Interview: Dr. Joachim Weiß über die Auswahl des „richtigen“ CMS


Fragen Sie 10 Experten, welches das richtige Content Management System ist, und Sie bekommen 50 Antworten. Wie bereits festgestellt, gibt es DAS EINE seeligmachende CMS nicht. Wir sprachen mit Dr. Joachim Weiß, Expert Berater bei netpioneer, wie er das passende CMS für seine Kunden findet.

contentmanager.de: Wie kategorisieren Sie den komplexen CMS-Markt?

Dr. Joachim Weiß: Content-Management-Systeme lassen sich grob in drei Kategorien einteilen: Erstens die mächtigen, aber komplexen CMS-Plattformen. Diese sind von der Mittelklasse- bis zur Enterprise-Plattform erhältlich, sind aber immer auf große Lösungen ausgelegt. Die Einsatzmöglichkeiten und ihre Leistungsfähigkeit sind sehr umfassend, aber sie bringen oft nicht besonders viele Standard-Funktionen mit, sodass ein höherer Implementierungsaufwand nötig ist.

Zur zweiten Kategorie zählen die sogenannten Midrange Products, also CMS-Produkte der Mittelklasse. Dies sind keine Plattformen, d.h. es gibt Standard-Features – aber dem Spielraum des Entwicklers sind Grenzen gesetzt. Dennoch gibt es auch hier die Möglichkeit, die Funktionalität durch zusätzliche Programmierungen zu erweitern.

Und drittens gibt es die einfachen CMS – solide Produkte für begrenzte Einsatzbereiche. Für viele typische Anwenderwünsche bringen diese CMS bereits die Lösungen im Rahmen von Standard-Funktionalität mit – individuelle Anpassungen beschränken sich allerdings eher auf eine Konfiguration denn auf maßgeschneiderte Programmierungen.

Darüber hinaus ergibt sich natürlich die Unterscheidung in proprietäre und Open Source-Systeme, webbasierte SaaS-Software und lokale Installationen.

contentmanager.de: Haben Sie für jede Branche das passende CMS in der Schublade? Oder anders gefragt: Welches CMS passt zu welchem Kunden?

Dr. Joachim Weiß:  Diese Frage lässt sich pauschal kaum beantworten – es kommt immer auf die individuellen Anforderungen des Anwenders an. Um zu entscheiden, welches das passende CMS für einen Anwender ist, muss dieser für sich daher als allererstes die Frage beantworten: Was will ich damit machen? Ist das CMS das Herz meines Geschäftsmodells, beispielsweise eines Online-Shops oder eines Online-Nachrichten-Portals? Oder dient es vor allem der Information über ein Unternehmen und dessen Produkte, die jedoch über völlig andere Kanäle vertrieben werden? Welche Arten von Inhalten sollen dargestellt werden, und welche Schnittstellen sind nötig?

Dann muss man sich bewusst machen, dass es auch beim Anwender mindestens zwei Zielgruppen gibt, zu denen das CMS passen muss: diejenigen, die es bedienen, und diejenigen, die daraus Werte für das Anwenderunternehmen schöpfen. Wenn man sich die erste Gruppe anschaut, gilt es zudem, zwischen Power-Usern und Gelegenheitsanwendern zu unterscheiden. Sind es CMS-Experten, die jeden Tag damit arbeiten und für die jede noch so komplexe Funktion mit einem Mausklick erreichbar sein muss? Oder genügen Standard-Funktionen, mit denen Gelegenheitsanwender von Zeit zu Zeit über ein einfach zu bedienendes Menü Inhalte aktualisieren?

Die Beantwortung dieser Fragen hilft Unternehmen, eine erste Eingrenzung der zahlreichen auf dem Markt befindlichen Systeme vorzunehmen. Weitere Aspekte sind natürlich das vorhandene Budget und der erwartete Lebenszyklus des CMS. Während beispielsweise kostenlos verfügbare Open Source-Systeme oft einen relativ hohen Innovationsgrad aufweisen, gibt es dafür Einschränkungen, was einen langfristig gesicherten Support und strategische Weiterentwicklungen angeht.

contentmanager.de: Aber was bedeutet das in Praxis? Wie kann die Auswahl des richtigen CMS in der Projektierungsphase erfolgen?

Dr. Joachim Weiß:  Zunächst einmal muss, wie oben beschrieben, die Frage beantwortet werden, wofür das CMS eingesetzt werden und welches Ziel damit erreicht werden soll. Ist dies geklärt, sollten die Anforderungen aller Stakeholder gesammelt werden. Diese Anforderungen gilt es dann zu priorisieren: Welche Funktionalitäten müssen zwingend vorhanden sein, was hat eher „nice-to-have“-Charakter? Hierbei sollten die zuvor festgelegten Business-Ziele immer im Blick behalten werden und als Maßstab dienen. Hat man auf diesem Weg eine Anforderungsliste erstellt und darauf basierend eine Vorauswahl geeigneter Content Management Systeme getroffen, sollte man nach Möglichkeit in einem kleinen Vorprojekt eine sogenannte Proof-of-Concept-Phase durchführen. So lässt sich am besten feststellen, inwiefern das CMS den eigenen Vorstellungen im Hinblick auf Funktionalität, Flexibilität und Anpassungsaufwand im produktiven Einsatz gerecht wird.

Ein solcher Auswahlprozess bedeutet natürlich Aufwand. Diesen sollten Unternehmen aber nicht scheuen – schließlich ist der finanzielle Aufwand meist deutlich höher, wenn sich ein CMS dann erst im Nachhinein als ungeeignet herausstellt. Unternehmen, denen es für einen solchen professionellen Auswahlprozess an personellen Ressourcen oder Know-how fehlt, sind dabei gut beraten, einen unabhängigen Dienstleister mit langjähriger Projekterfahrung und umfassenden aktuellen Kenntnissen im CMS-Bereich als Unterstützung hinzuzuziehen. Dieser kann in der Regel besser beurteilen, welches System sich für die am höchsten priorisierten Anforderungen am besten eignet, wie viel zusätzlicher individueller Programmieraufwand nötig ist und ob das System die erforderlichen Programmierungen unterstützt.

Contentmanager.de Newsletter.
Bleiben Sie informiert. Wöchentlich. Kostenlos.

Bildquellen

  • Joachim-Weiß: netpioneer GmbH
Previous CMS-Marktüberblick 2014: Es geht heute um die Bereitstellung digitaler Erlebnisse
Next Erfolgreiche Websites sind empathisch

No Comment

Leave a reply

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

fünf × 4 =