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Aktueller Buchtipp

Ulrike Grafberger, Thomas Hörner: Texten für das Internet: Ein Ratgeber für den erfolgreichen Web-Auftritt

Erschienen: Juli 2009

Der Ratgeber spricht alle an, die mit ihrer Website ein besseres Image, mehr Besucher oder höhere Verkäufe erreichen wollen – also praktisch alle Website-Betreiber. Dabei bleiben die Autoren immer eng beim Thema. Technische Details, Hinweise zur Gestaltung oder zum Projektablauf ersparen sie dem Leser. Auch die Hinführung zum Thema ist erfreulich kurz.

Mit dem zweiten Kapitel fängt es an, interessant zu werden. Nach ganz wenig Theorie, die hier gut passt, geht es gleich los mit der Wirkung verschiedener Schreibstile. Und die Autoren stellen gleich an den Anfang die Fragen: Was ist eigentlich das Ziel meines Textes, den ich gerade schreiben will und für wen will ich schreiben? Im Buch folgen Tipps und Besonderheiten für jede Zielgruppe: Kinder, Jugendliche, Erwachsene, ältere Menschen und den Bereich Business-to-Business.

Schreibtipps

In den nächsten Kapiteln folgen jede Menge Tipps zum Schreiben besserer Texte. Die Autoren bleiben nicht dabei stehen, Marketinggewäsch zu verbieten. Sondern sie raten auch, alle Angaben zur Firma oder zu deren Angebot zu hinterfragen. Ein Beispiel: "Wir bieten eine große Auswahl." Klingt erst mal in Ordnung. Doch was heißt "groß"? Kann man das mit Zahlen belegen? Sonst muss der Besucher der Site das einfach glauben. Und nachdem auf jeder Site steht, dass die Auswahl groß ist, ist die Aussage entwertet.

Nach diesem Muster geben die Autoren Tipps zum Auffinden weiterer häufigen Worthülsen und dafür, wie man sie vermeidet.

Und ganz wichtig, für die Texte wie auch die Wörter gilt, kurz sollen sie sein. Wut, Spaß, Kraft – je kürzer ein Wort, desto wirkungsvoller. Bemerkenswert finde ich auch den Tipp, Zahlen lieber nicht auszuschreiben. Im Journalismus lernt man noch, dass Zahlen bis zwölf ausgeschrieben werden. Aber für das schnelle Überfliegen von Texten im Web ist es tatsächlich besser, auch die Zahlen von 1 bis 12 als Ziffern zu schreiben.

Suchmaschinen-Optimierung

Gleich am Anfang des Buches thematisieren Grafberger und Hörner die Problematik, dass Seiten einerseits so geschrieben werden sollten, dass sie gut lesbar sind – und Seiten andererseits so geschrieben werden sollten, dass Suchmaschinen sie in den Trefferlisten weit oben einsortieren. Diesen Spagat erwähnen sie immer wieder und es ist schön, wie undogmatisch sie dabei sind. Man merkt, dass hier Menschen schreiben, die gute Texte machen wollen und keine Suchmaschinen-Optimierer. Dennoch erklären die Autoren immer, worauf man achten muss, dass zum Beispiel die Keyworddichte so ist, dass die Suchmaschinen eine Seite als relevant für ein bestimmtes Schlagwort (Keyword) erkennen.

Schattenseiten

Leider bin ich aber mit einigen Stellen im Buch nicht einverstanden. Dabei muss ich dazu sagen, dass ich natürlich nicht unbefangen bin – als Kollege neigt man ja dazu, überkritisch zu sein.

Die Autoren zitieren die angebliche Studie der Uni Cambridge, die seit Jahren durch das Web geistert (S. 41):

    Afugrnud enier Sduite an enier Elingshcen Unvirestiät ist es eagl, in wlehcer Rienhnelfoge die Bcuhtsbaen in eniem Wrot sethen, das enizg wcihitge dbaei ist, dsas der estre und lzete Bcuhtsbae am rcihgiten Paltz snid.
Schon 2003 wurde klar, dass diese Studie so nie durchgeführt wurde. Das findet man auch mit einer schnellen Web-Recherche heraus.

Das Buch zitiert die "Drei-Klick-Regel": Nicht mehr als drei Klicks sollte ein Benutzer brauchen, um die gesuchte Information zu finden. Dass das viel zu kurz greift, hat spätestens Steve Krug 2000 mit seinem Buch "Don't make me think!" gezeigt. Es kommt darauf an, ob dem Benutzer auf jeder Seite sofort klar ist, was er anklicken muss. Die absolute Zahl der Klicks spielt eine vollkommen untergeordnete Rolle.

Als Beispiel für eine gute Newsletter-Betreffzeile nennt das Buch: "Gewinnen Sie ein Genuss-Wochenende" (S. 166). Wenige Zeilen davor, auf derselben Seite, wird vor Begriffen im Betreff gewarnt, die E-Mails mit hoher Wahrscheinlichkeit in den Spam-Ordner befördern – "gewinnen Sie" ist m. E. genau so ein Begriff.

Fazit

Bei manchen Aussagen der Autoren hat man das Gefühl, dass sie zu sehr Texter und zu wenig Web-Profis sind. Die Bemerkungen zu Benutzerfreundlichkeit scheinen mir nicht ganz auf der Höhe der Zeit. Sieht man davon ab, ist das Buch ein leicht zu lesender Ratgeber dafür, wie man ordentliche Texte schreibt, die für Leser wie für Suchmaschinen funktionieren.

Autor: Jens Jacobsen
Die vollständige Rezension finden Sie auf benutzerfreun.de

Seiten: 215
Preis: 14,90 EUR
ISBN: 3423509236


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