Visuelles Denken für Unkreative

Ideen, Intuition, Genie, Geistesblitz – alles rund um neue Ansätze, Innovationen, ja Revolutionen wird seit einigen Jahren hoch gehandelt. Große Unternehmen gründen Ideenschmieden oder leisten sich zumindest ein Innovationslabor. Alle wollen sie haben, die tollen Ideen. Gern wird der Prozess der Ideenfindung mit dem englischen Ideation bezeichnet.

Doch wie kommt man auf gute Ideen? Das ist weniger schwer, als viele denken. Viel schwerer als auf Ideen zu kommen, ist sie weiterzuentwickeln, aus der Idee eine Innovation zu machen – und vor allem auch, die Ideen zu kommunizieren.

Dabei hilft visuelles Denken hervorragend. Und wir können visuelles Denken nutzen, um Konzepte für Websites zu entwickeln ebenso wie neue Geschäftsideen oder um ein persönliches Problem zu lösen.

Was ist visuelles Denken?

Visuelles Denken heißt, den Bereich der Vorstellungen, des Abstrakten zu verlassen. Es heißt, seine Ideen so auszudrücken, dass sie fassbar werden, dass man sich selbst klarer wird, ob sie gut sind und was man mit ihnen weiter anstellen kann. Und es ist auch ein Werkzeug, um anderen seine Ideen zu erklären, sie mit ihnen zu diskutieren, sie weiterzuentwickeln.

Nicht selten passiert es, dass man länger über eine gemeinsame Idee spricht. Aber erst, wenn jemand an den Flipchart geht und eine grobe Skizze macht, stellt man fest, dass jeder im Raum eine andere Vorstellung im Kopf hatte.

Erst wenn man eine Idee so ausdrückt, dass sie für andere visuell erfassbar wird, kann man sie richtig gut untersuchen und von allen Seiten beleuchten – ob allein oder mit anderen.

Dabei nutzt man am häufigsten die Methode des Zeichnens. Aber visuelles Denken ist natürlich nicht auf Zeichnen beschränkt. Man kann auch mit Knete oder Ton arbeiten. Oder mit Lego-Steinen oder Playmobil-Männchen. Oder man baut mit einem kleinen Arduino-Computer und ein paar Leuchtdioden einen Prototypen. Alles ist erlaubt.

Nicht nur für Kreative

Das Wort „kreativ“ ist auch groß in Mode. Manche grenzen sich deshalb davon ab und sagen, sie seien nicht kreativ. Und zur „Kreativbranche“ gehören wollen sie auch nicht, sie denken da nur an vollbärtige Hipster.

Aber kreativ sein kann jeder. Und dass müssen wir auch. Denn um Probleme zu lösen, müssen wir kreativ sein – ob als Künstler, als Designer, als Steuerberater oder als Arzt. Mit Kunst hat das erstmal wenig zu tun, nur mit Offenheit und Denken.

Wenn wir visuell arbeiten, dann nutzen wir nicht nur unsere linke, rationale Hirnhälfte. Sondern wir aktivieren auch unsere rechte, die mit Intuition, Kreativität und Bildern assoziiert ist. Es geht dabei weder um Esoterik noch um Hirnforschung. Es geht einfach darum, ganzheitlich zu denken – auch bei trockenen Themen, die mit Kunst oder Gestaltung überhaupt nichts zu tun haben. Wir kommen einfach auf bessere Ergebnisse, wenn wir uns nicht einfach in ein Problem verbeißen, sondern es von allen Seiten angehen.

Also: Stifte her!

Zum visuellen Denken gehört viel mehr als nur Zeichnen. Aber trotzdem ist Zeichnen vielleicht die wichtigste Methode. Denn Zeichnen

  • ist einfach,
  • braucht minimal Materialien,
  • ist super schnell.

Ein Stift ist praktisch überall zur Hand, und irgend etwas, auf dem man Zeichnen kann auch.

Aber ich kann nicht zeichnen!

Zeichnen ist ein zu gutes Werkzeug, als dass wir es den Künstlern allein überlassen dürften.

Zeichnen klingt für Sie vielleicht nach Kunst. Oder nach perfekten Konstruktionsplänen, die mit Lineal und Zirkel am Reißbrett entstanden sind. Aber das muss es nicht sein. Eine Zeichnung hat für mich nur die Funktion eines Werkzeuges. Es soll vermitteln, was ich mir bei der Konzeption gedacht habe. Soll mögliche Wege aufzeigen.

Solch ein Scribble muss nicht schön aussehen. Es muss nur zeigen, was ich meine.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Ich kann auch nicht besonders schön zeichnen. Aber schön muss es nicht sein. Es muss verständlich sein. Wir müssen deutlich machen können, was wir in unseren Köpfen haben.

Und dazu braucht es kein Talent. Aber ein wenig Übung kann nicht schaden. Nicht zeichnen kann niemand. Man hat vielleicht nicht viel Erfahrung mit Zeichnen. Und das lässt sich schnell ändern.

Die 3 elementaren Regeln für bessere Zeichnungen

  1. Lass’ dir Zeit
  2. Von nichts kommt nichts
  3. Lass’ Kreativität zu

Was ich extrem häufig sehe, ist, dass andere sich an den Flipchart stellen und Kästchen zeichnen, die schief sind und keine Ecken haben, sondern eher Dellen. Das ist ein typischer Fall von zu viel Hektik. Man fühlt sich vielleicht nicht wohl, der der Gruppe zu stehen. Vielleicht denkt man auch, man müsse schnell sein, die anderen seien ungeduldig. Aber das sind sie nicht. Sie finden es gut, wenn sie Zeit haben, Ihren Gedanken zu folgen.

Diese Regel ist super einfach – aber sehr schwer, sich in der Praxis wirklich die Zeit zu nehmen, die es braucht für gerade Linien und lesbare Texte. Versuchen Sie einfach, beim nächsten Mal daran zu denken. Sie werden sehen: Werden Sie nur ein bisschen langsamer, werden Ihre Zeichnungen (wie auch Texte) sehr viel schöner.

Der zweite Punkt bedeutet, dass Sie nicht erwarten können, dass Ihre Zeichnungen nach was aussehen, wenn Sie das nie geübt haben.
Wollen Sie also, dass Ihre Zeichnungen schöner werden (was sie aber gar nicht sein müssen), dann üben Sie etwas. Ein paar Minuten pro Tag sind genug. Oder machen Sie bei Besprechungen gelegentlich Sketchnotes, also Zeichnungen mit Text anstelle der üblichen Notizen, die Sie doch nie wieder ansehen. Und wie bei praktisch allem anderen gilt: Je mehr Sie üben, desto besser werden Sie.

Mit dem dritten und letzten Punkt meine ich: Jeder ist kreativ. Man muss es nur zulassen. Schämen Sie sich nie für das, was Sie produzieren. Zeichnen ist für uns ein Werkzeug. Und wir entschuldigen uns auch nicht, wenn unser Bericht sich nicht spannend liest wie ein Roman von Dan Brown (auch wenn er fast genauso dick ist). Genauso müssen unsere Zeichnungen auch nicht aussehen wie von Leonardo da Vinci.

Ich habe bei video2brain/Lynda vor wenigen Wochen ein Videotraining zum Thema gemacht. Darin geht es vor allem darum, wie man mit ganz wenig Aufwand schnell besser zeichnet, schöner schreibt und klarer kommuniziert. Was man z.B. statt der ewigen Strichmännchen zeichnen kann, wie man ordentliche Striche macht und mit welchen Tricks man an Flipchart und Whiteboard besteht. Und wer noch besser werden will, findet dort Tipps für ein lockeres Trainingsprogramm.

Neugierig geworden? Hier gibt es die Gliederung und ein Probevideo: Ideation: Visuelles Denken und Ideenfindung 

 

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Bildquellen

Jens Jacobsen

Jens Jacobsen

Jens Jacobsen ist Website-Konzepter und User Experience Consultant. Als Berater unterstützt er Unternehmen beim Planen und Erstellen von Inhalten aller Art. Er ist Autor des Buchs „Website-Konzeption“ und betreibt das Blog benutzerfreun.de.

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