiger und öffentlichkeitswirksamer werden dem Begriff auch Schlagwörter wie Soziales Web, Blogs und Wikis zugerechnet. Eine anerkannte einheitliche Definition von Web 2.0 und welche Technologien dem Begriff zuzurechnen sind, sucht man allerdings vergeblich. So wird der Begriff zurzeit recht beliebig eingesetzt und teilweise als Beschreibung für alles genutzt was im Web neu und interessant scheint.
Eine wichtige Veränderung die sich hinter Web 2.0 verbirgt ist, dass nicht mehr die Programme auf dem Rechner zählen, sondern das Internet selbst die Anwendung wird. Die großen Anbieter wie Microsoft sehen daher Google als berechtigte Bedrohung. Die Bedeutung der lokalen Datenhaltung könnte, im Zuge der zunehmenden Mobilität, immer schneller an Bedeutung verlieren. So ist es dann nicht mehr wichtig wo man ist, sondern wie man auf das Internet zugreift (z.B. WLAN o. UMTS), weil Daten und Content immer und überall verfügbar sind.
Betrachtet man aber die im Zusammenhang mit dem gerne als Marketing-Instrument benutzen Web 2.0 genannten Begriffe genauer, fällt auf, dass es sich nicht um neue Techniken oder Ideen handeln muss, sondern es oft schon länger bekannte Dinge sind, die sich jetzt langsam durchsetzen.
Web 2.0: ein Blick auf Technologien und Schnittstellen
Nimmt man die Perzeption des Begriffes Web 2.0 von O`Reilly als Maßstab, dann würde sich Web 2.0 weniger mit Technologien als mit Kommunikationsformen verbinden lassen: Blogs, Social Communities, Wikis, Content Syndication und neuen Ansätzen von E-Business. Längst gehen diese Ansätze über das bisherige Managen von Webseiten und traditionelles Content Management hinaus. Es stellt sich hier die Frage, ob Content Management Produkte überhaupt für Web 2.0 vorbereitet sind. Dies soll ein Blick auf Technologien und Schnittstellen näher beleuchten.
Ajax
Im Zusammenhang mit Web 2.0 wird auch immer wieder die Technik Ajax Asynchronous JavaScript and XML, die Elemente von JavaScript, XML, CSS und DOM vereint, um interaktive, Desktop-ähnliche Webanwendungen zu realisieren, genannt. Durch die asynchronen Datenübertragung zwischen einem Server und dem Browser muss die html-Seite nicht mit jeder http-Anfrage komplett neu geladen werde. So werden auch Sites realisierbar, die auf den Anwender weniger wie Websites, sonder eher wie lokale Anwendungen wirken (z.B. die Amazon-Suchmaschine A9, der Bilderdienst Flickr oder Google Suggest).
Web 2.0 gewinnt durch AJAX an Momentum. Die Abarbeitung von Prozessen und die Nutzung von Diensten werden durch AJAX beliebig steuerbar. Anwendungen, die bisher nur auf dem Client oder im lokalen Netzwerk über den Client nutzbar waren, werden damit auch im Internet mit Webmitteln bei ähnlich komfortabler Bedienbarkeit nutzbar.
Einer der wesentlichen Ansätze von AJAX ist es die bekannten Probleme des Kommunikationsprotokolls http zu überwinden. Die vollständige Übertragung von Seiten, z.B. beim Ausfüllen von Formularen, ist beim AJAX-Ansatz nicht mehr notwendig – nur noch Änderungen werden übermittelt. Die Asynchronität ermöglicht damit neue Konzepte, auch in Richtung SOA Service orientierter Architekturen, umzusetzen.
Auch AJAX hat noch eine Reihe immanenter Probleme, die vor einer breiten Nutzung noch gelöst werden müssen. Dies erklärt auch die bisher nur sehr zurückhaltende Anwendung dieses technologischen Ansatzes. Die Vorzüge, die AJAX in der Interaktion mit den Nutzern bietet, werden jedoch den Einsatz zukünftig beflügeln. Webbasierte Workflow- und Dokumentenmanagementanwendungen mit hohem Datentransmissionsvolumen und intensiver Interaktion werden von AJAX besonders profitieren.
Durch die Gründung der Open-Ajax-Initiative hat sich auch eine Reihe von namhaften IT-Unternehmen zusammengefunden, welche AJAX in der Open-Source-Community weiter verbreiten wollen. So sollen durch ein gemeinsames Entwicklungs- und Debugging-Framework Kompatibilitätsprobleme beseitigt werden, wodurch Software-Entwicklern ein professionelles Werkzeuge an die Hand gegeben würde.
An dem Projekt beteiligen sich bisher IBM, Google, Yahoo, Borland, BEA, Novell, Zend, Laszlo Systems, Zimbra und Red Hat und die Open-Source-Projekte Dojo, Eclipse und Mozilla.
Microsoft ist kein Unterstützer der Initiative, weil der Konzern an einem eigenen Rich Client namens "Windows Presentation Foundation" arbeitet. Ähnlich verhält es sich mit Tibco Systems, das Unternehmen entwickelt momentan ein eigenes Framework zu Erstellung von AJAX-Clients mit dem Namen "General Interface".
Natürlich bergen die aufgezeigten Vorteile der Entwicklung aber auch auf die Konsequenzen und Gefahren, die sich im Zusammenhang mit Web 2.0 durch das wachsende Wissen auf globalen Servern auftun. Die globale Abrufbarkeit persönlicher Daten wird rapide zunehmen, wodurch Konsum- und Bewegungsprofile im Internet noch detaillierter zusammengestellt werden können. Besonders fraglich wird es wenn globale Kommunikationskonzerne durch Suchmaschinen über Web-2.0-Angebote an detaillierte Nutzer-Daten und Konsum-Profile gelangen, die an anderer Stelle zur Gewinnoptimierung verwertet werden.
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