Acht Website-Trends für 2014

Acht Themen, die Website-Konzeption und Webdesign 2014 bewegen. Diese sind mein ganz persönlicher Eindruck, den ich bei meinen letzten Konferenzbesuchen, im Gespräch mit Kollegen und Lesern sowie bei der Lektüre von Blogs und im Austausch über Social Media gewonnen habe.

Mobile & Tablet-Nutzung immer wichtiger

 Wo wir gehen und stehen, nutzen wir das Web.

Wo wir gehen und stehen, nutzen wir das Web.

 Unübersehbar ist der Trend zu Mobilgeräten. Ob in der U-Bahn, im Zug, im Wartezimmer oder im Café: Wenn Sie sich umblicken, sehen Sie mehr und mehr Menschen, die in Smartphones schauen oder auf Tablets tippen. In Großstädten sieht man solche Leute inzwischen weit häufiger als Zeitungsleser. Jede Website wird also zwangsläufig auf iPhone, Android, Surface oder iPad angesehen. Das müssen Sie bei der Konzeption Ihrer eigenen Site berücksichtigen.

Wichtig auch: Denken Sie nicht nur an die Menschen, die auf den Bus warten oder an der Kasse im Supermarkt anstehen. Von der Nutzungsdauer her viel bedeutsamer sind Menschen, die auf dem Sofa sitzen oder im Bett liegen. Die werden zwar teilweise noch als „mobile“ Nutzer eingeordnet, vom Nutzungsverhalten sind sie aber anspruchsvoll wie ein Nutzer am Desktop-PC. Speisen Sie diese Nutzer mit einer abgespeckten mobile-Site ab, mit der sie nicht alle Inhalte und Funktionen nutzen können, dann verlieren Sie diese schnell.

Noch eine These: Nutzer surfen auch deshalb gern mit mobilen Geräten, weil dort die Anzeigen zwangsläufig zurücktreten. Auf dem kleinen Smartphone-Display ist einfach kein Platz für Werbung und sollte doch einmal ein nerviges Werbebanner am Rand flackern, bringt es eine Fingerbewegung aus dem Sichtbereich. User Experience-Experten beäugen Google Glass und andere neue Nutzungsszenarien neugierig, aber wie diese im Alltag sinnvoll einzusetzen sind, das weiß so richtig noch niemand. Es wird wohl noch ein paar Jahre dauern, bis Sie Ihre Site für solche Nutzer anpassen müssen.

Responsive ist immer noch heiß

 time.com

Sites wie die von Time.com passen sich dem verfügbaren Bildschirmplatz an.

Die direkte Folge aus dem Trend zu Smartphones und Tablets ist, dass responsives Design mittlerweile Pflicht ist. Ihre Site muss also auf allen Bildschirmgrößen problemlos bedienbar sein und gut aussehen. Ich hätte gedacht, dass das Thema inzwischen abgehandelt ist, aber noch immer tut sich hier einiges, weil es einerseits neue technische Kniffe gibt, vor allem aber, weil viele schlaue Köpfe darüber nachdenken, wie man das Nutzungserlebnis auf den verschiedenen Geräten weiter verbessern kann. Details zur responsiven Entwicklung siehe Responsive – Webseiten optimiert für Smartphone, Tablet, mobile.

Agile bei größeren Firmen Pflicht

In größeren Unternehmen wie in kleinen Firmen mit Schwerpunkt Software-Entwicklung ist die Arbeit nach der agilen Methode fast schon Standard (– meist in der Form von SCRUM). Für alle Beteiligten bedeutet das ein Umdenken, weil in kurzen Abschnitten gearbeitet wird und man als Konzepter/UX-Experte in diesem Prozess erstmal seinen Platz finden muss.

Outsourcing bei Standard-Projekten interessant

Immer häufiger sehe ich, dass die Programmierung außer Haus gegeben wird, wenn die Projekte technisch keine Besonderheiten bieten. Außer Haus heißt dabei häufig Indien oder Philippinen. Früher ging das nur bei großen Unternehmen, die in diesen Ländern mit vielen Experten aber geringen Löhnen eigene Kontakte knüpfen mussten. Heute kann man bei verschiedenen Anbietern auf deren Website sein Arbeitspaket zusammenklicken und bekommt dann Entwicklung zum Festpreis per Mail oder FTP ins Haus geliefert. Ich persönlich habe dabei unterschiedliche Erfahrungen gemacht. In einem großen Projekt für ein Museum wurden vier komplexe Terminals in Indien programmiert.

Die Kommunikation auf Englisch lief teilweise etwas holperig, man musste mehr dokumentieren und vor allem testen als bei einem Programmierteam, das im Nachbarbüro sitzt. Aber durch die dermaßen niedrigeren Lohnkosten konnte die Agentur unterm Strich eine ordentliche Summe einsparen. Das zweite Projekt sind die benutzerfreun.de selbst: Hier habe ich mir Unterstützung geholt bei ein paar komplexeren CSS- und PHP-Details. Das hat schon ordentlich funktioniert, aber der Code, der herausgekommen ist, ist eher mau.

Ich hatte das Gefühl, da wurde schnell etwas zusammengehackt, ohne auf Wartungsfreundlichkeit oder Effizienz zu achten. Größere Sites werden immer häufiger recht straff durchgeplant. Dabei entstehen Seitenskizzen (Wireframes) für alle Seitentypen, oft auch für diese bei verschiedenen Bildschirmgrößen. Das bedeutet, die Vorgaben sind sowieso schon sehr gut dokumentiert. So lässt sich nicht nur die Programmierung, sondern auch die Gestaltung leicht outsourcen.

UX geht in die Unternehmen

Den gegenläufigen Trend sehe ich bei Usability und User Experience: Unternehmen, für die ihre Website zentral ist, bauen eigene Abteilungen auf, die sich darum kümmern, die Site laufend zu optimieren. Sie haben erkannt, dass sich das so dermaßen lohnt, dass sie laufend Experten zu diesem Thema beschäftigen.

Content Marketing boomt

 Dole

Bananen sind etwas, wo wohl die Wenigsten auf die Marke achten. Dole versucht, mit hochwertigen Videos Eindruck zu machen.

 Dass Inhalte ganz entscheidend sind, das sagen Konzepter schon seit den 90er Jahren. Aber dass große Unternehmen mehr und mehr auf hochwertige Inhalte setzen, die gar nicht mehr so viel mit ihren Produkten zu tun haben, das gibt es so erst seit einigen Monaten. Paradebeispiel ist die Site von Coca Cola. Hier finden sich journalistisch gut aufbereitete Geschichten über Menschen – und koffeinhaltige Erfrischungsgetränke kommen in den wenigsten vor.

Ohne CMS geht nichts

Ganz kleine oder technisch hoch innovative Sites werden noch „handgecodet“, das heißt, jemand schreibt jede einzelne HTML-Seite in einem Editor. Wer mehr als nur eine Handvoll Seiten hat oder diese gelegentlich aktualisieren will, der nutzt inzwischen ein Content Management System (CMS). Ob dies nun tatsächlich CMS heißt oder Blogsystem, ist gleichgültig – wichtig ist nur, dass es das Bearbeiten der Inhalte erlaubt, ohne dass man HTML, CSS oder anderen Code bearbeiten muss. Mit WordPress & Co gibt es solche Systeme kostenlos und zuverlässig.

Minimalismus ganz groß

 Wikipanion

„Long Shadow“, also extremer Schlagschatten gibt Flat Design Tiefe.

Die Reduktion von Inhalten ist im letzten Jahr auf Benutzeroberflächen durchgeschlagen. Windows Metro hat es vorgemacht, iOS 7 ist gefolgt und etliche Websites auch: „Flat Design“ heißt der Stil, Elemente auf dem Bildschirm nicht mehr wie reale Objekte aussehen zu lassen. Statt dessen werden abstrakte, oft einfarbige Farbflächen verwendet. In eine ähnliche Richtung von der Reduktion her gehen Ein-Seiten-Sites, also Websites die nur aus einer einzigen HTML-Seite bestehen. Diese ist zwar dann oft recht lang, aber alle Inhalte sind in einem Stück verfügbar, die Leserichtung ist vorgegeben und man weiß, dass man nichts übersieht, wenn man diese eine Seite angesehen hat.

Buch Website-Konzeption neu

 Website Konzeption von Jens Jacobsen

Die 7. Auflage des Buchs

Alle oben genannten Trends habe ich in der neuen Auflage des Buchs Website-Konzeption berücksichtigt, die vor wenigen Tagen erschienen ist. Vor allem das Thema konzipieren für verschiedene Geräte/responsive/mobile zieht sich jetzt durch das ganze Buch. Denn Sie können nicht einfach „responsive“ einbauen in Ihre Site, sondern müssen von der ersten Idee über die Umsetzung bis hin zur Pflege immer daran denken, wie Sie die neuen Nutzungsgewohnheiten berücksichtigen. Mehr zu den Neuigkeiten: Änderungen in der Neuauflage

Benutzerfreun.de neu

Im Zuge der Neuauflage habe ich auch das Blog zum Buch runderneuert. Dabei habe ich viele wenig besuchte Seiten gestrichen, andere zusammengelegt und wenige neue erstellt. Ziel war, die Orientierung zu erleichtern und so hochwertige und aktuelle Inhalte wie möglich bereitzustellen. Das Design ist jetzt voll responsiv und deutlich aufgeräumter. Es ist optimiert zum Lesen, denn ich möchte, dass Sie hier die Inhalte nicht nur überfliegen. Die Schriftgröße ist so gewählt, dass sie auf allen Geräten von jedem gut gelesen werden kann, ohne dass er die Seite vergrößern muss.

Wer das zu groß findet, dem empfehle ich folgende interessante Diskussion: Is there an optimal font size? Diese hat mich überzeugt, 16 Punkt zu wählen – was ungefähr der wahrgenommenen Größe eines Fließtextes in einem Buch entspricht. Erstmals nutze ich auch Web-Fonts, das heißt, die Schriftdateien werden von einem externen Server geladen. Das bedeutet zwar beim ersten Aufruf bei langsameren Verbindungen eine kurze Verzögerung, mir war es aber die individuelle Erscheinung wert, die damit möglich ist. Die Buttons sind nun groß und auffällig, was die Bedienung auf Touch-Geräten erleichtert und schön klar wirkt.

Verlosung Buch Website-Konzeption

Fast schon Tradition ist, dass ich unter allen, die in den nächsten Tagen auf Twitter, Facebook oder im Blog kommentieren, drei Exemplare der neuen Auflage des Buchs „Websitekonzeption“ verlose. Kommentarschluss ist der 19.12.2013, so dass die Gewinner ihr Exemplar unter dem Weihnachtsbaum lesen können – oder es dort für einen netten Menschen ablegen können. Also, was sind „Ihre“ Trends für 2014? Ich bin gespannt!

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Bildquellen

  • Websitetrend-2014: © burak çakmak - Fotolia.com
Jens Jacobsen

Jens Jacobsen

Jens Jacobsen ist Website-Konzepter und User Experience Consultant. Als Berater unterstützt er Unternehmen beim Planen und Erstellen von Inhalten aller Art. Er ist Autor des Buchs „Website-Konzeption“ und betreibt das Blog benutzerfreun.de.

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1 Antwort

  1. Ich denke auch, dass gerade Responsive Webdesign Zürich und die damit verbunde Tablet Nutzung zunehmen wird. Das ist aber eher ein kleines Problem, da viele Content Management System, wie zum Beispiel WordPress Schweiz, diese Art der Darstellung unterstützen.

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